Der Einfluss der digitalen Welt auf unsere Gesellschaften

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Die digitale Welt – Gibt es bald keine Bücher mehr?

François Bon
après le livre
Paris: Seuil, 2011.
275 S.
ISBN 978.2.02.105534.4

Ein spannendes Buch. François Bon beschreibt den Übergang zum digitalen Buch oder Informationsträger. Man kann sich seiner Passion kaum entziehen. Sein letzte Satz “Nous sommes déjà après le livre,” duldet keinen Widerspruch, nachdem er im vorhergehenden Paragraphen erklärt hat, dass es wichtig sei, zu verstehen, dass der Beginn dieser Entwicklung, die noch im Anfangsstadium steckt genauso irreversibel und total wie ähnliche Entwicklung durch alle früheren Veränderungen des Schreibens und aller Formen des Lesens eingeleitet worden seien. (vgl. S. 270) Und auf der vorhergenenden Seite stellt Bon fest: “Nous venons d’être projetés dans un monde mouvant. Il s’ouvre tout juste.” Er ist seiner Zeit wirklich voraus. Wenn Studenten heute ihre Seminararbeiten oder ihre Abschlussarbeiten ohen ein Buch schreiben könnten, müsste man Bons apodiktischen Behauptungen noch mehr oder überhaupt Glauben schenken. Solange aber das Internet z.B. bei literaturwissenschaftlichen Arbeiten überhaupt nicht hilft, sondern allenfalls die Ergänzung eine Bibliographie beschleunigt, ohne trotz der Vielfalt im Netz wirklich zu ihrer Vollständigkeit beitragen zu können, möchte man Bons Begeisterung noch nicht so recht teilen.

Lässt man sich aber auf Bons Argumente ein, ergibt sich ein anderes interessantes Bild, und es loht sich, seine Anmerkungen genauer zu lesen. Um es gleich zu sagen, die etwa 40 Abschnitte seines Buches sind möglicherwiese als kürzere oder längere Blogbeiträge entstanden. Ein Buch mit einer traditionellen Kapiteleinteilung könnnte sein Anliegen noch mehr verdeutlichen. So geht sein so interessanter literatur- und Buch – oder editionshistorische Ansatz zwischen einer gewissen Unordung zwar nicht verloren, aber er wird leider etwas unscharf.

Die Veränderung, die wir erleben, ist für ihn unwiderruflich und hat längst begonnen. Es geht um das Schreiben: “Accorder son traitement de texte,” rät er seinem Leser und gibt zu erkennen, wie jeder Schreibprozess mit all seinen Erscheinungsformen und Formatierungen das Lesen beeinflusst. Lesen und das Schreiben gehört zu seinen Themen. Sein Anfang ist geschickt gewählt. Folglich ist auch das Lesen am Bildschirm etwas anderes als das Lesen einer Buchseite. Und er weiß auch, dass eine Liseuse auch mit einem dicken Buch ausgerüstet keinen dicken Buchrücken hat. Und das stört uns. (S. 25) Selbst das digitale Buch ist für Bon nur ein Übergang. IPad und PC, das Schreiben ändert sich, aber er bleibt dabei: “le corps écrit.”

Und dann erwähnt er die Menge der Websites, die Domainenamen, die er mehr oder weniger besitzt, und was er in den letzten 15 Jahren dort erlebt hat. Die Vielfalt erklärt er mit den Fleurs du Mal, dem Gedichtband Baudelaires, von dessen Editionen er eine ganze Bibliothek besitzt: Für Bon war das immer nur ein Buch. Nebenbei berichtet Bon über seine Erfahrungen im Web. “Nouvel axiome Web:” Je mehr Türen (Links) sich nach außen öffnen, um so häufiger kommen die Besucher wieder. Und er lässt erkennen, dass man das Internet nur verstehen kann, wenn man am besten alles ausprobiert. Kaum ein Produkt ist in technischer Hinsicht so sophistiqué wie das moderne Buch. Vergleicht man damit das eigene Schreiben und das interne Chaos auf der häuslichen Festplatte, kann man gar nicht glauben, dass Bon, glaubt, wir hätten das Buch bald überwunden.

Bons literaturgeschichtlicher Exkurs z. B. über Balzacs Editionsarbeit ziegt, dass es schon zu Zeiten des Autors der Comédie humaine tiefgreifende Veränderungen des Schreibprozesses und folglich auch der Vermarktung von Literatur gegeben hat. Und mit seiner Druckerei ist > Balzac gescheitert, aber mit seiner Vermarktung in Richtung von Abonnements war er wegweisend. (S. 119). Bon weiß, dass die Lektürgewohnheiten das Schrieben beeinflussen und sich besonders zugunsten der kurzen Form auswirken. (Das sieht man an seinem Inhaltsverzeichnis.).

