Rezension: Arts du montage et de l’assemblage

Der Band > Arts du montage et de l’assemblage, den Dominique Berthet herausgegeben hat, vereint vierzehn Texte aus einem Kolloquium, das sich mit dem Thema „Montage und Assemblage in der Kunst“ beschäftigt. Diese Begriffe stehen im Gegensatz zur klassischen Kunst und Ästhetik, da sie mit traditionellen Vorstellungen brechen. Sie gehören zur künstlerischen Moderne und sind deshalb besonders in der zeitgenössischen Kunst stark verbreitet. Der Begriff Montage wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von sowjetischen Filmtheoretikern entwickelt, insbesondere von Lev Kuleschow.

Ursprünglich stammte der Begriff aus dem Film, aber er wird auch in anderen Kunstformen wie Malerei, Architektur und Literatur angewendet. Tatsächlich kommen Montage und Assemblage in vielen Kulturen vor. Durch diese Praktiken werden unterschiedliche Elemente miteinander verbunden, und es entstehen neue Beziehungen zwischen ihnen. Das Ergebnis sind oft ungewöhnliche und überraschende Kunstwerke, die die Grenzen der Kunst erweitern.

Dominique Chateau, Bruno Péquignot und Yohann Guglielmetti behandeln in ihren Beiträgen das Kino und die verschiedenen Prozesse der Montage. Der Beitrag von Bruno Péquignont beschäftigt sich mit „Godard, dialetique du cinéma“ und untersucht die Bedeutung der Montage in der Vorstellungswelt von Godard: „Le montage est la révélation de l’inconnu à travers la mise en scène que d’une certaine manière il transcende. La beauté émerge de cet imprévu par la mise en scène que le montage révèle en faisant apparaître sous l’évidence un secret, ou un inconnu comme le mathématicien qui résout une équation.“ (p. 236) Yohann Guglielmetti untersucht die Bedeutung der Filmmusik und der Frage, ob bereits produzierte Musik für den Film verwendet wird.

Pierre Juhasz und Richard Conte zeigen in ihren Beiträgen eine „Poïétique du montage et de l’assemblage“. Juhasz untersucht „Memento Fuit hic III“, eine Installation, die er mit mit mehreren Videoprojektionen anlässlich der Ausstellung „Enfermement“ vom 11. April bis 7. Oktober 2019 Im Musée d’Art et d’Histoire von Saint-Denis, Musée Paul ÉLaurd gezeigt hat: Abbildungen, S. 71 ff. Cf. > Nachgefragt: Michel Sicard parle de l’exposition „Enfermement“.

Richard Conte stellt eines seiner Gemälde von 1990 vor, das er zusammen mit dem Maler Mohand Saci angefertigt hat: „Ce tableau est d’abod une danse avec le subjectile.“ (S. 77) Mit vielen Abbildungen. Er notiert auch ganz Grundsätzliches: „Notons qu’en général, la peinture s’assemble par couches, par oblitérations sucessives.“ (S. 87) Und er unterscheidet dann zwischen Gemälde und Zeichnung, wo die Farbbereiche getrennt voneinander existieren. Aus dieser Gegenüberstellung entwickelt er eine Beschreibung, der in seinem Artikel gezeigten Fabeltiere. Bemerkenswert, wie er hier den Aufbau des Bildes erklärt, die der Betrachter leicht nachvollziehen kann.

Im dritten Teil „Montage, assemblage dans les arts plastiques“ nennt Dominique Berthet seinen Aufsatz über „Monate et assemblage“ „une esthéthétique de la rencontre“. Ihm gelingt hier eine Bestimmung des Fragments: „le montage est un assemblage de fragments autonomes“. Das ist ganz wesentlich, um die Bedeutung von Monaten überhaupt erst einmal erfassen zu können. Aber es hat auch eine zweideutigen Charakter. Zwar ist es ein Teil, ein Stück, ein Splitter, aber auch wieder ein Teil von etwas Neuem. Es ist diese Entwicklung der Autonomie, für die Berthet sich hier ganz zu recht interessiert. „Assemblage et rencontre“ führen schon aufgrund der dadurch erzeugten Vielfalt zu einer unbekannten Welt, eben zu etwas Neuem.

