Benefizkonzert in der Wilhelm-Gedächnis-Kirche in Berlin zugunsten des Projekts “Eine Orgel für Riga”

Sonntag, 28. Oktober 2018, 20 h

Benefizkonzert in der Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin
zugunsten des Projekts > Eine Orgel für Riga

Im Artikel über diese Orgel in Wikipedia > https://de.wikipedia.org/wiki/Orgel_der_Petrikirche_(Riga) steht:

“Der lettische Architekt Peteris Blums, der der Projektbeauftragte ist, sagte: ‘Wenn die Petri-Kirche ihre Stimme wiederhat, ist für die Rigaer Altstadt der Zweite Weltkrieg endgültig zu Ende.’ ”

Alan Strauss-Schom: Eine neue Biographie über Napoleon III.

Alain Strauss-Schom hat gerade das Buch > The Shadow Emperor. A biography of Napoleon III bei St. Martins Press, (New York 2018) vorgelegt, sie folgt auf die Biographie Napoleons I., die der Autor 1997 veröffentlicht hat. Er bezeichnet sich als „biography-historian“ S. 435, und interessiert sich für die „personalities and interrelationsships those who create or are involved with,if only indirectly, the events that shape ‚the outcome of history‘“. S. 425. Und Strauss-Schom betont ausdrücklich, wie stark sich der Onkel vom Neffe unterscheide, der „groomed in the shadow of his uncle“ S. 425. In einem Satz fasst der Autor die Lehrjahre Louis Napoleons prägnant zusammen: „Ironically, what Louis Napoléon never admitted to himself, however, was his rejection of almost everything his uncle stood for, beginning with the military.“ Ib. Der Neffe betonte immer wieder, dass das Kaiserreich für den Frieden stände.
Der Titel des Buches erklärt sich mit dem Ergebnis der vorliegenden Studie: „A very dynamic and demanding Napoléon I had dominated the emire he created, while a far less vigorous and egotistical Louis Napoléon remained in the shadows oft he very empire he in turn created.“ Da klingt noch ein wenig die Unterschätzung an, die in vielen Biographien vorherrschte, bis Jean Sagnes, Pierre Miquel, Philippe Séguin und Eric Anceau die durch Napoleon III. betriebene Modernisierung Frankreichs in den Blick nahmen.
Das Buch besteht aus drei Teilen: Die Lehrjahre des künftigen Kaisers einschließlich seiner Haft im Fort Ham, dann die Wahl zum Präsidenten, der Staatsstreich und die Gründung des II. Kaiserreichs und dann die Jahre 1852-1870 mit dem Krimkrieg und schließlich dem Deutsch-französischem Krieg.
Der erste Teil kommt bei vielen Biographen oft etwas zu kurz, ist aber für das aufkeimende Interesse des Neffen für den Onkel und den Bonapartismus, dem er eine eigne Prägung geben wird, besonders wichtig. Charles-Louis Napoléon wird am 20. April 1808 geboren. Sein Onkel Napoleon I. wird mit seiner Erbschaft die Jugend und die Gedankenwelt des künftigen Kaisers bestimmen: „There was always a distracted, sdistant look in his eyes,“ schreibt Strauss-Shom und deutet damit die frühe Entschlossenheit von Louis Napoleon an, über die Gewissheit zu verfügen, zu höheren Dingen berufen zu sein. Sein Vater Louis Bonaparte, der frühere König von Holland und Freimaurer wachte über die Erziehung des Knaben. Kaum hat dieser die Schule verlassen, fängt er an, von militärischen Abenteuer zu träumen. Noch folgt er dem Vater und verzichtet (erstmal) auf seine Pläne.
Im Juni 1830, gerade wurde die Invasion in Algerien gestartet, kommt es in Paris zur Revolution, kurz darauf dankt Karl X ab und geht nach England.
Charles Auguste Louis Joseph, Comte de Morny (1801-1865) war der illegitime Sohn von General Charles Joseph Flahaut,(vgl. Flahaut, Les Francs-maçons fossoyeurs du 1er Empire, Editions littéraires et artistiques, 1943) einem Vertrauten von Napoleon I, und Neffe von Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, dem Außenminister des Kaisers. Adelaide [de Flahaut] de Souza wußte als eine der wenigen Eingeweihten, dass die Mutter von Morny die Gattin Hortense de Beauharnais von König Louis Bonaparte war. Vgl. S. 13-15. Hier erzählt Strauss-Schom eine spannende Geschichte, der er zu Recht das 3. Kapitel widmet. Morny sollte tatsächlich großen Einfluss auf den Aufstieg Louis-Napoléons zum Kaiser bekommen. Erst im Oktober 1838 sollte er von der Existenz seines Halbbruders erfahren.