Zugegeben, auch bei langen Zeitungsaufsätzen, teilen wir uns mit einem Blick den Lesestoff ein. (S. 132) Heute: “La lecture aujourd’hui pass par un cadre et non plus un volume,” (S. 146) schreibt Bon und meint damit alle Anfeindungen, die die Lektüre am Bildschirm stören. Au revoir, la concentration. Kann da noch der kleine Rahmen der persönlichen Bibliothek reichen, wenn der weltweite Internet-Rahmen so groß ist? Und wer kann sich dem meschlichen Abenteuer Wikipedia noch entziehen? (S. 147) – Nun, die schiere Masse ist eine Perspektive aber noch keine Lösung für literaturwissenschaftliche Hausarbeiten. Was für Bon folgt, ist eine andere Art des Denkens, eine andere Art des Gehens. Immerhin. Er empfiehlt, die eigenen Gewohnheiten zu überprüfen und auf die Konzentration zu achten. Wie viel unnütze Zeit vertut ein Student beim Surfen in der Hoffnung, etwas für seine Seminararbeit zu finden. Bons Erklärungen, wie in der Entwicklung zum Buch die Seite entstand, wie der Titel, die Kapiteleinteilung und schließlich der Begriff des Autors im XVII. Jh. entstand (S. 183), sind richtig spannend und lehrreich. Mit Rabelais kennt sich Bon so gut aus! Das verführt zum Lesen von Rabelais. Eine andere Kapiteleinteilung hätte der Lektor Bon doch empfehlen müssen! Bei der Daumenprobe in der Buchhandlung verrät das Inhaltsverzeichnis eher wenig über den “Plan” seines Buches. Und dann gibt es all diejenigen, die beim Thema Web immer sagen: “Dazu habe ich keine Zeit,” – “mettre les mains dans le cambouis pour se faire un site,” antwortet Bon ihnen und erklärt ihnen was das Teilen im Netz bedeutet. Bons Abneigung gegen das Telefonieren ist seine persönliche Marrotte. Soit. – “… le Web est notre livre – une construction,” (S. 201) das wäre ein Leben im Web, in der Hoffnung, dort das ganze soziale Leben wiederzufinden. Man kann da ganz schöne alleine sein, wenn nicht das macht, was die anderen auch alle machen. Manche gehen in die Bibliothek um dort zu lesen, zu arbeiten, orditer. Mit dem PC ist man immer weniger allein, meint Bon und vergleicht das PC-und Internetarbeiten mit dem Leben in einer Stadt. Bibliotheken sind nicht her nur Orte, wo Inhalte gehütet werden, sondern sie sind zu Orten geworden, wo diese Inhalte intelligent verteilt werden. Das ist ein interessanter Gedanke, den man weiterverfolgen sollte. Wie gestaltet sich das Verhältnis von Bibliothek und Internet? Eine Wechselwirkung?
> Vergrößert sich dafür in der Bibliothek die Distanz zu den Büchern?

Die neue Stadtbibliothek in Stuttgart

Den Tontafeln und das Lesetablett ist ein langes Kapitel gewidmet. Und ein letztes Kapitel gilt den Spuren, die der Autor bei der Erarbeitung seines Textes hinterlässt. Gibt es noch Brouillons? Oder nur noch das Online-Schreiben? Das digitale Werk zerstört die Grenze zwischen dem Objekt Buch und dem Lesevorgang, jedes brouillon ist ein Appell an den Leser.

Facebook, Website, Twitter und das Blog, Timeline, jeder schreibt “sans constitution symbolique de l’écrivain” (S. 261) Gar nicht sicher, dass die Schriftsteller dabei viel verlieren werden. Die digitale Welt verändert die Art und Weise, wie wir die Welt perzipieren. Ob sie sich dadurch wirklich auch verändert, darf man sich auch weiterhin fragen.

Stimmt das alles? Es ist zumindest etwas dran. Seine riesige Bibliothek, die Bon in allen Einzelheiten beschreibt, wie Un Voyage autour de ma chambre zugleich mit seiner Vorliebe, auf Lesetabletts aller Art zu lesen, zeigt, wie er sich trotz seiner enormen Bücherstapel zu Hause von der digitalen Welt beeindrucken lässt. Und der Literaturstudent von heute? Was hat er vom Internet zugunsten seiner Seminararbeit? Zeitgewinn oder eher mehr Zeitverlust?

Heiner Wittmann

 

Eine neue Biogaphie über Machiavelli?

Reinhardt, Volker
Machiavelli oder Die Kunst der Macht
Eine Biographie

München: C.H.BECK, 2012.
400 S., mit 15 Abbildungen und 1 Karte. Gebunden

Der Buchrücken wirbt mit dem Text: „Volker Reinhardt legt mit diesem Buch die erste Biographie über Machiavelli seit Jahrzehnten vor. […] Das Ergebnis ist ein neues Bild von Machiavelli: hinter dem illusionslosen Zyniker verbirgt sich ein Idalist, der an die perfekte Republik und das gute Leben glaubt. Gerade dieser Machiavelli hat uns bis heute etwas zu sagen.“ Möglicherweise hat die Werbeabteilung des Verlags das Buch ihres Autors nicht richtig gelesen. Reinhardt hat keine „Biographie“ vorgelegt, sondern er resümiert vor allem die Legationsberichte Machiavellis, einige Passagen aus seinem Büchlein über den Fürsten, einige ausgewählte Passagen aus den Discorsi, und er entdeckt nebenbei, dass Machiavelli auch Dichter und Komödienschreiber war. Dazu kommen noch Zitate aus seiner Korrespondenz, die dieses Buch zu einer politischen Geschichte Florenz und Italiens von ca. 1480 bis 1527 machen, in der auch einige Lebensstationen Machiavellis genannt wird.

