Benefizkonzert in der Wilhelm-Gedächnis-Kirche in Berlin zugunsten des Projekts “Eine Orgel für Riga”

Sonntag, 28. Oktober 2018, 20 h

Benefizkonzert in der Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin
zugunsten des Projekts > Eine Orgel für Riga

Im Artikel über diese Orgel in Wikipedia > https://de.wikipedia.org/wiki/Orgel_der_Petrikirche_(Riga) steht:

“Der lettische Architekt Peteris Blums, der der Projektbeauftragte ist, sagte: ‘Wenn die Petri-Kirche ihre Stimme wiederhat, ist für die Rigaer Altstadt der Zweite Weltkrieg endgültig zu Ende.’ ”

Alan Strauss-Schom: Eine neue Biographie über Napoleon III.

Alain Strauss-Schom hat gerade das Buch > The Shadow Emperor. A biography of Napoleon III bei St. Martins Press, (New York 2018) vorgelegt, sie folgt auf die Biographie Napoleons I., die der Autor 1997 veröffentlicht hat. Er bezeichnet sich als „biography-historian“ S. 435, und interessiert sich für die „personalities and interrelationsships those who create or are involved with,if only indirectly, the events that shape ‚the outcome of history‘“. S. 425. Und Strauss-Schom betont ausdrücklich, wie stark sich der Onkel vom Neffe unterscheide, der „groomed in the shadow of his uncle“ S. 425. In einem Satz fasst der Autor die Lehrjahre Louis Napoleons prägnant zusammen: „Ironically, what Louis Napoléon never admitted to himself, however, was his rejection of almost everything his uncle stood for, beginning with the military.“ Ib. Der Neffe betonte immer wieder, dass das Kaiserreich für den Frieden stände.
Der Titel des Buches erklärt sich mit dem Ergebnis der vorliegenden Studie: „A very dynamic and demanding Napoléon I had dominated the emire he created, while a far less vigorous and egotistical Louis Napoléon remained in the shadows oft he very empire he in turn created.“ Da klingt noch ein wenig die Unterschätzung an, die in vielen Biographien vorherrschte, bis Jean Sagnes, Pierre Miquel, Philippe Séguin und Eric Anceau die durch Napoleon III. betriebene Modernisierung Frankreichs in den Blick nahmen.
Das Buch besteht aus drei Teilen: Die Lehrjahre des künftigen Kaisers einschließlich seiner Haft im Fort Ham, dann die Wahl zum Präsidenten, der Staatsstreich und die Gründung des II. Kaiserreichs und dann die Jahre 1852-1870 mit dem Krimkrieg und schließlich dem Deutsch-französischem Krieg.
Der erste Teil kommt bei vielen Biographen oft etwas zu kurz, ist aber für das aufkeimende Interesse des Neffen für den Onkel und den Bonapartismus, dem er eine eigne Prägung geben wird, besonders wichtig. Charles-Louis Napoléon wird am 20. April 1808 geboren. Sein Onkel Napoleon I. wird mit seiner Erbschaft die Jugend und die Gedankenwelt des künftigen Kaisers bestimmen: „There was always a distracted, sdistant look in his eyes,“ schreibt Strauss-Shom und deutet damit die frühe Entschlossenheit von Louis Napoleon an, über die Gewissheit zu verfügen, zu höheren Dingen berufen zu sein. Sein Vater Louis Bonaparte, der frühere König von Holland und Freimaurer wachte über die Erziehung des Knaben. Kaum hat dieser die Schule verlassen, fängt er an, von militärischen Abenteuer zu träumen. Noch folgt er dem Vater und verzichtet (erstmal) auf seine Pläne.
Im Juni 1830, gerade wurde die Invasion in Algerien gestartet, kommt es in Paris zur Revolution, kurz darauf dankt Karl X ab und geht nach England.
Charles Auguste Louis Joseph, Comte de Morny (1801-1865) war der illegitime Sohn von General Charles Joseph Flahaut,(vgl. Flahaut, Les Francs-maçons fossoyeurs du 1er Empire, Editions littéraires et artistiques, 1943) einem Vertrauten von Napoleon I, und Neffe von Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, dem Außenminister des Kaisers. Adelaide [de Flahaut] de Souza wußte als eine der wenigen Eingeweihten, dass die Mutter von Morny die Gattin Hortense de Beauharnais von König Louis Bonaparte war. Vgl. S. 13-15. Hier erzählt Strauss-Schom eine spannende Geschichte, der er zu Recht das 3. Kapitel widmet. Morny sollte tatsächlich großen Einfluss auf den Aufstieg Louis-Napoléons zum Kaiser bekommen. Erst im Oktober 1838 sollte er von der Existenz seines Halbbruders erfahren.