Lise Brossard berichtet über Art of Assemblage, eine Ausstellung im Jahr 1960 und Hugues Henri äußert sich über die Montage in der Architektur und verweist auf seinen Beitrag in Recherches en Esthéque,n° 14, „Le fragment“. Sophie Bourly-Goussot stellt die gedruckt Form des Künstlerbchs von H. N. Werkman vor und nennt es eine Art des Widerstands. Weitere Beiträge von Sophie Bourly, Olivia Berthon, Martine Potoczny, Sophie Ravion D’Ingianni, Frédéric Lefrançois untersuchen weitere Anwendungsbereiche der Collagen und zeigen wie Mathilde Bonnet die Herstellung „neuer Realitäten“.

Der Band überrascht mit einer Vielzahl verschiedener Interpretationen durch Collagen und Montagen, deren ästhetische Grundsätze hier zeigen, wie ganz unterschiedliche Künstler wichtige Beiträge zur Entwicklung der modernen Kunst leisten. Die Kunst bricht mit diesen Verfahren mit der Notwendigkeit das Reale darzustellen, hatte Berthet in seiner Einleitung geschrieben. Picasso, so Berthet, gab als Künstler nicht mehr das Reale wieder, sondern präsentierte das Reale mit einer neuen Zusammenstellung von Fragmenten. Diese Beschreibung ist heute noch genauso modern, wie der vorliegende Band dies nachdrücklich nachweist.

Der Herausgeber dieses Bandes Dominique Berthet ist Professor für Ästhetik und Kunstphilosophie an der Universität der Antillen. Gründer und Leiter des CEREAP. Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Recherches en Esthétique. Mitglied des CRILLASH (Universität der Antillen). Er ist zudem Kunstkritiker (Mitglied der AICA-France) und Ausstellungskurator. Autor zahlreicher Bücher und Artikel über Ästhetik, Kunst und Kunstkritik.

Dominique Berthet (Hrsg.)
Arts du montage et de l’assemblage
Collection: Arts et esthétique
Pointe à Pitre, resse Universitaires des Antilles, 2025
ISBN: 9782488234160
> Commander

204 Seiten

Rezension: Lotte Beyer, Images des Landes de Gascogne 1932-1933

Die deutsche Studentin Lotte Beyer bereist 1931 und im Winter 1932/33 die Landes de Gascogne, um Material für ihre Doktorarbeit „Der Waldbauer in den Landes der Gascogne“ über Sprache, Lebensweise, Wirtschaft und Gesellschaft zu sammeln. Dabei nutzt sie eine Kamera und dokumentiert zahlreiche Orte zwischen Bordeaux und Hossegor sowie viele umliegende Gemeinden. Sie besucht u.a. par Saucats, Hostens, Belhade, Sabres, Labouheyre. Ihre Reise dient der umfassenden Erforschung der Region aus kultureller und sozialer Perspektive.

Jetzt hat Jean Tucoo-Chala einen neuen Fotoband > Images des Landes de Gascogne 1932-1933 vorgelegt, um ausgewählte Fotos von Lotte Lucas-Beyer hier zu zeigen. die Biographische Skizze „Lotte Beyer (1902-1944) : une ethnolinguiste allemande des Landes de Gascogne“ stammt von Corine Defrance (CNRS, Sirice, Paris) und et Ulrich Pfeil (Université de Lorraine, CEGIL, Metz). Die Fotos in diesem Band hat das Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt, Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg den Autoren dieses Buches digitalisiert zur Verfügung gestellt.

Die Ethnologie, insbesondere die deutsche, hat bereits die Rolle der Frauen untersucht, wobei Pionierinnen und diejenigen, die nach der Promotion keine akademische Karriere verfolgten, bisher weitgehend unbeachtet blieben. Lotte Beyer (1902-1944) ist heute eine dieser nahezu unbekannten Forscherinnen, da sie mit 41 Jahren starb, bevor sie ihre Karriere und Forschung weiterführen konnte.

Lotte Beyer reist zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Gascogne und wird dabei von verschiedenen Einheimischen unterstützt. Ihre Forschungen erregen jedoch Misstrauen, sodass sie sogar von der Gendarmerie verhört wird, ließ sich davon aber nicht stören. Mit aufmerksamem Blick dokumentiert sie das ländliche Leben, wobei ihre detaillierten Fotografien ihre Notizen ergänzen und das Vertrauen der Menschen widerspiegeln. Ihre Arbeiten halten zahlreiche heute verschwundene Gebäude und Traditionen fest und stellen damit wertvolle historische Zeugnisse dar.