Im Prolog „Der Provokateur“ wird Machiavelli zum „Missionar im Spöttergewand“ (S. 11) und verkündet „Wahrheiten […] seiner Zeit“. Reinhardt zitiert einige ausgesuchte, – und aus dem Zusammenhang irgendwoher – entnommene Sätze wie „Erfolg ist das Maß aller Dinge,“ oder „Der vollendete Politiker muss nicht nur skrupellos vorgehen, sondern auch betrügen und Verträge brechen können.“ (S. 11-13) Es gibt keine Anmerkungen zu diesen Zitaten, Reinhardt kommentiert sie knapp und bestätigt so auf leichte und eingängige Weise, was alle schon immer über Machiavelli wussten, wofür sein Name steht, wie der Satz „In der Politik erweisen sich die Regeln der verbürgten Macht nicht nur als untauglich, sondern geradezu als kontraproduktiv.“ Reinhardt hält das an dieser Stelle Belege nicht für notwendig. Er bestätigt nur das traditionelle Machiavelli-Bild. Nichts Neues, ganz im Gegensatz zu dem eingangs zitierten Werbetext.

Machiavelli wird am 28. Mai 1498 vom Rat der Achtzig zum Sekretär der Florentinischen Regierung und zum Chef der Zweiten Kanzlei gewählt. Zu Recht darf man sich wie der Autor wundern, wieso ein nahezu Unbekannter im Alter von 29 Jahren diese ehrenvolle Aufgabe erhält, wenn man nicht vorher die Untersuchung der Tagebücher von seinem Vater Bernardo Machiavelli zur Kenntnis genommen hat: Catherine Atkinson, Debts, Dowries, Donkeys. The Diary of Niccolò Machiavellis’s Father, Messer Bernardo, in Quattrocento Florence, Reihe Dialoghi/Dialogues, hg. v. D. Hoeges, Bd. 5., Frankfurt/Peter Lang 2002.

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Vom Übersetzen zum Simultandolmetschen

Roger Willemsen (1955-2016) beginnt das Vorwort mit dem Satz “Dolmetscher sind Höhlenmenschen,” und meint damit, man sehe sie selten, weil sie im Hintergrund oder im Verborgenen arbeiten. In Wirklichkeit sind sie aber “Zöllner und Mittler”, die uns beim Grenzübertritt helfen. Und er weiß, dass Übersetzer und Dolmetscher unseren “kostbarsten Rohstoff” behandeln” “Kommunikation und Vielsprachigkeit”.

Jetzt hat Jürgen Stähle, seit 1982 Inhaber von Stähle
Internationale Kommunikation in Stuttgart, bekannt durch seine Dolmetschertätigkeit mit Schwerpunkt Fernsehen, ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis für “herausragende Simultanübersetzungen im Fernsehen”, eine ausführliche Beschreibung seines Berufsbildes vorgelegt. Von wegen Höhlenmensch!

Zuerst geht es um die historische Einordnung seines Berufs, die feinen Unterschiede zwischen Übersetzen und Dolmetschen und schließlich das Entstehen des Beurfs des Simultandolmetschers mit den Abgrenzungen zum Konferenzdolmetscher. Übersetzen ist Entscheiden heisst es im ersten Leitsatz. Aber Simultandolmetschen steigert die Ansprüche und verlangt schnellere, blitzschnelle Entscheidungen, sagt der 2. Leitsatz. Schließlich ist Übersetzen aber auch Interpretieren, wie der 3. Leitsatz betont. Es geht nie um ein bloßes Umkodieren. Der Simultandolmetscher kann sich nicht einfach hinsetzen, und das Gehörte in einer anderen Sprache ausdrücken. Ein Teil der Übersetzungsarbeit findet vorher statt, wie es der 4. Leitsatz andeutet: Kein Übersetzen ohne Wissen und Verstehen und verweist auf die zwingend notwendige Vorbereitung für einen “Einsatz”.

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Es reicht mit der Oligarchie. Es lebe die Demokratie

Hervé Kempf,
L’oligarchie ça suffit, vive la démocratie
Paris : Seuil 2011.