Hortense de Beauharnais (1783-1837), so Strauss-Schom,war eine der einflussreichsten Personen im Leben Louis-Napoléons: „He was also a prisoner of her love.“ S. 22 Ihre Urlaube in Italien hatten weitreichende Folgen für ihren Sohn und den Graf Francesco Arese (1778-1847), sie sich beide in Italien engagieren, wo 1831 Napoléon-Louis in Forlì stirbt. Louis-Napoléon, der sich fortan mindestens bis 1884 nach dem Namen seines Bruders nennen wird, kehrt nach Arenenberg zurück. Nicht Arese sondern Louis-Napoleon sei lebenslang Freimaurer gewesen (S. 32) berichtet Strauss-Schom. Dazu gibt es in der Forschung bisher keine Belege, auch wenn eine Reihe von Tatsachen, dies nahelegen: vgl. H. Wittmann, > Napoleon III. Macht und Kunst, Reihe Dialoghi/dialogues. Literatur und Kultur Italiens und Frankreichs, hrsg. Dirk Hoeges, Band 17, Verlag Peter Lang, Frankfurt, Berlin, Bern u. a., 2013, S. 40-45: Louis-Napoleon: ein Freimaurer?
Seine Jahre in Arenenberg wieder ab 1835 sind Lehrjahre, die er nicht nur zu Studien nutzt. Er knüpft Kontakte und unternimmt einen ersten Staatsstreich in Straßburg 1837, der scheitert, die Regierung lässt ihn in die USA ausreisen, er darf aber zu seiner todkranken Mutter 1837 nach Arenenberg zurückkehren.
Srauss-Schom trifft den richtigen Ton, in dem er zeigt, wie Louis-Napoleon immer Sorge um sein Erbe, die Erinnerung an die Bedeutung seines Onkels aufrechtzuerhalten, stets in dem Bestreben, immer wieder Gruppen von Getreuen um sich zu sammeln. Die Landung in Boulogne scheitert kläglich und in der Festungshaft in Ham, fast ein offener Strafvollzug darf er seine Studien fortsetzen und intensivieren. 1840 werden die sterblichen Überreste des Kaisers nach Frankreich zurückgeholt. Eine bessere Werbung für die eigene Sache Louis-Napoleons hätte es nicht geben können.
Wiederum sind es einige Getreue, unter ihnen der Arzt und Freimaurer Henri Conneau, die Louis-Napoléon zur Seite stehen. Die Napoleonischen Ideen aus der Feder Louis-Napoléons lesen sich wie ein Programmschrift und Strauss-Schom gibt ihnen auch den richtigen Stellenwert, so wie L’Extinction du Paupérisme seine sozialen Ideen vorstellen und ihn als einen linken Politiker präsentieren. 1846 gelingt ihm als Bauarbeiter verkleidet die Flucht aus dem Fort Ham nach England.
Sein Glücksfall ist die Revolution von 1848. Louis-Philippe dankt ab, die Republik wird ausgerufen und Louis-Napoleon, wieder mit der Hilfe einige Getreuer nutzt seine Chance und wird im Dezember zum Staatspräsidenten gewählt. Das Kapitel 13 „A Pure New Holy Republic: 1848“ zeigt, wie Louis Napoleon sich strategisch geschickt die politische Unterstützung für seine Pläne sichert.
16. “Countdown to Empire” ist die Einleitung zur Erneuerung des Kaiserreichs, die mit einem Staatsstreich, diesmal gelingt er, von Louis-Napoleon wieder mit einer kleinen zahl von Getreuen vorbereitet und erfolgreich ausgeführt wird. Die Kapitelüberschrift 18. “The Sphinx of the Tuileries” ist gut gewählt. En besondere Aufmerksamkeit erhält hier die politische Organisation der neuen Staatsform. Mehr als in anderen Biographien stellt Strauss-Schom die außenpolitischen Beziehungen des Kaiserreichs dar. Der Titel des Buches den Leser auch auf eine falsche Fährte, da Alain Strauss-Schom sehr wohl die Erneuerung der Wirtschaft und die Reformen Napoleons III berücksichtigt und der Umgestaltung von Paris 21. „Georges Haussmann“ und 22. „Prefect of Paris“ einen breiten Raum widmet. Auch die Kultur in seiner Biographie kommt in seiner Biographie bekommt ebenfalls die Aufmerksamkeit des Autors: 30 „Offenbachland“.
Natürlich liegt der Vergleich der beiden Kaiserreiche nahe. Der Neffe eifert dem Onkel nach, aber er es gelingt ihm auch, das zeigt er in seinen programmatischen Schriften, sich von den Doktrinen seines Onkels abzusetzen. Er hat eine viel längere Zeit der Regierung gehabt und sie für eine tiefgreifende Modernisierung mit Unterstützung der Industrialisierung sehr errfolgreich zu nutzen gewusst. Die außenpolitischen Abenteuer haben ihn dazu geführt, seinen selbst gewählten Grundsatz, das Kaiserreich ist der Friede, wiederholt zu verletzen, dennoch erlaubt der Vergleich mit seinem Onkel, dem es gelang, Frankreich nach den Revolution zu befrieden, wenn auch nur um den Preis erneuter Kriege, es nicht, seinen Neffen in seinen Schatten zu stellen. Abgesehen davon hat Strauss-Schom eine sehr lesenswerte Biographie verfasst.

Ein ausführliches Register S. 481-496 erleichtert die Orientierung in diesem Buch.