Pierre Toulgouat (1901–1992) hörte im Juli 1941 von ihrem Aufenthalt in den Landes. Damals sagte Lotte Beyer : „Es war eine interessante und fröhliche Zeit für mich. So viel Freundlichkeit, so viel Gastfreundschaft, so viel Unterstützung für mein Studium, selbst von denen, die den Sinn meiner Arbeit nicht verstanden …“

Félix Arnaudin hatte in der Gascogne schon von 1891 bis 1921 fotografiert. Elf Jahre führte Lotte Beyer das Projekt weiter, das dann von Pierre Toulgouat für das Waldmuseum von Hossegor (1938–1946) fortgesetzt wurde.

Auf diese Weise ist eine eine beeindruckende Fotosammlung entstanden, die in diesem Buch gezeigt wird. Im Dorf Luxey befindet sich die Fassade des Hauses Bordes-Vidal mit einer lateinischen Inschrift aus dem Jahr 1772 sowie einer Holzschnitzerei mit einem Fuchs und einer Henne. Dieses Beispiel volkstümlicher Kunst inspirierte später das Emblem des Naturparks der Landes de Gascogne, wobei Lotte Beyer die Besonderheit der Fassade bereits durch ihre Fotografie hervorhob. Auch die Fotos aus dem Inneren der Häuser haben einen ganz besonderen Wert und geben einen interessanten Einblick in das Leben der Einwohner dieser Dörfer. Oft sind auch die Einwohner auf den Fotos der Innenräume zu sehen und man kann auch erkennen, wie eine einfache Trennwand den Stall vom Hauptraum des Hauses abgrenzt. Und man lernt das Wort „Promène“, eine Art „Lauflerngehege“. Das Kleinkind, das steht und zu laufen beginnt, hat den Brustkorb von einem Holzstück umschlossen, kann von Balken beschützt hin- und herlaufen. (S. 33)

Lotte Beyer hat mit Ihren Fotos auch Sozialgeschichte geschrieben: In Im Ortsteil Bernède von Arue war sie die Erste, die einen halbkreisförmigen Schafstalls fotografierte, der über einen von zwei Steinmauern umschlossenen Hof verfügt. Der Boden dieses Hofes ist bedeckt mit Pflanzen, die in der Heide oder im Unterholz (Heidekraut…) geschnitten wurden und sich durch den Dung der Herde anreichern. Diese Mischung, das „Soutrage“, dient als Dünger für die Felder, so lautet die Erklärung zu diesem Foto (S. 44).
Ihre Fotos zeigen die Häuser und die Gewohnheiten, die die Arbeit prägen. Zwar ist überwiegen Wald in der Gascogne vorhanden, aber die Weidewirtschaft hat auch eine große Bedeutung. S. 52f: Vor einer mit Seekiefern bepflanzten Parzelle steht eine Schafherde mit einem Schäfer auf Stelzen. Er spinnt die Wolle seiner Tiere mit Hilfe eines Spinnrades und macht eine kleine Pause, während er sich auf seinen Stock stützt. Hier der Kommentar von Lotte Beyer: „Die Stelzen waren früher das Erkennungszeichen des Schäfers … heute (Winter 32/33) sind sie vom Aussterben bedroht … Ich habe nur einen einzigen Schäfer in Belhade gefunden, der auf Stelzen ging, aber sie waren nicht sehr hoch (85 cm) …“ Viele andere Beispiele zeigen die Bauern bei ihrer Arbeit. So auch die Schlachtung eines Schweins. Bevor die Därme gewaschen, die Blutwürste gekocht und die Soße zubereitet werden , hält die ganze Familie inne vor diesem schönen Vorrat an Fleisch, der den Haushalt das ganze Jahr über ernähren soll: S. 66 f.

In Pissos beschreibt sie die Herstellung von Teer und Holzkohle in einem speziellen Ofen: „… ein Bauwerk aus Stein und flachen, rechteckigen Ziegeln, das an der Unterseite der beiden schmalen Seiten mit einer halbkreisförmigen Öffnung für den Feuerraum und auf dem mit feinem Sand bedeckten Flachdach mit zwei großen runden Öffnungen zur Belüftung versehen ist…

Mit dieser Fotodokumentation beweist Lotte Beyer ihre Sensibilität für die sozialen Gegebenheiten, zeigt die Bauern und Handwerker bei ihren Beschäftigungen, in ihren Häusern und Werkstätten. Es sind keine Gelegenheitsaufnahmen, sondern man kann an ihrer Qualität sehr wohl erahnen, wie die Fotografin mit diesen Menschen wohl offenkundig kommuniziert hat, damit sie nicht einfach eben mal abgelichtet fühlen sondern in der Art und Weise, wie sie sich der Fotografin darstellen, auch zu erkennen geben, dass sie bereit sind, ja sogar ein ein bisschen stolz, ihr Handwerk zu demonstrieren.