Hervé Kempf, Journalist bei LE MONDE hat in zwei Büchern > Comment les riches détruisent la planète und > Pour sauver la planète, sortez du capitalisme seine Kritik an einem ungebremsten Kapitalismus vorgetragen, in seinem neuen Buch geht es um die Angriffe auf die Demokratie. Die kleinen Kreise und Gruppen, die sich die Entscheidungen in der Demokratie anmaßen, werden immer einflussreicher. Wir können den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts aber erst dann begegnen, wenn wir den oligarchischen Anspruch kleiner Gruppen erkannt haben. Solange wir das unterlassen, werden diese Gruppen weiterhin Privilegien zum Nachteil der dringendsten sozialen und ökologischen Fragen anhäufen. Nur wenn der Westen sich wieder an die lebendige Demokratie erinnert und bereit ist, die Welt mit den anderen Einwohners des Planets zu teilen, werden wir ein ökologisches Gleichgewicht erreichen. Diese enge Verknüpfung von Demokratie und Umweltschutz ist der rote Faden seines Buches. Wird diese Verbindung missachtet, so lautet seine These und Warnung, werden die Oligarchien uns in Gewalt und Autoritarismus führen. Das sind die Thesen, die auf dem Klappentext stehen.

Kempf sieht einen unauflösbaren Zusammenhang zwischen den Umweltproblemen und den immer kleinen oligarchischen Gruppen, die zum Schaden der Demokratie Entscheidungen und Lösungen allen anderen aufzwingen wollen. Erst die Analyse. Kempf untersucht die Versuchungen der Oligarchie, die Politik des Kapitals und der Lobbyisten, die Kunst der Propaganda und fragt, wie wird uns das alles verkauft? Aber es gibt noch Herausforderungen für die Demokratie, die wir aufgreifen sollten, um die Tugenden der Demokratie wiederzubeleben.

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Deutschland und Frankreich: Mieux gouverner ensemble

Bernard de Monferrand, Jean-Louis Thiérot,
France Allemagne, L’Heure de vérité
Paris: Tallandier, 2011.
ISBN : 978-2-84734-829-3

Bernard de Monferrand (Botschafter Frankreichs in Berlin von 2007-2011) und Jean-Louis Thiérot (Rechtsanwalt, Deutschland-Kenner und Autor mehrerer Biographien wie über Margaret Thatcher, 2007 und Stauffenberg, 2009) haben zusammen einen sehr lesenwerte Untersuchung über die aktuellen Herausforderungen der Wirtschaftspolitik, denen das deutsch-französische Paar sich zu stellen hat, verfasst. In vier Kapiteln vermitteln sie zuerst einen historischen Abriss von 1945 bis 2010, in dem sie das deutsche Wirtschaftswunder eingehend analysieren und zeigen, wie ab 1960 Frankreich aufholt. 2002-2010 kann Deutschland durch die Agenda 2010 deutliche Vorteile verzeichnen. Im zweiten Teil untersuchen sie gemeinsame Stärken und Schwächen und erklären, wie in Frankreich dem Konsum ein Vorteil gegenüber der Wettbewerbsfähigkeit eingeräumt wird. Der dritte Teil untersucht die deutsche Wirtschaftspolitik der letzten drei Jahre und nimmt dabei die Schuldenkrise und die deutschen Reaktionen darauf Blick einschließlich der Diskussion um die Transferunion in den Blick. Außer den Wirtschaftsfragen müssen auch andere Fragen, die die der Verteidigung berücksichtigt werden, die in Europa nur noch durch gemeinsame Positionen beantwortet werden können.
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Die Presse in Frankreich und Deutschland miteinander vergleichen

Valérie Robert,
La presse en France et en Allemagne.
Une comparaison des systèmes suivie
d’un lexique allemand-français de la presse,
Les fondamentaux de la Sorbonne Nouvelle,
Paris: Presse Sorbonne Nouvelle, 2011.
183 S. ISBN: 978-2-87854-564-7

Ein Blick in das Schaufenster des Verlags Sorbonne Nouvelle. Ein Zufallsfund! Das Buch von > Valérie Robert mit einem Vergleich der Presse in Frankreich und Deutschland ist ein sehr nützliches Arbeitsinstrument für weitere Untersuchungen.

Sie beginnt mit vergleichenden statistischen Angaben für die Nutzung aller Pressemedien in Deutschland und Frankreich aus und bezieht dabei andere europäische Länder ein, um die Größenordnungen zu verdeutlichen. Die Deutschen lesen mit durchschnittlich 40 Minuten täglich 10 Minuten länger in Tageszeitungen. Die Internetnutzer liegen mit einem Anteil von 79 % und 80 % an der Gesamtbevölkerung in beiden Ländern nahezu gleich auf.

Dann untersucht Valérie Robert den Status der Presse und die Rolle des Staates, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Presse sowie die Verkaufsbedingungen der Presse beiden Ländern. Das Kapitel über die Eigentumsverhältnisse und die Konzentration im Pressewesen zeigt große Unterschiede. In Frankreich teilen sich 10 Unternehmen rund dreiviertel des Marktes für Tageszeitungen, während in Deutschland neun Unternehmensgruppen etwas mehr als ein Viertel des Marktes für Tageszeitungen beherrschen.

Besonders interessant ist ihr Kapitel über die Tagespresse, in dem sie auch den Absatz der BILD-Zeitung in Deutschland untersucht und die Frage nachgeht, warum eine Bild-Zeitung in Frankreich nicht möglich ist. (S. 100 ff.) Weitere Themen sind die Nachrichtenmagazine, ein Kapitel über die Reaktionen angesichts der Wirtschaftskrise.