Alan Strauss-Schom  –  His Website: > alanschom.com
> The Shadow Emperor
St. Martin’s Press
ISBN: 9781250057785
512 Pages

Dominique Kalifa: Paris. Une histoire érotique d’Offenbach aux Sixties

Diese Buch ist uns auf dem Stand von Payot bei der > Frankfurter Buchmesse 2018 aufgefallen: Dominique Kalifa hat einen gelungenen Reiseführer der besonderen Art verfasst: > Paris. Une histoire érotique d’Offenbach aux Sixties oder stimmt es, dass Paris die Hauptstadt der Liebe ist? U4: “La ville la plus sensuelle de la planète a un nom, et c’est Paris.” Kailifa lebt in Paris seit fast 60 Jahren und berichtet in diesem Buch über den “esprit” érotique der Hauptstadt.

Besonders interessant, neben dem eigentlichen Thema dieses Buches, ist sein historischer und literarischer Rahmen von Jacques Offenbach mit La Vie parisiennne, 250 Mal von November bis Juli 1867 aufgeführt bis zum Aufbruch der 60er Jahre. Kalifa beginnt mit den Romanen von Balzac, die auch eine Art Soziologie der Liebe in Paris enthalten: “Conquérir Paris, c’est conquérir ses femmes.” S. 23 Und so gehts los:

2. Premières rencontres. Wieder gibt es viele Belege aus der Literatur und eine kleine Anweisung, wie das funktioniert: Se rencontrer dans la rue, S. 44 ff. : Baudelaire, A une passante: “La rue assourdissante autour de moi hurlait…”, S. 51 oder “Le bal ou la ‘chasse au mari'”, S. 57 ff., le jardin public oder gar in Métro, Rencontres surréalistes sind auch mit dabei. Oder “Suivre une femme”… S. 86 ff.

Einmal gesehen. Ein weiteres Treffen: “Se voir se revoir”, S. 93 ff. Das vierte Kapitel: “Same Sex in Paris”, enthält wiederum viele Hinweise auf Schriftsteller und ihre Bücher und 5. Asile de l’adultère. S. 169 ff. mit einem historischen Abriss. Zwei Kapitel, eins über die käufliche Liebe und ein letztes “Se quitter” runden dieses Buch ab.

Das ist doch was dran. Paris als die Hauptstadt der Liebe, obwohl kaum eine andere Stadt dahinter wirklich zurücksteht. Aber Paris hat dafür wirklich ein besonderes Flair. Aber dieses Buch sticht vor durch seine ausführlichen Anmerkungen, Hinweise und Erinnerungen auf die Literatur. Natürlich sind Romane und Gedichte  von jeher mit der Liebe eng verbunden, aber in Paris wird ein erotischer Führer eben auch zu einem Literaturführer oder zu einem Führer durch die Geschichte. Man braucht ja nur an Camille Desmoulins zu denken, der Lucile, als sie erst 15 ist, zum ersten Mal im Luxemburggarten begegnet. > Auf nach Paris.

Dominique Kalifa
> Paris. Une histoire érotique, d’Offenbach aux Sixties
Paris : Payot 2018
9782228922098

Vor 50 Jahren Mai 68

DieVeranstalter vom Litcamp18, 16.-17. Juni in Heidelberg, haben mir vorgeschlagen, eine Session zum Mai 68 zu halten. Das geht und hier steht schon mal eine > Bibliographe zum Mai 68.

Langfristige Ursachen bestimmten die Mai-Ereignisse 1968 in Paris. Die politische Weltlage, der ausufernde Vietnam-Krieg und die weltweiten Proteste dagegen, waren dazu geeignet, der Jugend immer mehr ein Gefühl der Ohnmacht zu vermitteln. Aber im März konnte man noch nicht vorhersehen, dass der Jahrestag einer wenig erfolgreichen Besetzung auf dem Campus Nanterre schon am 2. Mai die Schließung dieser Universität zur Folge haben würde. Am 3. Mai räumte die Polizei die Sorbonne, die Universitäten werden landesweit geschlossen, die  Arbeiter solidarisieren sich mit den Studenten, bald sind über 10 Millionen Arbeiter im Ausstand. General de Gaulle ordnet am 18. die Räumung der Sorbonne und des besetzten Odeon-Theater an: “Réfome oui, pas de chienlit,” soll er gesagt haben, wobei sofort Plakate mit der silhouette des Generals auftauchen: “Le chienlient, s’est lui.” Es kommt zu den “Accord des Grenelles”, die u.a. Lohnerhöhungen und einen Einstieg in die betriebliche Mitbestimmung vorsehen. Die kommunistischen Gewerkschaften bremsen die Bewegung. Als de Gaulle am 29. Mai stat nach Hause zu fliegen, den Kurs ändert, weiß man zhuerst nicht wohin er geflogen ist. Gibt er auf? Tritt er zurück? Regierungswechsel oder gar Wechsel der Republik.? Aber der Oberkommandierende der Forces Françaises en Allemagne, General Jacques Massu, bewegt ihn zur Rückkehr: De Gaulle spricht am 30. Mai im Radio: fast eine Million seiner Anhänger ziehen zur Place de la Concorde und von dort aus zum Triumphbogen. Der Mai 68 ist Gechichte.