Ein Nachwort mit der Lebensgeschichte von Lotte Beyer, Quellenverzeichnis und eine Bibliographie der Werk von Lotte Beyer ergänzen diesen Band.

> Images des Landes de Gascogne 1932-1933
Photographies : Lotte Lucas-Beyer
Présentation : Jean Tucoo-Chala
Dax, Éditions Passiflore, 2025
ISBN : 978-2-37946-128-6

Rezension: Lotte Beyer, Images des Landes Gascogne 1932-1933

Die deutsche Studentin Lotte Beyer bereist 1931 und im Winter 1932/33 die Landes de Gascogne, um Material für ihre Doktorarbeit „Der Waldbauer in den Landes der Gascogne“ über Sprache, Lebensweise, Wirtschaft und Gesellschaft zu sammeln. Dabei nutzt sie eine Kamera und dokumentiert zahlreiche Orte zwischen Bordeaux und Hossegor sowie viele umliegende Gemeinden. Sie besucht u.a. par Saucats, Hostens, Belhade, Sabres, Labouheyre. Ihre Reise dient der umfassenden Erforschung der Region aus kultureller und sozialer Perspektive.

Jetzt hat Jean Tucoo-Chala diese Fotosammlung gt; Images des Landes de Gascogne 1932-1933 herausgegeben, die Lotte Lucas-Beyer hier vorstellt.

Die Ethnologie, insbesondere die deutsche, hat bereits die Rolle der Frauen untersucht, wobei Pionierinnen und diejenigen, die nach der Promotion keine akademische Karriere verfolgten, bisher weitgehend unbeachtet blieben. Lotte Beyer (1902-1944) ist heute eine dieser nahezu unbekannten Forscherinnen, da sie mit 41 Jahren starb, bevor sie ihre Karriere und Forschung weiterführen konnte.

Lotte Beyer reist zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Gascogne und wird dabei von verschiedenen Einheimischen unterstützt. Ihre Forschungen erregen jedoch Misstrauen, sodass sie sogar von der Gendarmerie verhört wird, ließ sich davon aber nicht stören. Mit aufmerksamem Blick dokumentiert sie das ländliche Leben, wobei ihre detaillierten Fotografien ihre Notizen ergänzen und das Vertrauen der Menschen widerspiegeln. Ihre Arbeiten halten zahlreiche heute verschwundene Gebäude und Traditionen fest und stellen damit wertvolle historische Zeugnisse dar.

Pierre Toulgouat (1901–1992) hörte im Juli 1941 von ihrem Aufenthalt in den Landes. Damals sagte Lotte Beyer : „Es war eine interessante und fröhliche Zeit für mich. So viel Freundlichkeit, so viel Gastfreundschaft, so viel Unterstützung für mein Studium, selbst von denen, die den Sinn meiner Arbeit nicht verstanden …“

Félix Arnaudin hatte in der Gascogne schon von 1891 bis 1921 fotografiert. Elf Jahre führte Lotte Beyer das Projekt weiter, das dann von Pierre Toulgouat für das Waldmuseum von Hossegor (1938–1946) fortgesetzt wurde.

Auf diese Weise ist eine eine beeindruckende Fotosammlung entstanden, die in diesem Buch gezeigt wird. Im Dorf Luxey befindet sich die Fassade des Hauses Bordes-Vidal mit einer lateinischen Inschrift aus dem Jahr 1772 sowie einer Holzschnitzerei mit einem Fuchs und einer Henne. Dieses Beispiel volkstümlicher Kunst inspirierte später das Emblem des Naturparks der Landes de Gascogne, wobei Lotte Beyer die Besonderheit der Fassade bereits durch ihre Fotografie hervorhob. Auch die Fotos aus dem Inneren der Häuser haben einen ganz besonderen Wert und geben einen interessanten Einblick in das Leben der Einwohner dieser Dörfer. Oft sind auch die Einwohner auf den Fotos der Innenräume zu sehen und man kann auch erkennen, wie eine einfache Trennwand den Stall vom Hauptraum des Hauses abgrenzt. Und man lernt das Wort „Promène“, eine Art „Lauflerngehege“. Das Kleinkind, das steht und zu laufen beginnt, hat den Brustkorb von einem Holzstück umschlossen, kann von Balken beschützt hin- und herlaufen. (S. 33)