Hortense de Beauharnais (1783-1837), so Strauss-Schom,war eine der einflussreichsten Personen im Leben Louis-Napoléons: „He was also a prisoner of her love.“ S. 22 Ihre Urlaube in Italien hatten weitreichende Folgen für ihren Sohn und den Graf Francesco Arese (1778-1847), sie sich beide in Italien engagieren, wo 1831 Napoléon-Louis in Forlì stirbt. Louis-Napoléon, der sich fortan mindestens bis 1884 nach dem Namen seines Bruders nennen wird, kehrt nach Arenenberg zurück. Nicht Arese sondern Louis-Napoleon sei lebenslang Freimaurer gewesen (S. 32) berichtet Strauss-Schom. Dazu gibt es in der Forschung bisher keine Belege, auch wenn eine Reihe von Tatsachen, dies nahelegen: vgl. H. Wittmann, > Napoleon III. Macht und Kunst, Reihe Dialoghi/dialogues. Literatur und Kultur Italiens und Frankreichs, hrsg. Dirk Hoeges, Band 17, Verlag Peter Lang, Frankfurt, Berlin, Bern u. a., 2013, S. 40-45: Louis-Napoleon: ein Freimaurer?
Seine Jahre in Arenenberg wieder ab 1835 sind Lehrjahre, die er nicht nur zu Studien nutzt. Er knüpft Kontakte und unternimmt einen ersten Staatsstreich in Straßburg 1837, der scheitert, die Regierung lässt ihn in die USA ausreisen, er darf aber zu seiner todkranken Mutter 1837 nach Arenenberg zurückkehren.
Srauss-Schom trifft den richtigen Ton, in dem er zeigt, wie Louis-Napoleon immer Sorge um sein Erbe, die Erinnerung an die Bedeutung seines Onkels aufrechtzuerhalten, stets in dem Bestreben, immer wieder Gruppen von Getreuen um sich zu sammeln. Die Landung in Boulogne scheitert kläglich und in der Festungshaft in Ham, fast ein offener Strafvollzug darf er seine Studien fortsetzen und intensivieren. 1840 werden die sterblichen Überreste des Kaisers nach Frankreich zurückgeholt. Eine bessere Werbung für die eigene Sache Louis-Napoleons hätte es nicht geben können.
Wiederum sind es einige Getreue, unter ihnen der Arzt und Freimaurer Henri Conneau, die Louis-Napoléon zur Seite stehen. Die Napoleonischen Ideen aus der Feder Louis-Napoléons lesen sich wie ein Programmschrift und Strauss-Schom gibt ihnen auch den richtigen Stellenwert, so wie L’Extinction du Paupérisme seine sozialen Ideen vorstellen und ihn als einen linken Politiker präsentieren. 1846 gelingt ihm als Bauarbeiter verkleidet die Flucht aus dem Fort Ham nach England.
Sein Glücksfall ist die Revolution von 1848. Louis-Philippe dankt ab, die Republik wird ausgerufen und Louis-Napoleon, wieder mit der Hilfe einige Getreuer nutzt seine Chance und wird im Dezember zum Staatspräsidenten gewählt. Das Kapitel 13 „A Pure New Holy Republic: 1848“ zeigt, wie Louis Napoleon sich strategisch geschickt die politische Unterstützung für seine Pläne sichert.
16. “Countdown to Empire” ist die Einleitung zur Erneuerung des Kaiserreichs, die mit einem Staatsstreich, diesmal gelingt er, von Louis-Napoleon wieder mit einer kleinen zahl von Getreuen vorbereitet und erfolgreich ausgeführt wird. Die Kapitelüberschrift 18. “The Sphinx of the Tuileries” ist gut gewählt. En besondere Aufmerksamkeit erhält hier die politische Organisation der neuen Staatsform. Mehr als in anderen Biographien stellt Strauss-Schom die außenpolitischen Beziehungen des Kaiserreichs dar. Der Titel des Buches den Leser auch auf eine falsche Fährte, da Alain Strauss-Schom sehr wohl die Erneuerung der Wirtschaft und die Reformen Napoleons III berücksichtigt und der Umgestaltung von Paris 21. „Georges Haussmann“ und 22. „Prefect of Paris“ einen breiten Raum widmet. Auch die Kultur in seiner Biographie kommt in seiner Biographie bekommt ebenfalls die Aufmerksamkeit des Autors: 30 „Offenbachland“.
Natürlich liegt der Vergleich der beiden Kaiserreiche nahe. Der Neffe eifert dem Onkel nach, aber er es gelingt ihm auch, das zeigt er in seinen programmatischen Schriften, sich von den Doktrinen seines Onkels abzusetzen. Er hat eine viel längere Zeit der Regierung gehabt und sie für eine tiefgreifende Modernisierung mit Unterstützung der Industrialisierung sehr errfolgreich zu nutzen gewusst. Die außenpolitischen Abenteuer haben ihn dazu geführt, seinen selbst gewählten Grundsatz, das Kaiserreich ist der Friede, wiederholt zu verletzen, dennoch erlaubt der Vergleich mit seinem Onkel, dem es gelang, Frankreich nach den Revolution zu befrieden, wenn auch nur um den Preis erneuter Kriege, es nicht, seinen Neffen in seinen Schatten zu stellen. Abgesehen davon hat Strauss-Schom eine sehr lesenswerte Biographie verfasst.