Ihre beiden Kapitel über die Online-Presse und zu einer Soziologie des Journalismus in Frankreich und Deutschland dürften bei Studenten und Forschern, die sich mit den deutsch-französischen Beziehungen beschäftigen, auf besondere Aufmerksamkeit stoßen. Mit den Kenntnissen, die Valérie Robert hier vermittelt, gelingt es ihr, echtes Interesse für den Einstieg in diese Themen zu erzeugen. Ihr Buch enthält mehr als nur eine Vergleichende Medienkunde, Robert schärft den Blick für die Verhältnisse beim Nachbarn, sie präsentiert so implizit auch eine Anleitung, wie man die Nachrichtenaufbereitung > in den verschiedenen Medien beiderseits des Rheins vergleichen könnte. Ihr Leser wird sich schnell darüber im klaren werden, dass nicht nur die Meldungen oder Kommentare als solches in den verschiedenen Medien miteinander verglichen werden sollten, sondern dass eine Vielzahl anderer Aspekte wie die Definition des Berufs des Journalisten, journalistische Praktiken oder auch die Struktur der Medien, sie nennt es die “Structuration du champ journalistique” (S. 153-157) bei solchen Analysen und Vergleichen zu berücksichtigen sind.

Ihre Arbeit präsentiert sich für ein Handbuch für deutsch-französische Forscher, genauso wie eine Art Vademekum für Studenten, die bei den Medien des Nachbarn ein Praktikum machen können, wie auch als eine willkommene Referenz für Grundlagen vergleichender Arbeiten und als Inspirationsquelle für Studenten, die auf Themensuche im Bereich der Medien in Frankreich und Deutschland sind.

Man lernt am meisten über das eigene Land, wenn man es von außen im Vergleich mit anderen Ländern betrachtet. Dies gilt besonders für Frankreich und Deutschland (> Alfred Grosser), die sich so nahe sind, und dennoch bei genauerer Betrachtung besonders in den Medien so große Unterschiede bei den Lesegewohnheiten, auf dem Zeitungsmarkt und besonders im Verhältnis zum Staat aufweisen.

In beiden Ländern gibt es ähnliche Tendenzen zur fortschreitenden Digitalisierung auch in den Medien und besonders im Pressewesen. Beide Länder sind im Umbruch, es gibt ähnliche Antworten aber oft mit unterschiedlichen Ergebnissen. Die neuen Herausforderungen auf dem Gebiet der Werbung könnten in beiden Ländern zu noch mehr Konzentration im Pressewesen führen.

Ein Abkürzungsverzeichnis und ein “Lexique allemand-français de la presse” ergänzen diesen Band.

Valérie Robert ist in der Universität Sorbonne Nouvelle Maitre de Conférence im Département : Etudes Germaniques. Sie ist auch zuständig für den Studiengang > Master professionnel “Formation à la pratique du journalisme européen” (parcours allemand).

Heiner Wittmann
> Valérie Robert sur le site d’actualité des médias erwanngaucher.com
Entretien mené par Erwann Gaucher le 21/02/2012

 