Lotte Beyer hat mit Ihren Fotos auch Sozialgeschichte geschrieben: In Im Ortsteil Bernède von Arue war sie die Erste, die einen halbkreisförmigen Schafstalls fotografierte, der über einen von zwei Steinmauern umschlossenen Hof verfügt. Der Boden dieses Hofes ist bedeckt mit Pflanzen, die in der Heide oder im Unterholz (Heidekraut…) geschnitten wurden und sich durch den Dung der Herde anreichern. Diese Mischung, das „Soutrage“, dient als Dünger für die Felder, so lautet die Erklärung zu diesem Foto (S. 44).
Ihre Fotos zeigen die Häuser und die Gewohnheiten, die die Arbeit prägen. Zwar ist überwiegen Wald in der Gascogne vorhanden, aber die Weidewirtschaft hat auch eine große Bedeutung. S. 52f: Vor einer mit Seekiefern bepflanzten Parzelle steht eine Schafherde mit einem Schäfer auf Stelzen. Er spinnt die Wolle seiner Tiere mit Hilfe eines Spinnrades und macht eine kleine Pause, während er sich auf seinen Stock stützt. Hier der Kommentar von Lotte Beyer: „Die Stelzen waren früher das Erkennungszeichen des Schäfers … heute (Winter 32/33) sind sie vom Aussterben bedroht … Ich habe nur einen einzigen Schäfer in Belhade gefunden, der auf Stelzen ging, aber sie waren nicht sehr hoch (85 cm) …“ Viele andere Beispiele zeigen die Bauern bei ihrer Arbeit. So auch die Schlachtung eines Schweins. Bevor die Därme gewaschen, die Blutwürste gekocht und die Soße zubereitet werden , hält die ganze Familie inne vor diesem schönen Vorrat an Fleisch, der den Haushalt das ganze Jahr über ernähren soll: S. 66 f.

In Pissos beschreibt sie die Herstellung von Teer und Holzkohle in einem speziellen Ofen: „… ein Bauwerk aus Stein und flachen, rechteckigen Ziegeln, das an der Unterseite der beiden schmalen Seiten mit einer halbkreisförmigen Öffnung für den Feuerraum und auf dem mit feinem Sand bedeckten Flachdach mit zwei großen runden Öffnungen zur Belüftung versehen ist…

Mit dieser Fotodokumentation beweist Lotte Beyer ihre Sensibilität für die sozialen Gegebenheiten, zeigt die Bauern und Handwerker bei ihren Beschäftigungen, in ihren Häusern und Werkstätten. Es sind keine Gelegenheitsaufnahmen, sondern man kann an ihrer Qualität sehr wohl erahnen, wie die Fotografin mit diesen Menschen wohl offenkundig kommuniziert hat, damit sie nicht einfach eben mal abgelichtet fühlen sondern in der Art und Weise, wie sie sich der Fotografin darstellen, auch zu erkennen geben, dass sie bereit sind, ja sogar ein ein bisschen stolz, ihr Handwerk zu demonstrieren.

Ein Nachwort mit der Lebensgeschichte von Lotte Beyer, Quellenverzeichnis und eine Bibliographie der Werk von Lotte Beyer ergänzen diesen Band.

> Images des Landes de Gascogne 1932-1933
Photographies : Lotte Lucas-Beyer
Présentation : Jean Tucoo-Chala
Dax, Éditions Passiflore, 2025
ISBN : 978-2-37946-128-6

Call for papers : Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026

Die Sartre-Gesellschaft veranstaltet vom 25.-27.September einen Workshop in Jena. Diesmal geht es Sartres Entwürfe für eine Moralphilosophie.

>Ort: Friedrich-Schiller-Universität in Jena/Carl-Zeißstr. 3, SR 207
Leitung: apl. Prof. Dr. Jens Bonnemann

Für Jean-Paul Sartre ist der Mensch nichts als das, wozu er sich macht, denn die Existenz geht der Essenz voraus. Dies ist die Grundthese, die in sich wie ein roter Faden durch Sartres Hauptwerk Das Sein und das Nichts (1943) zieht. An dessen Ende kündigt er ein Buch über Moral an. An dieser Moral arbeitet Sartre vor allem in den Jahren 1947/48, sie bleibt jedoch unvollendet. Die aus dieser Zeit stammenden Notizhefte im Umfang von ca. 1000 Seiten werden erst posthum 1983 unter dem Titel Cahiers pour une morale und 2005 in deutscher Übersetzung als Entwürfe für eine Moralphilosophie veröffentlicht. …

Die Veranstaltung, zu der es voraussichtlich einen zweiten Teil im März 2027 geben wird, richtet sich an alle Sartre-Interessierte (Studierende, Doktoranden, Habilitanden usw.). Vorkenntnisse sind sehr willkommen, jedoch nicht notwendig.