In unserer Session untersuchen wir die Ereignisse mit den Reaktionen einzelner Personen: Daniel Cohn-Bendit, Jean-Paul Sartre, Georges Pompidou und Charles de Gaulle.

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Bibliographie: Sartre und Tintoretto

Bibliographie: Sartre und Tintoretto zum Vortrag > L’artiste vend des visions. Sartre et le Tintoret. Conférence à Paris > Vidéo


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Kataloge

Ausstellung in Köln. Tintoretto. A Star was born.
6. Oktober 2017 – 28. Januar 2018
hrsg. v. Roland Krischel unter Mitarbeit von Michael Hochmann und Cécile Masonneuve
Köln: Wallraf-Richartz Museum, Köln und München, Hirmer Verlag 2017.


Bibliographie: Sartre und Tintoretto

Sartre, J.-P., La Regina Albemarla o il ultimo turisto, dans : id., La reine Albemarle ou le dernier touriste, fragments, éd. A- Elakaïm-Sartre, Paris : Gallimard 1991, p. 117-200 : [Le Paradis, p. 124-131, Titien, p. 141 s., Scuola di San Rocco, Tintoret, p. 142-145, Tintoret, p. 162-173, Tintoret la Foudre, p., 167]
—, Le séquestré de Venise, dans : Les Temps Modernes, n° 141, novembre 1957, weiderabgedruckt: Le séquestré de Venise, dans: Situations, IV, portraits, Paris : Gallimard 1964, p. 291-346, [p. 36 : « Les Temps Modernes, n° 141, novembre 1957. Fragment d’un ouvrage à paraître.], dt., Der Eingeschlossene von Venedig, übs. v. Abelle Christaller, in: Sartre, Jean-Paul, Porträts und Perspektiven, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1971, S. 233-276.
—, Un vieillard mystifié. Texte inédit de Jean-Paul Sartre, fragment pour Le Séquestré de Venise, 1957, éd. p. Michel Sicard, in : Catalogue Sartre, Paris, Bibliothèque nationale de France, 9 mars- 21 août 2005, 2005, p. 186-193.
—, « Saint Marc et son double », [1961]  essai de Jean-Paul Sartre sur Le Tintoret, retrouvé, établi et présenté par Michel Sicard, Obliques Sartre et les arts, éd. p. M. Sicard, nº 24-25, Nyons 1981, p. 171 à 202.
—, Saint Georges et le dragon, dans: Situations, IX, mélanges, Paris : Gallimard 1972, p. 202-226. [L’Arc, n°30, octobre 1966]
—, les produits finis du tintoret [“la fin de son étude sur le Tintoret”], dans  Magazine littéraire, n° 176, septembre 1981, p. 28-30
—, Tintoretto o il sequestrato di Venezia, Sartriana.3, Collana a cura di Gabriella Farina, Prohetto et introduzione di Michel Sicard, Traduzione e cura di Fabarizio Scanzi, Milano : Christian Marinottti Edizioni 2005.


Œuvres de Sartre (choix)

Baudelaire, Gallimard, Paris 1947.
Cahiers pour une morale, Gallimard, Paris 1983.
Critique de la Raison dialectique précédé de Questions de méthode (éd. A. Elkaïm-Sartre), t. I, Théorie des ensembles pratiques, Gallimard 21985, Paris t. II (inachevé), L’intelligibilité de l’Histoire, Gallimard, Paris 1985.
L’être et le néant. Essai d’ontologie phénoménologique, Gallimard, Paris 1943.
L’Idiot de la famille. La vie de Gustave Flaubert de 1821 à 1857, 3 vol., nouvelle édition, Gallimard, Paris 1988.
L’imaginaire. Psychologie phénoménologique de l’imagination, Gallimard, Paris 1940.
L’imagination, Presses universitaires de France, Paris 81981.
Mallarmé. La lucidité et sa face d’ombre (éd. A. Elkaïm-Sartre), Gallimard, Paris 1986.
Les mots, Gallimard, Paris 1964.
Plädoyer für die Intellektuellen. Interviews, Artikel und Reden 1950 – 1973 (traduit par. H. v. Born-Pilsach, E. Groepler, T. König, I. Reblitz, V. v. Wroblewsky), in : Sartre, (éd. V. v. Wroblewsky), Politische Schriften, Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Bd. 6, Rowohlt, Reinbek / Hambourg 1995.
Qu’est-ce que la littérature ? Paris: Gallimard [idées, n° 58] 1948.
La reine Albemarle ou le dernier touriste. Fragments (éd. A. Elkaïm-Sartre), Gallimard, Paris 1991.
Das Sein und das Nichts. Versuch einer ontologischen Phänomenologie (traduit par. H. Schöneberg, T. König, Sartre, Gesammelte Werke in Einzelausgaben, in Zusammenarbeit mit dem Autor u. A. Elkaïm-Sartre, éd. T. König, Philosophische Schriften, Bd. 3), Rowohlt, Reinbek/Hambourg 1991.
Situations, IV. Portraits, Gallimard, Paris 1964.
Situations, IX. Mélanges, Gallimard, Paris 1972.
Un théâtre de situations (éd. M. Contat, M. Rybalka). Nouvelle édition, Gallimard, Paris 1992.