Web 2.0 in der Schule

Will Richardson

Wikis, Blogs und Podcasts.
Neue und nützliche Werkzeuge für den Unterricht

übers. v. E. und J. Ohnacker
Überlingen: TibiaPress 2011
ISBN: 978-3-935254-17-5

Mit der Übersetzung der 3. Auflage des Bandes von Will Richardson, der 2010 in den USA erschienen ist, liegt jetzt ein nützliches Buch vor, dass alle Perspektiven von Web 2.0 für Schule und Unterricht umfassend vorstellt. Naturgemäß werden viele amerikanische Beispiele gezeigt, und die deutschen Übersetzer haben auch deutsche Beispiele aufgenommen und verweisen auf ihre Website für das Buch, (nach
http://bit.ly/hRQ7zg – nach “bit” fehlt im Buch, S. 11, ein Punkt) wo der Leser weitere deutsche Beispiele finden kann.
Kann man mit Web 2.0 besser lernen? darf man sich fragen, wenn man dieses Buch aufschlägt. Im ersten Kapitel wird ein Überblick über das interaktive Web angeboten. Der Abschnitt “Soziales Lernen” verheimlicht nicht “die Kluft zwischen Lehrern und Schülern”, die “durch das interaktive Web eher noch” größer wird. (S. 25) Folglich ist dieses Buch auch eine Anleitung für Lehrer, ein Ansporn, sich mit den neuen Möglichkeiten des Web zu beschäftigen, die im Abschnitt Werkzeugkasten (S. 28 f.) kurz uns prägnant aufgezählt werden. Weblogs, Wikis, Twitter, Podcasts und soziale Netzweiten sind Hilfsmittel für den Unterricht, sie werden den Lehrer nicht von seinen Hauptaufgaben, nämlich der Vermittlung von Stoff und der Anleitung der Schüler abhalten. Damit wird hier zumindest indirekt die Frage nach dem Erfolg des selbständigen Lernens gestellt. Erst kürzlich hat Gerhard Roth, Bildung braucht Persönlichkeit. Wie lernen gelingt auf die Notwendigkeit des Frontalunterrichts hingewiesen.
Im 2. Kapitel wird die pädagogische Theorie und Praxis von Weblogs vorgestellt. Die Anwendungsmöglichkeiten von Weblogs im Unterricht (S. 68 f.) zeigen die ganze Vielfalt von Blogs in der Schule. Aber gerade in dieser Vielfalt geht einer der Kernaspekte eines Blogs ein wenig unter. Arbeiten viele an einem Blog mit, wird er nur selten eine Seele bekommen. Viele zusammen können nur den gewünschten Erfolg erzielen, wenn eine verantwortliche Hand, die Inhalte ordnet und zusammenführt. Nebenbei vermittelt der Autor in diesem Kapitel auch wichtige Hinweise auf die Medienkunde: Schüler müssen lernen, Quellen zu bewerten und sich nicht auf die erstbeste Quelle zu verlassen. Im 3. Kapitel geht es um den Einstieg in eigene Weblogs. Richtig: Klein anfangen (S. 79). In Deutschland gibt es schon eine von Unterrichts- und Schulblogs (S. 91-94).
Ganz andere Möglichkeiten bieten Wikis. Die vielen Adressen, die in diesem Kapitel angeboten werden, müssten auf einer Website angezeigt werden, damit dieses Kapitel leichter durchgearbeitet werden kann. Wikipedia wird manchen Schüler hilflos machen und ihn überfordern. Die Textmenge mancher Einträge ist kaum zu bewältigen und in ihrer Komplexität für den Unterricht nicht geeignet. Man darf auch kritisch fragen, ob manche Wikipedia-Artikel gar ein Ausgangspunkt (S.101) für weitere Recherchen der Schüler sein können. Ganz andere Möglichkeiten ergeben sich mit eigenen Wikis, in denen Unterrichtsergebnisse von den Schülern dokumentiert werden: Liste der Schulwikis: S. 115.
Die Nutzung von RSS-Feeds (S. 117-132) ist schon höheres Web 2.0 und wird in diesem Buch sehr einleuchtend beschrieben dürfte aber erst zum Zuge kommen, wenn Lehrer und Schüler sich mit Blogs mehr vertraut gemacht haben.
Kapitel 6 stellt das soziale Web vor: Gemeinsam lernen: “Die kollektive Konstruktion von Wissen durch alle, die bereit sind, dazu beizutragen, verändert gleichzeitig unsere Definition von Lehren und lernen auf allen Ebenen.” Ds ist eine charmante Umschreibung für die Informationsflut, die ein soziales Netzwerk wie Facebook mit sich bringt. Das Lernen an sich wird dadurch überhaupt nicht verändert. Ohne Anleitung, ohne die Vorgabe von Inhalten und Methoden sind Schüler im Mitmachnetz verloren. Schon in den traditionellen Suchmaschinen, die auf ihrer Homepage nur eine karge Eingabezeile, hinter der sich das WWW versteckt, anbieten, müssen Schüler erst lernen sich zu orientieren. Zu leicht werden mit Twitter und Wikipedia die Grenzen zwischen bloßem Informationen und tatsächlichem Wissen verwischt. Auf S. 134 wird der Unterschied von komplexen Netzwerken und dem herkömmlichen Unterricht erläutert. Nein, im Unterricht findet die Arbeit des Schülers nicht “meist isoliert” statt. Es kann dazu kommen, wenn der Unterricht sich nur auf den Frontaleinsatz des Lehrers beschränkt. Unterschiedliche Sozialformen schaffen aber ein Netzwerk in der Klasse, das in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden darf. Web 2.0 ist ein Hilfsmittel aber nicht ein Ersatz für alle Unterrichtsformen, wie es hier anklingt. In diesem Sinn sind Flickr, Podcasts, Videos, Screencasts und Livestreams (Linkliste S. 191) eher “Behälter” für Unterrichtsinhalte aber kein Ersatz für Unterricht.

Soziale Netzwerke wie Facebook und Ning werden im 9. Kapitel vorgestellt. Dem Autor sind die Dummheiten bewußt, die mit diesen Diensten angestellt werden können. Er tritt aber doch dafür ein, dass diese Netzwerke auch im Unterricht thematisiert werden sollten.