Ein ausführliches Register S. 481-496 erleichtert die Orientierung in diesem Buch.

Alan Strauss-Schom  –  His Website: > alanschom.com
> The Shadow Emperor
St. Martin’s Press
ISBN: 9781250057785
512 Pages

Dominique Kalifa: Paris. Une histoire érotique d’Offenbach aux Sixties

Diese Buch ist uns auf dem Stand von Payot bei der > Frankfurter Buchmesse 2018 aufgefallen: Dominique Kalifa hat einen gelungenen Reiseführer der besonderen Art verfasst: > Paris. Une histoire érotique d’Offenbach aux Sixties oder stimmt es, dass Paris die Hauptstadt der Liebe ist? U4: “La ville la plus sensuelle de la planète a un nom, et c’est Paris.” Kailifa lebt in Paris seit fast 60 Jahren und berichtet in diesem Buch über den “esprit” érotique der Hauptstadt.

Besonders interessant, neben dem eigentlichen Thema dieses Buches, ist sein historischer und literarischer Rahmen von Jacques Offenbach mit La Vie parisiennne, 250 Mal von November bis Juli 1867 aufgeführt bis zum Aufbruch der 60er Jahre. Kalifa beginnt mit den Romanen von Balzac, die auch eine Art Soziologie der Liebe in Paris enthalten: “Conquérir Paris, c’est conquérir ses femmes.” S. 23 Und so gehts los:

2. Premières rencontres. Wieder gibt es viele Belege aus der Literatur und eine kleine Anweisung, wie das funktioniert: Se rencontrer dans la rue, S. 44 ff. : Baudelaire, A une passante: “La rue assourdissante autour de moi hurlait…”, S. 51 oder “Le bal ou la ‘chasse au mari'”, S. 57 ff., le jardin public oder gar in Métro, Rencontres surréalistes sind auch mit dabei. Oder “Suivre une femme”… S. 86 ff.

Einmal gesehen. Ein weiteres Treffen: “Se voir se revoir”, S. 93 ff. Das vierte Kapitel: “Same Sex in Paris”, enthält wiederum viele Hinweise auf Schriftsteller und ihre Bücher und 5. Asile de l’adultère. S. 169 ff. mit einem historischen Abriss. Zwei Kapitel, eins über die käufliche Liebe und ein letztes “Se quitter” runden dieses Buch ab.

Das ist doch was dran. Paris als die Hauptstadt der Liebe, obwohl kaum eine andere Stadt dahinter wirklich zurücksteht. Aber Paris hat dafür wirklich ein besonderes Flair. Aber dieses Buch sticht vor durch seine ausführlichen Anmerkungen, Hinweise und Erinnerungen auf die Literatur. Natürlich sind Romane und Gedichte  von jeher mit der Liebe eng verbunden, aber in Paris wird ein erotischer Führer eben auch zu einem Literaturführer oder zu einem Führer durch die Geschichte. Man braucht ja nur an Camille Desmoulins zu denken, der Lucile, als sie erst 15 ist, zum ersten Mal im Luxemburggarten begegnet. > Auf nach Paris.

Dominique Kalifa
> Paris. Une histoire érotique, d’Offenbach aux Sixties
Paris : Payot 2018
9782228922098