Expositions

Sartre et l’Arte, 1987. Ommaggio à Jean-Paul Sartre, Commissaire, Michel Sicard, Villa Medici 19 Febraio / 25 marzo 1987 : edizioni Carte Segrete : Dialogue de Jean-Marie Drot avec Michel Sicard en guuise de préface, p. 7- 19.
Les voyages en Italie, dans : Catalogue Sartre, Paris, Bibliothèque nationale de France, 9 mars- 21 août 2005, 2005, p. 180-183.


Bibliographies :

Contat, M., Rybalka, M., Les écrits de Sartre. Chronologie, Bibliographie commentée, Gallimard, Paris 1970.
Lapointe, F. H., Jean-Paul Sartre and His Critics. An International Bibliography (1938-1980), Annotated and Revised Second Edition, Bowling Green State University, Bowling Green, Ohio, 21981.
Wilcocks, R., Jean-Paul Sartre. A Bibliography of International Criticism, The University of Alberta Presse, Edmonton 1975.
Contat, M., Rybalka, M., Sartre, Bibliographie 1980-1992, Bowling Green State University, CNRS Éditions, Bowling Green Ohio, Paris 1993.
Bulletin d’information du Groupe d’Etudes Sartriennes, n° 9, Paris, Juin 1995 ss.