Kapitel 10 und der Epilog diskutieren die “Neue[n] Perspektiven für den Unterricht”: “Niemand kann ernsthaft in Frage stellen, dass sich das Internet weiterhin und mit rasender Geschwindigkeit zur umfassendsten Informationsquelle der Geschichte entwickeln wird.” (S. 215) In der Tat, die Vielfalt der sich rasch im Umfang vergrößernden Inhalte ist bemerkenswert. Aber die Unterstützung des Internets bei der Abfassung einer Hausarbeit, eines Referates hält sich in Grenzen. Mit Hilfe des Internets kann man kein Buch über Camus schreiben. Keinen Roman von Balzac analysieren. Und die Versuchung, ein Referat über die deutsch-französischen Beziehungen mit Versatzstücken aus dem WWW zu füttern, ist größer, als der tatsächliche Erkentnnisgewinn. “…bei der Schaffung von Inhalten [wird] zunehmend gemeinschaftlich gearbeitet” (S. 215). Mit Recht sagt der Autor nicht, dass gemeinschaftlich gelernt wird. Trotz aller Errungenschaften wird auch künftig individuell gelernt werden. Und Die Beschaffung von Inhalten ist und bleibt wohl auch eine individuelle Leistung, da das Lesen keine Gemeinschaftsaufgabe werden kann. Die Gretchenfrage lautet daher, ob Wissen durch “soziale Prozesse geschaffen und erworben wird” (S. 216) Natürlich und ohne Zweifel eröffnet das Web 2.0 mit seinen schon jetzt völlig unübersehbaren Angeboten ein riesiges Betätigungsfeld, für das aber Schüler auch künftig eine Anleitung benötigen werden. Diese Anleitung kann und muss ihnen die Schule vermitteln. Den Horizont für die Vielfalt der Angebote und Inhalte im WWW erwerben sie nicht im Netz selber, sondern durch Lehrer, die ihnen diese Welt öffnen.
Die “Bedeutenden Veränderungen” (S. 218-226): Open Content. Lernen soll durch einen Unterricht nach dem Open-Source-Prinzip ersetzt werden. S. o., dahinter verbirgt sich ein Ruf nach gemeinschaftlichem utopischen Lernen. Lesen und Lernen kann man dem einzelnen Schüler nicht abnehmen.
Der Band ist wegen der vielen Hinweise auf Webprojekte jeder Art im Unterricht und in der Schule eine gelungene Einführung in das Thema “Web 2.0 im Unterricht”. Der Band ist auch gelungen, weil er er einen interessanten Diskussionsbeitrag zum Nutzen von Web 2.0 in der Schule mitliefert. Manchmal überwiegt hier die Begeisterung für die neuen Möglichkeiten.

 

Heiner Wittmann

Die Bildschirm-Gesellschaft

Divina Frau-Meigs,
Penser la société de l’écran.
Dispositifs et usages
Les fondamentaux de la Sorbonne Nouvelle,
Paris: Presse Sorbonne Nouvelle, 2011.
141 S. ISBN: 978-2-87854-512-8

Noch ein Blick in das > Schaufenster des Verlags Sorbonne Nouvelle. Ein weiterer Zufallsfund! Das Buch von > Divina Frau-Meigs mit einer grundsätzlichen Untersuchung des kleinen leuchtenden Rechtecks, das uns seit einigen Jahren in allen möglichen Größen ständig in unserem Gesichtsfeld auftaucht, bunte flackernden Bilder, viel Grafik und meist wenig Text zeigt und ständig unsere Daten haben will. “Inoffensif en apparence, il détient pourtant le potentiel descriptif de détroner durablement la culture textuelle de la culture visuelle,” steht auf dem Klappentext dieses Buches und Frau-Meigs meint nichts anderes als die immer ärgerlichere Entwicklung jedes Webangebots, ob es zu Hause oder mobil unterwegs gelesen wird. Außer den gewünschten Texten gibt es immer viele Grafiken und eine Bilderflut, die mit dem gesuchten Text nichts zu haben, aber ständig unserer Aufmerksamkeit erheischen wollen.

Frau-Maigs beginnt mit einer historischen Darstellung und zeigt die Entwicklung vom Fernseher zum Computerbildschirm und demonstriert dabei die Eigenheiten, die das Medium hinsichtlich der Bilddarstellung für sich reklamiert.

Das Thema des zweiten Kapitel ist die Unterwerfung des Bildschirms unter die Konsumzwänge. Daraus entwickelt sie geschickt das dritte Kapitel “Imachiner une techno-logique – mit Lumanns Worten, > Das Medium ist die Massage. Im vierten Kapitel vertieft sie diese Ansätze und erläutert die Bildersprache, die der Bildschirm provoziert. Im fünften Kapitel analysiert sie die Auswirkungen auf die Zuschauer: Du citoyen au netoyen. (S. 111) oder De l’ouvrier au metayer (S.115). Ihre Anmerkungen zu > Blogs und Bloggern (der Autor dieser Zeilen ist auch einer) sind knapp, bündig und genau zutreffend. Blogs werden von den Medien imitiert. Frau-Meigs weiß aber auch, dass zum Beispiel bei Blogs die Technik weniger eine Veränderung der politischen Kultur bewirkt, sondern vor allem die Praxis der journalistischen Arbeit modifizieren wird.

Im Kern enthält ihr Buch alle Themen, die auch in den Schulen zu einem Fach Medienkunde gehören müssten, die die Autorin in ihrer Schlussbemerkung (S. 128) mit Nachdruck fordert. Früher lasen die S-Bahn-Reisenden ihre Zeitung, heute haben sie einen Knopf im Ohr und wischen mit dem Finger dauernd oft gelangweilt über die Oberfläche ihres Smartphones und lassen sich wie vor dem Fernseher mit Inhalten aller Art berieseln. Immer neue Apps werden geladen, die Kommunikation wird durch die Gewöhnung an SMS auf einige schnelle Bemerkungen reduziert.