Bitte weiterlesen: Ankündigung Workshop Cahiers Sep 26 *.pdf

Es wird um verbindliche Anmeldung zum Workshop bis 30. Juni 2026 an Jens Bonnemann, den Präsidenten der Sartre-Gesellschaft, jensbonnemann@gmx.de, gebeten.

Rezension: Johannes Regenbrecht, „Haymatloz? – Nein!“: Erich Auerbach (1892-1957) als „passloser Deutscher“ im Istanbuler Exil

Dieser Beitrag von Johannes Regenbrecht, der am 19.3.2026auf der im L.I.S.A. Wissenschaftsportal der Gerda Heinkel Stiftung veröffentlicht wurde, ist auch eine Erinnerung, an das Hauptseminar über Erich Auerbach geleitet von > Prof. Dr. Dirk Hoeges (1943-2020), das Johannes Regenbrecht und ich einst im Romanischen Seminar der Universität Bonn belegt haben.

Johannes Regenbrecht, „Haymatloz? – Nein!“: Erich Auerbach (1892-1957) als „passloser Deutscher“ im Istanbuler Exil – L.I.S.A. Wissenschaftsportal der Gerda Heinkel Stiftung

Der deutsch-jüdische Romanist Erich Auerbach (1892-1957) wurde von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben und ging 1936 ins Exil in die Türkei, wo er an der neu gegründeten Istanbul-Universität lehrte. Dort spielte er eine zentrale Rolle im Modernisierungsprojekt unter Mustafa Kemal Atatürk und baute die Romanistik in der Türkei maßgeblich auf. Während seiner Zeit in Istanbul verfasste er sein Hauptwerk Mimesis (Dieses Buch war das Thema im Seminar von Prof. Hoeges), das bis heute als Klassiker der Literaturwissenschaft gilt. 1947 emigrierte er in die USA und wurde später Professor an der Yale University, wo er bis zu seinem Tod 1957 lehrte. Trotz seines Weggangs blieb er eng mit seinen türkischen Schülern verbunden und hinterließ nachhaltige Spuren im intellektuellen Leben der Türkei.

Nach seiner Emigration in die USA 1947 lehrte Erich Auerbach zunächst am Pennsylvania State College und in Princeton, bevor er 1949 an die Yale University berufen wurde, wo er bis zu seinem Tod 1957 tätig war. Trotz der räumlichen Distanz hielt er engen Kontakt zu seinem türkischen Schülerkreis und besuchte ihn im April 1957 ein letztes Mal in Istanbul. Das Treffen bei seiner Schülerin Ayşe Süheilâ Bayrav belegt, wie stark seine Verbindung zur türkischen Intellektuellenszene blieb und welchen nachhaltigen Einfluss er dort ausgeübt hatte.

Der deutsch-jüdische Literaturwissenschaftler Erich Auerbach lebte im Exil in Istanbul als staatenloser „Haymatloz“ und teilte das Schicksal vieler vertriebener Gelehrter, die entscheidend zur Modernisierung des türkischen Bildungswesens beitrugen.Als „passloser Deutscher“ bewegte er sich zwischen den Fronten.

Regenbrecht hat auch die finanziellen Verluste untersucht, die Auerbach und seine Frau erlitten haben. “ Diese klagte Auerbach nach dem Krieg in einem Wiedergutmachungsverfahren ein, das sich über Jahre hinzog und im bürokratischen Nirvana versandete. Der Antrag der Witwe Marie Auerbach auf Zahlung einer Kapitalentschädigung wurde schließlich am 8. September 1966 vom Hessischen Kultusminister negativ beschieden.“

Regenbrechts Darstellung ist auch deshalb so bemerkenswert, weil er u.a. einen unbekannten Brief Auerbachs an an den Außenminister der tschechoslowakischen Exilregierung in London vom 9. Dezemebr 1944 gefunden hat, in dem dieser seine Passprobleme schilderte. Schon die Adressierung des Briefes zeigt, wie kompliziert Auerbachs Lage zu dem Zeitpunkt gewesen ist. Erich Auerbach um die Verlängerung seines abgelaufenen Passes, der ihm während des Krieges zur Absicherung ausgestellt worden war, jedoch abgelehnt wurde. Er begründete sein Anliegen damit, dass er und sein Sohn für ihre geplante Ausreise in die USA auf den Pass angewiesen seien, da sie sich gegenüber Behörden bereits als dessen Inhaber ausgegeben hatten. Der Pass wurde aber nur um ein Jahr verlängert. Danach war er wieder ohne Pass.