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Sekundärliteratur

Bauer, G. H., Sartre and the Artist, University of Chicao Press, Chicago 1969,
Sartre et l’artiste, trad. par Sophie Astier-Verzon, Jepublie 2008
Baussy-Oulianoff, Didier, Bouquet, M., Le Tintoret d’après Jean-Paul Sartre. La Déchirure jaune, [Deutsche Bearbeitung: R. E. Moritz, Redaktion: J. Hausmann. Gemeinschaftsproduktion: Antenne 2, Paris und Bayrischer Rundfunk 1984.] Nouvelle édition, Paris : Gallimard 2005.
Baxandall, Michael, Painting and Experience in 15th Century Italy. A Primer in the Social History of Pictorial Style, Clarendon Press, Oxford 1972.
Bercken, Erich von der, Die Gemälde des Jacopo Tintoretto, Piper, Munich 1942.
Bernari, Carlo, L’opera completa del Tintoretto, Rizzoli, Mailand 21978.
Braunfels, Wolfgang. [sur « Der heilige Georg kämpft mit dem Drachen: »] in: Lexikon der christlichen Ikonographie (éd. Wolfgnag. Braunfels), Herder, Rom u.a. 1974, Bd. VI, Ikonographie der Heiligen, Crescentianus von Tunis bis Innocentia (347-390).
Collins, Douglas, Sartre as Biographer, Harvard University Press, Cambridge, Mass. 1980.
Echols, Robert, Giovanni Galizzi and the Problem of the Young Tintoretto, in: artibus et historiae 31, 1995, S. 69-110.
Fuld, W., Ich analysiere nicht. In Venedig hatte Sartre Angst vor dem Wasser, in : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. 6. 1994.
Habert, Jean, L’autoportrait du Tintoret, dans Catalogue Sartre, Paris, Bibliothèque nationale de France, 9 mars- 21 août 2005, 2005, p. 184 s.
Hauptmann, Gerhard, Tintoretto. Essay, in : id., Sämtliche Werke (Centenar-Ausgabe, éd. H. E. Hass), t. VI, Erzählungen. Theoretische Prosa, Propyläen-Verlag, Francfort/M., Berlin 1963 (965-983).
Hocke, Gustav René, Die Welt als Labyrinth. Manier und Manie in der europäischen Kunst. Von 1520 bis 1650 und in der Gegenwart, Rowohlt, Hambourg 81978.
Hoeges, Dirk, Jean-Paul Sartre, dans Kritisches Lexikon der romanischen Gegenwartsliteraturen (KLRG), (éd. W.-D. Lange), Gunter Narr, Tübingen 1984.
Hüttinger, Edouard, Die Bilderzyklen Tintorettos in der Scuola di S. Rocco zu Venedig, Thèse, Zürich 1962.
Krischel, Roland., Tintoretto, Rowohlt, Reinbek/Hambourg 1994.
Jacopo Tintoretto. Das Sklavenwunder. Bildwelt und Weltbild, Frankfurt/M.: Fischer 1994.
Jacopo Tintorettos ‚Sklavenwunder’, München: Fischer 1991.
— Bilder vom Gewicht – Tintoretto und die Gesetze der Schwerkraft, in: David Young Kim (Hg.), Matters of Weight. Force, Gravity and Aesthetics in the Early Modern Period, Emsdetten/Berlin 2013, S. 111-128.
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Mayer, Hans, Anmerkungen zu Sartre, Neske, Pfullingen 1972.
Miething, Christopf, Saint-Sartre oder der autobiographische Gott, Carl Winter, Heidelberg 1983.
Oliveira, Carla Mary S., Sartre e as artes: Tintoretto, o sequestrado de Veneza, Sartre and arts: Tintoretto, the Venice’s sequestratto [Palestra de abertura do V Seminário do Grupo de Estudos Sartre — Filosofia da Arte: “Só a realidade interessa” , evento realizado no Centro de humanidades da Universidade estadual do Ceará, na cidade de Fortaleza, entre 12 e 15 de setembro de 2012. / Opening lecture speech on V Workshop of Sartre’s Studies Group, event entitled “Philosophy of Art: ‘Only reality interests’”, happened at Humanities Center from the Ceará State University, in Fortaleza, Brazil, between September 12 and 15, 2012]dans : Revista de História da Arte e Arqueologia, Brésil, 23 Jan-June 2015, p. 109-126.
Palluchini, Rodolfo, La giovinezza del Tintoretto, Mailand 1950.
Panofsky, Erwin, Die Renaissancen der europäischen Kunst (engl. Renaissance and Renaissances in Western Art, Stockholm, Almqvist and Wiksell, 1960, traduit par H. Günter) Suhrkamp, Francfort/M. 21984.
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Raphael, Max, Tintoretto, Die Auffindung Mosis und Vergleich mit Tizians Venus und Adonis, in : id., Bild-Beschreibung. Natur, Raum und Geschichte in der Kunst (éd. H.-J. Heinrichs), Ed. Qumran im Campus Verlag, Francfort/M., New York 1987 (167-218).
Rau, Catherine, The Aesthetic Views of Jean-Paul Sartre, in : Journal of Aesthetics and Art Criticism 9, American Society for Aesthetics, New York 1950/51 (139-147).
Ruskin, John, Modern Painters, in : The Works of John Ruskin, (éd. E. T. Cook, A. Wedderburn), t. III, vol. I, Modern Painters, George Allen, London 1903.
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Sicard, M., – « Le Tintoret : approche d’une esthétique de la modernité », Colloque de Bari Jean-Paul Sartre – Teoria scrittura impegno, 1983, dir. Vito Carofiglio et Giuseppe Semerari, Bari Edizioni dal Sud, 1985, p. 145 à 153.
—, « Sartre e Tintoretto », fragment inédit, en français, traduction en italien, in livre-catalogue Sartre e l’arte, Rome, Carte Segrete, 1987, p. 35 à 54.
—, « Il Tintoretto : arte e storia », colloque Sartre e l’Italia, dir. Ornella Pompeo Faracovi et Sandra Teroni, Livourne (Italie), 29 novembre 1985, Livourne, Belforte editore Libraio, 1987, p. 95-109. Repris sous le titre « Art et histoire » dans Essais sur Sartre, p. 253 à 266.
—, « Il Tintoretto : arte e storia », colloque Sartre e l’Italia, dir. Ornella Pompeo Faracovi et Sandra Teroni, Livourne (Italie), 29 novembre 1985, Livourne, Belforte editore Libraio, 1987, p. 95-109. Repris sous le titre « Art et histoire » dans Essais sur Sartre, p. 253 à 266.
—, Essais sur Sartre. Entretiens avec Sartre (1975-1979), Paris : Galilée 1989.
—, Die Kunst denken. Gespräch mit Michel Sicard, in: Sartre, Jean-Paul, Die Suche nach dem Absoluten. Texte zur bildenden Kunst, übs. v. V. v. Wroblewsky, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1999, S. 132-143.
—, Obliques 24/25, Sartre et les arts (éd. M. Sicard), Editions Borderie, Nyons 1981.
Swoboda, Karl Maria, Tintoretto. Ikonographische und stilistische Untersuchungen, (éd. W. Huber, S. Pohl), Schroll, Wien, Munich 1982.
Tamassia, Paolo, Au-delà de l’exotisme. L’Italie selon Sartre dans La Reine Albemarle et Le Dernier Touriste, dans : Catalogue Sartre, Paris, Bibliothèque nationale de France, 9 mars- 21 août 2005, 2005, p. 174-179.
Tietze, Hans, Tintoretto. Gemälde und Zeichnungen, Phaidon Pr., London 1948.
Vezon-Astier, Sophie, Sartre et la peinture, dans Sens Public, Paris, Janvier 2009.
Vuillemin, Jules, La personnalité esthétique du Tintoret, dans Les Temps Modernes 102, Paris, 1954 (1965-2006).
Weddigen, Erasmus, JACOMO TENTOR F.- Myzelien zur Tintoretto-Forschung. Peripherie, Interpretation und Rekonstruktion, München 2000.
Willmes, Ulrich, Studien zur Scuola di San Rocco in Venedig, Thèse, Klein, Munich 1985.
Wittmann, Heiner, Sartre und die Kunst. Die Porträtstudien von Tintoretto bis Flaubert, Tübingen: Gunter Narr Verlag 1996.
—, L’esthétique de Sartre. Artistes et intellectuels, Traduit de l’allemand par Nathalie Weitemeier et Judith Yacar, Collection Ouverture philosophie : Paris : L’Harmattan 2001.
—, Aesthetics in Sartre and Camus. The Challenge of Freedom, translated by Catherine Atkinson, Reihe Dialoghi/dialogues. Literatur und Kultur Italiens und Frankreichs. Edited by Dirk Hoeges, vol. 13, Verlag Peter Lang, Frankfurt, Berlin, Bern u.a., 2009.
Wroblewsky, Vincent von, Gelegenheitstexte als Bausteine zu einer Ästhetik, in: Sartre, Jean-Paul, Die Suche nach dem Absoluten. Texte zur bildenden Kunst, übs. v. V. v. Wroblewsky, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1999, S. 144-189.
—, Die Kunst denken. Gespräch mit Michel Sicard, in: Sartre, Jean-Paul, Die Suche nach dem Absoluten. Texte zur bildenden Kunst, übs. v. V. v. Wroblewsky, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1999, S. 132-143.
Zorzi, Alvise, Venedig. Die Geschichte der Löwenrepublik (traduit par S. Höfer, La Repubblica del leone. Storia di Venezia), Claassen, Düsseldorf, 1985.