Frau-Maigs nüchterne Art, die Geschichte und eine Art Phänomenologie des kleinen Bildschirms zu präsentieren, der sich zwischen uns und die Lebensrealität geschoben hat, ist sehr lesenwert, aber auch ein wenig nüchtern geschrieben. Sie hat auch die virtuelle Welt im Blick, auch wenn deren Gefahren und Abgründe nicht zum Thema ihres Buches gehören.

Das Kapitel “Navigation et posture interactive sur les réseaux” (S. 101-104) ist beispielhaft für ihre Unterschung, die sich hier u.a. auf sozile Netzwerke wie Facebook, wozu Frau-Meigs sich auch im > Nouvel Observateur geäußert hat, konzentriert. Im interaktiven Modus wird der Bildschirm zum Vermittler und das Bld bekommt eine neue sehr komplexe Rolle: “Cette interaction ne relève pas d’une simple manipulation de scripts et de schèmes, mais au contraire d’une morphogenèse, qui s’ancre entre communication et corporéité, entre méditation et commutation.” (S. 103) Dieser Ansatz geht weit aber weit über Frau-Meigs hier vorliegende Untersuchung hinaus. Eine erschöpfende Darstellung dieser Frage ist von ihr auch nicht beabsichtigt, aber sie weist die Richtung, und es lohnt sich, Kapitel 4 und 5 besonders genau zu lesen. Autoren künftiger Untersuchungen, zum Beispiel über die sozialen Netzwerke wie > Facebook finden in diesem Buch systematische Grundlagen für ihre Forschungen. Facebook erzieht seine Teilnehmer zu allen möglichen Aktivitäten und lässt sie nebenbei ein wenig kommunizieren, nur damit sie noch mehr persönliche Daten in das Werbesparschwein von Facebook schütten. “La médiatisation a révélé la dimenscion contrôlante et enveloppante de la représenation à l’écran et son impact sur la preformance et l’engagement du sujet,” (S. 105) schreibt Frau-Meigs. Klar und präzise. Man wollte kommunizieren, mal eben so, aber man wid sofort auf dem öffentlichen virtuellen Platz gezerrt, kontrolliert, kann sowieso nur das machen, was alle anderen auch machen, ein Ausbrechen ist gar nicht vorgesehen und so kann Frau Meigs auch auf den Unterschied zwischen “usage planifié et usage effectif” (ib.) hinwiesen. Früher bewirkte der TV-Schirm was in uns, und alle hatten sich gewünscht, endlich auch einmal aktiv werden zu können, statt immer nur gelangweilt vor dem Kasten sitzen zu müssen. Heute ist eigenes Engagement nur mit eigenen Websites und Blogs o.ä. möglich, alle anderen Web 2.0 Angebote spielen mit uns und unseren Daten. Die Gefahr, dass sich die Daten verselbstständigen und woanders wieder auftauchen, wird immer größer. Das Einrichten eines Facebook-Profils spricht Bände: Man richtet nicht ein, man schließt in einem neuen Profil aus, was Facebook default-mäßig alles mit unseren Daten machen will: “… l’utilisateur sent qu’il est guidé par une intentionnalité incarné par un autre sujet,” bestätigt Frau-Meigs ohne Umschweife und beweist damit, dass die nüchterne wissenschaftliche Analyse eben doch immer um Kern des Problems vordringt.

Eine Bibliographe und eine Sitographie ergänzen ihr Buch.

> Divina Frau-Meigs ist Professorin für Anglistik an der Universität Sorbonne.

Heiner Wittmann
> Valérie Robert sur le site d’actualité des médias erwanngaucher.com
Entretien mené par Erwann Gaucher le 21/02/2012

Der Streit zwischen Sartre und Camus

Sartre and Camus. A Historic Confrontation.
Ed. and translated by David A. Sprintzen and Adrian van den Hoven, Humanity Books, an imprint of Prometheus Books, New York 2003. ISBN 1-59102-157-X

In diesem Band wird der Streit, der 1952 zwischen Camus und Sartre durch die in den Temps modernes erschienene Rezension von Camus’ L’homme révolté (1951) durch Francis Jeanson ausgelöst wurde, dokumentiert und untersucht. Die Rezension beantwortete Camus mit einem Brief an Sartre “Monsieur le Directeur…”, der im Folgeheft der Temps modernes veröffentlicht wurde, und den Sartre seinerseits mit einem Brief an Camus “Mon cher Camus…” beantwortete. Jeanson schrieb einen weiteren Artikel “Pour tout vous dire” und Camus verfaßte eine Verteidigung seines Buches L’homme révolté, die erst 1965 veröffentlicht wurde. Diese Texte sind hier übersetzt worden. Sie werden von Aufsätzen der Autoren dieses Bandes begleitet, in denen die Konfrontation zwischen Sartre und Camus, die zum Bruch ihrer Freundschaft führte, dargestellt wird: “From Friendship to Rivals.” W. L. McBride und J. C. Isaac untersuchen dann den Streit aus der heutigen Perspektive.

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