Das NS-Regime traf auch das Umfeld von Erich Auerbach äußerst rt: Sein Schüler Werner Krauss wurde wegen Widerstands zum Tode verurteilt und später begnadigt, und auch Familienangehörige wie Adele Blakmar waren von Verfolgung bedroht. Zugleich reichte der politische Druck bis in die Türkei, wo nationalsozialistische Einflussversuche selbst Auerbachs akademisches Umfeld an der Istanbul-Universität erreichten. Vor diesem Hintergrund war der tschechoslowakische Pass für Auerbach überlebenswichtig, da er ihn vor Abschiebung schützte und ihm schließlich die Emigration in die USA ermöglichte.

Das Schicksal von Erich Auerbach und seiner Frau im Exil hatten wir damals im Seminar auch nicht ansatzweise gestreift. Dank dieses Artikels von Johannes Regenbrecht können wir jetzt die Umstände, unter dem „Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur“ viel besser verstehen und würdigen.

Call for Abstracts: North American Sartre Society : 31st Annual Meeting

Die jährliche Konferenz der North American Sartre Society wird vom 23. bis 24.  Oktober 2026 als „Virtual Zoom Conference“stattfinden:

Call for Abstracts – Submission Deadline: May 15, 2026

Theme:  A.I., Virtual Worlds, and Digital Existentialism

The North American Sartre Society invites proposals for our 31st meeting.  Our conference theme is A.I., Virtual Worlds, and Digital Existentialism. We encourage papers that explore existentialism as it relates to A.I., social media, data centers, and virtual worlds. We encourage papers on topics and questions such as:

  • How does artificial intelligence reshape our understanding of selfhood, agency, and responsibility?
  • Can virtual worlds provide authentic forms of meaning, identity, and community, or are they structurally alienating?
  • What does “existence” mean when one’s social, emotional, and creative life is increasingly mediated by A.I. systems and platforms?
  • Do A.I.-generated personas and avatars challenge distinctions between authenticity and bad faith?
  • How should we understand freedom and choice when algorithmic systems increasingly guide behaviors, desires, and commitments?
  • What ethical obligations do creators of A.I. and virtual worlds have toward users’ existential well-being and sense of meaning?

We invite proposals from any area of Sartre studies and from any disciplinary background. In the spirit of Sartre’s eclectic thinking, we encourage proposals that address philosophy, literature, theater, aesthetics, psychology, politics, intellectual history, art, music, and other disciplines. Aiming to foster diverse and pluralistic approaches, we understand Sartre Studies broadly to indicate work in the existentialist tradition, including work emerging from thinkers like Simone de Beauvoir, Maurice Merleau-Ponty, Frantz Fanon, Richard Wright, Angela Davis, Albert Camus, Anna Julia Cooper, Harriet Ann Jacobs, Lewis R. Gordon, Frederick Douglass, Kathryn Sophia Belle, Steve Biko, Naomi Zack, Chabani Manganyi, Emilio Uranga, Jorge Portilla, W.E.B. Du Bois, Aimé Césaire, Keiji Nishitani, Azzedine Haddour, Martin Buber, Hannah Arendt, Martin Heidegger, Gabriel Marcel, Emmanuel Levinas, Sara Ahmed, danielle davis, bell hooks, Kamau Brathwaite, Nathalie Etoke, Achille Mbembe, Suzanne Césaire, James Baldwin and others.

Keynote Speaker: Stefano Guelani

Title: Existential Immersion and Care in Virtual Worlds

Stefano Gualeni is a Full Professor at the Institute of Digital Games, University of Malta. His academic books include Virtual Worlds as Philosophical Tools (Palgrave, 2015), Virtual Existentialism (Palgrave Pivot, 2020, with Daniel Vella), and Fictional Games: A Philosophy of Worldbuilding and Imaginary Play (Bloomsbury, 2023, with Riccardo Fassone). Stefano’s games, essays and philosophical fictions can be found on his webpage at www.gua-le-ni.com

Stefano’s philosophical fictions include The Clouds: An Experiment in Theory-Fiction (Routledge, 2024), What We Owe the Dead (Set Margins‘, 2025), Scholar’s Codex (Tune and Fairweather, 2026), and Errata Corpora (Set Margins‘, forthcoming in 2027)

The submission process:

  • The submission deadline is May 15.
  • We are accepting abstracts of 300-500 words. Reading time for papers is 20-25 minutes.
  • We will accept proposals for both individual papers and panel proposals. Please indicate if you are interested in the teaching existentialism session.
  • English or French is acceptable.
  • Please submit your abstract (or any questions) by email to NASS President, Dane Sawyer, dsawyer@laverne.edu
  • Graduate students are encouraged to submit.
  • All proposals will be forwarded to the program committee for review.