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L’artiste vend des visions. Sartre et le Tintoret.
Conférence à Paris


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Heiner Wittmann   > Bibliograhíe: Sartre und Tintoretto

Conférence. Le peintre vend des visions. Sartre et le Tintoret
Avec les études entre autres sur Baudelaire, Flaubert, Mallarmé, Masson, Giacometti et Calder, Jean-Paul Sartre a développé une théorie esthétique. Il a aussi analysé un grand nombre de tableaux du Tintoret. De cette manière, Sartre réussit à découvrir les raisons pour l’immense succès du peintre vénitien.
Musée du Luxembourg, 19 Rue de Vaugirard, 75006 Paris, jeudi 12 avril à 18 h 30.
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L’exposition > Tintoret. Naissance d’un génie
7 mars – 1er juillet 2018 … A l’occasion du 500e anniversaire de la naissance du Tintoret, le Musée du Luxembourg célèbre l’un des plus fascinants peintres … rassemblées rendent compte de la diversité du travail de Tintoret et de sa volonté de frapper l’œil et l’esprit par son audace. …

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Vortrag: > Der Künstler verkauft Visionen. Sartre und Tintoretto
Dr. Heiner Wittmann
Vortrag anlässlich der Ausstellung > Tintoretto – A Star was born – 6. Okt. 2017 – 28. Jan. 2018. Gemeinsam veranstaltet mit der Fritz Thyssen Stiftung im Wallraf-Museum in Köln.
Zeit: Donnerstag, 18.01.2018, 19 Uhr
Ort: Stiftersaal im Wallraf, Köln

Mit den Porträtstudien über Schriftsteller und bildende Künstler u. a. über Gustave Flaubert oder Albert Giacometti hat Jean-Paul Sartre eine ästhetische Theorie entwickelt, mit der er die Bedeutung ihrer Werke untersucht hat. In diesem Rahmen hat er eine größere Studie über Tintoretto und seine Gemälde konzipiert. Mit seinen präzisen Analysen seiner Werke wie „Der Heilige Georg und der Drache“, z. Zt. in der Ausstellung Tintoretto in Köln, und mit dem Vergleich vieler seiner Gemälde untereinander, gelingt es Sartre, ihre gemeinsamen Merkmale und die Gründe für den immensen Erfolg des venezianischen Malers aufzudecken. Das Ergebnis: Eine Anleitung für die Betrachtung seiner Bilder.

H. Wittmann, > Sartre und die Kunst

 

Iris Radisch, Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben

Im Untertitel steht “Von Sartre bis Houellebecq”, beide Autoren werden auf der letzten Seite nochmal genannt. Ob Houellebecq das Erbe von Sartre antritt, mag dahingestellt sein. So bleibt es erst mal dabei, dass dieses Buch mit Sartre beginnt und chronologisch mit Houellebecq endet.

Allerdings ist es auch wahr, dass wenn Sie dieses Buch lesen werden – und Sie sind sicher neugierig – werden Sie danach Ihre Liste der unbedingt zu lesenden Bücher und auch ihr Regal sogleich um einige wichtige Titel erweitern. Iris Radisch macht echt Lust auf Lesen wichtiger und guter Bücher: Liste auf S. 221.

Alles beginnt  mit den Sartre-Jahren mit Simone de Beauvoir, Michel Leiris, Albert Camus, Samuel Beckett und vielen anderen, dann kommt der neue Roman von Natahalie Sarraute über Alain Robbe-Grillet bis Michel Butor und Claude Simon, alle mit ihren Eigenarten. Die Außenseiter Julien Green, Françoise Sagan, Eugène Ionesco, E.M. Cioran, Henri  Michaux, Michel Leiris und Georges Bataille kommen nicht zu kurz. Dann kommt die Explosion des Pariser Mai: Georges Perec, Daniel Cohn-Bendit, Patrick Moindiano. Die frankophonen Autoren  mit Assia Djebar, > Boualem Sansal, Kamel Daouds, Aimé Césaire und Edouard  Glissant kommen nicht zu kurz. Dann kommt eine Epoche der Aufbruchsjahre mit dem Tod von Sartre und Barthes. Jean-Marie Gustave Le Clézio und Annie Ernaux, Marguerite Duras und Pierre Michon stehen im Licht der Aufmerksamkeit. Danach kommen die Houellebecq-Jahre = Michel Thoma, Yasmina Reza Emmanuel Carrère und Mathias Énard.