Contact

Neuerscheinung: Études rétiviennes, n°57, décembre 2025

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Société Rétif de la bretonne

Kaiser, Reinhard
Der französische Dichter Nicolas Rétif de la Bretonne und sein ungekanntes Meisterwerk – Podcast 53 Minuten
wwaw.hr2.de/podcasts/dokumentation-reportage/der-franzoesische-dichter-nicolas-retif-de-la-bretonne-und-sein-ungekanntes-meisterwerk,podcast-episode-139020.html

Call for papers : L’univers sonore de Rétif de La Bretonne

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Recherches en Esthétique, N° 31 – 2026 ist erschienen

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Heiner Wittmann 

L’irréversible n’est qu’un aspect de l’art

Une fois qu’un artiste a achevé son œuvre, il n’y reviendra plus ; on pourrait qualifier cet achèvement d’irréversibilité de l’œuvre d’art, qui donne l’impression d’être définitive dès sa naissance qu’on dirait définitive. Or, conçue dans ce sens, l’irréversibilité ne saurait se limiter à la matière travaillée et modifiée comme source pour devenir une œuvre d’art. Parmi tant d’autres facteurs, la pensée et l’imagination de l’artiste y ont également contribué. Lorsqu’il dépose le pinceau, qu’il prend du recul et qu’il observe l’œuvre dans son ensemble, l’artiste sans doute franchit une étape importante. La décision que tout est dit et que l’œuvre peut sortir de l’atelier pour être observée et analysée par le public est sans aucun doute un moment spécial – qu’il faudrait examiner en détail. Et si l’œuvre était immuable et portait toujours le même message que l’artiste avait bien voulu lui attribuer, pourrait-on vraiment en conclure que l’œuvre serait irréversible ?  … Lire la suite dans:

L’irréversible – Nr. 31 – 2026

Et après

par Bruno Péquignot « Hegel remarque quelque part que tous les faits et les personnages de l’histoire universelle adviennent pour ainsi dire deux fois. Il a oublié d’ajouter : la première fois comme tragédie, la seconde fois comme farce »

L’irréversible n’est qu’un aspect de l’art

par Heiner Wittmann

“À épier et vite épingler ”

par Jérôme Duwa Ce que l’irréversible nous dit. Michel Leiris en mai 68

L’entropie selon Victor Segalen et Robert Smithson

par Hélène Sirven Ou comment l’écrivain et l’artiste ont réagi face à l’irréversible

Le tableau sans retour

par Richard Conte Pratiques de l’irréversible

La présence de l’irréversible en art numérique

par Jean-Ambroise Vesac

Le lieu de la peinture comme refuge face à l’irréversible

par Julie Morlon

L’irréversible dans le cinéma antillais-péyi

par Guillaume Robillard Une esthétique de la chaîne

Sur quelques expériences artistiques irréversibles

par Dominique Berthet

Le tragique est-il toujours irréversible ?

par Laurette Célestine

Julie Bessard

par Dominique Berthet ­ Fulgurance et permanence du geste

Charles, Alsacien-Lorrain – Entre les lignes: En quête d’Isabelle

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Mehr Informationen: > charles-entreleslignes.com/de/non-classe-de/elsass-lothringen-geschichte-identitat-und-zwang/

Charles, Alsacien-Lorrain
Nadine-Amoros
Entre les lignes: En quête d’Isabelle
Eigenverlag 2020

Dazu:

Heiner Wittmann, Der Erste Weltkrieg und die französische Literatur, in: Heidi Beutin, Wolfgang Beutin, Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Herbert Schmidt, Claudia Wörmann-Adam (Hg.), Das Denken der Zukunft muß Kriege unmöglich machen. Der Krieg in Kunst, Literatur und Wissenschaft,Mössingen-Talheim: talheimer 2015, S. 57-90. > Bibliographie

> Le Centenaire de la grande Guerre – 70 articles sur notre blog www.france-blog.info

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