Nein, Sartres Kriegstagebücher zählen heute nicht unbedingt zu seinen besten Werken (S. 11). Wie gesagt, die Auswahl ist ganz subjektiv, so natürlich auch die vorgetragenen Beurteilungen einzelner oder ganzer Werke. “Der Ekel bleibt sein bester Roman.” (S. 25) Stimmt. Man kann hier und da einzelne Urteile oder Schlussfolgerungen der Autorin in Frage stellen, so wie ihren Hinweis auf Sartres Vortrag L’existentialisme est un humanisme mit dem er einen Sturm auslöst: “Bevor Sie leben, ist das Leben nichts, es ist an Ihnen, ihm einen Sinn zu geben, und der Wert ist nichts anderes als dieser Sinn…”, das war nicht neu, das hatte der Autodidakt Roquentin in La Nausée auch schon gesagt. Dann erinnert Radisch an Sartres Kritik in Qu’est-ce que la littérature?: “Die Politik des stalinistischen Kommunismus ist mit der ehrlichen Ausübung des literarischen Handwerks unvereinbar,” (S. 35) meint aber “sein ästhetisches Programm” hätte sich nicht von den Parolen des sowjetischen Schriftstellerkongresses von 1934 unterschieden. Hier gerät doch einiges durcheinander.

1947 erscheint Camus’ Die Pest. 52000 Exemplare werden schon in den ersten Monaten verkauft. Camus selber, so  Radisch, wollte die Pest- und die Naziseuche nicht in eins gesetzt wissen. Ich weiß nicht ob, der “Männerclub der einsamen Pessimisten, die sich dem Absurden so entschlossen entgegenstemmt,” den Radisch direkt aus dem erwähnten Vortrag von Sartre kommen sieht, wichtiger als die “entlastende historische Metapher der Krankheit” ist (S. 48). > Rupert Neudeck gab das Buch seinen Mitreisenden auf der Cap Anamur als Bibel der NGO mit auf die Reise.

Das Kapitel über den Nouveau Roman ist heute wirklich schon Literaturgeschichte. Texte die in der Schule bei uns so gar nicht  gelesen werden, zu Unrecht darf man sagen, nachdem man dieses Kapitel gelesen hat. Zwischendurch eine Bemerkung über Sartre und die engagierte Literatur, nein, für Sartre war ein Schriftsteller engagiert, in dem Moment, wo er die erste Silbe schrieb, dann war er schon für das, was er schrieb, verantwortlich.

Das 3. Kapitel “Die Außenseiter” beschreibt mit Julien Green, Françoise Sagan, Eugène Ionesco und so vielen Anderen eine Übergangszeit, in der sich eine Art Wirtschaftswunder ereignet. Die Indizes zeigen nach oben, aber dann kommt der Mai 68 wie > Antoine Campagnon dies kürzlich so prägnant und einleuchtend erklärt hat.

“Die Franzosen” gibt es nicht, es gibt aber viele auch sehr gute französische Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

Das Buch ist natürlich auch für Oberstufenschüler geeignet, die hier mal nachlesen können, was für eine wunderbare Welt die französische Literatur vor allem aber ihren eigenen Sprachkenntnisse eröffnet. Die Auswahl der zitierten Werke ist ganz subjektiv, knapp und prägnant, aber literaturhistorisch sinnvoll auf einen Nenner gebracht und zwar in einer Form, die man nach dem Lesen dieses Buches durchaus im Gedächtnis behalten wird, wenn man zum Befolgen der Leseempfehlungen in den Buchladen oder in die Bibliothek schreitet. Das ist Irisch Radisch wirklich gut gelungen: Sie verknüpft einige biographische Erzählungen , ein bisschen wer mit wem, das ist immer spannend, geschickt mit Berichten über die von ihr ausgewählten Werke. Sie stellt Bezüge her, zeigt Entwicklungen auf und wenn man ihr Buch gelesen hat, und an den Französischunterricht in der Oberstufe denkt, kommt man ins Träumen. Ach, wenn meine Schüler/innen aus jedem Kapitel dieses Buches mindestens ein Buch vor dem Abitur gelesen haben müssten. Wenn sie wüssten, dass die Lektüre nach einem ersten ganzen Buch mit jedem weiteren Buch stets leichter fällt!

Iris Radisch
Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben
Von Sartre bis Houellebecq

Hamburg: Rowohlt 2017

Rezension: Jean-Noël Jeanneney, Le Moment Macron. Un président et l’Histoire

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