Rezension: René de Ceccatty, Pasolini et le Christ. Toi, scandale et passion

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| Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026 | Call for papers : L’univers sonore de Rétif de La Bretonne 11.-13. März 2027 in Toulouse |


Maria A. Macciocchi war 1964 beim Treffen mit Pasolini und Jean-Paul Sartre in Paris mit dabei und hat in L’Unità am 22.12.1964 darüber berichtet: > Ho assistito al dialogo tra Pasolini e Sartre sul Vangelo – Website von Alfred Betschart

René de Ceccatty,
Pasolini et le Christ.
Toi, scandale et passion
Arles : Portaparole 2026
ISBN : 978-2-37864-104-7

L’Évangile selon Saint Matthieu, Pasolini, 1964. VF:

Rezension: I.-M. D’Aprile u.a. (Hg.), Ressourcen der Aufklärung, 50 Probebohrungen ins 18. Jahrhundert, Göttingen: Wallstein-Verlag 2025

I.-M. D’Aprile u.a. (Hg.), Ressourcen der Aufklärung2025 haben Iwan-Michelangelo D’Aprile, Annette Meyer und Vanessa de Senarclens einen bemerkenswerten Band mit „50 Probebohrungen ins 18. Jahrhundert“ unter dem Titel > Ressourcen der Aufklärung vorgelegt. Eine Pflichtlektüre für alle Studenten, die sich in irgendeiner Art und Weise mit dem Zeitalter der Aufklärung beschäftigen. Allen 50 Autoren ist es bestens gelungen, weit mehr als nur 50 Aspekte der Aufklärung von der Literatur, über die Philosophie, die Religion, der Buchdruckkunst unter allen ihren Aspekten, Gesellschaftskritik, Kunst, Musik, Dichtung, Ökologie, Menschenrechte, Naturschutz, Geschichte, Gesundheit und Naturwissenschaften aufzudecken.

Jeder Interessent wird sicherlich die Aufsätze zu seinem Fachgebiet lesen, aber das ganze Buch verführt ständig zum Weiterlesen und allen 50 Autorinnen und Autoren ist es gemeinsam gelungen, eine Kulturgeschichte der Aufklärung zu verfassen, mit der leicht gezeigt werden kann, dass das Herausgreifen einzelner Aspekte der Epoche ihr kaum gerecht werden kann. Es ist die gemeinsame Leistung aller 50 Beiträgerinnen und Beiträger das Zeitalter der Aufklärung bis in die hintersten Ecken sorgfältig ausgeleuchtet zu haben.

Einige Beiträge sollen hier das Prinzip dieses Bandes zeigen. Die Auswahl scheint auf den ersten Blick zufällig, bei näherem Hinsehen ist die Abfolge der Beiträge sehr wohl aufeinander abgestimmt und es ergibt sich selbstverständlich eine Auffächerung der Epoche der Aufklärung, ganz so wie eine einzelne Monographie gar nicht imstande wäre sie vorzutragen. Jeder Beitrag ist zwischen 5-10 Seiten lang und jeder fordert nicht nur indirekt zum Weiterlesen auf.

Den Auftakt macht Richard Bourke mit einer Überlegung über die Antwort auf Kants Frage Was ist Aufklärung? (1784), die zu einem „Prozess de intellektuellen Befreiung“ (S. 19) führt. Sein Artikel wird durch eine Reihe genauso grundlegender Beobachtungen ergänzt, wie z. B. im Beitrag von Gideon Stiening, der „Zureichende GRÜNDE“ anhand von Gottfried Wilhelm Leibnizens „Theodizee“ untersucht, eines der „meistgelesenen Bücher(…) des 18. Jahrhunderts.“ (S. 152) Es geht dabei um „das ‚Principium rationis sufficientis‘ als Fundament der Aufklärung“, wie es im Untertitel heißt. Das Zeitalter der Aufklärung wurde auch durch die Rezensenten befördert. Alexander Košenina „Die Epoche der KRITIKER“ hat diesen Aspekt mit wertvollen Anregungen zum Weiterforschen untersucht. Der Beitrag von Achim Vesper „SELBSTDENKEN vor Kant“ gehört auch dazu.

Stephanie Stockhorst erinnert an die Wertheimer Bibel von Johann-Lorenz Schmidt (1702-1749). Daniel Fulda hat sich mit Hans Fürstenberg und seinen Buchsammlungen beschäftigt. Barbara Vinken berichtet über die Marquise de Merreuil, die zur größten Libertine des Jahrhunderts wird: Choderlos de Laclos hat ihr in den „Liaisons dangereuses“ eine unvergleichliches Denkmal gesetzt. Sylke Kaufmann weist auf die Erfolge von Johnna Dorothea Sysang und ihre „Karriere als KÜNSTLERIN“ hin.

Dazu kommt dann Bezug zur Gegenwart, so wie auch andere Aufsätze das Erbe der Aufklärung aus heutiger Perspektive evaluieren. Vanessa de Senarclens nennt ihre spannenden Parallelen zwischen der Tagebüchern von Victor Klemperer (1933-1945) und der Aufklärung „Exil im 18. Jahrhundert“. Wolfgang Schmale vergleicht das Zeitalter der Aufklärung mit dem des Digitalzeitalters, das uns neue Ketten anlegt und uns mit „Künstlicher Intelligenz“ wahre Wunderdinge vorgaukeln will, viel Hype um nichts.

Vincenzo Ferrone Hat den Titel seines Beitrags geschickt formuliert: „Das MENSCHENRECHT der Aufklärung. Viel mehr als ein bloße Bilanz, eine Verpflichtung.“ „Naturschutz anno 1761“ präsentiert uns Jana Kittelmann. „ÖKOLOGISCHE AUFKLÄRUNG“ von Corinne Pelluchon gehört auch dazu.

Manche glauben ja, man finde alles im Internet, wie der so geschickte schnelle Griff zum Handy das immer wieder belegen soll. Weit gefehlt. Christian Filips hat einen Archivbesuch bei der gesungenen Aufklärung unternommen: „Denkende NOTEN“.

Anita Hosseini zeigt uns, was uns heute das Bild von Nicolas de Largillière (zugeschrieben) mit der Ankunft der persischen Gesandten in Versailles 1715 über das neue heranbrechende Zeitalter verraten kann. Jeder Buchleser wird den Artikel von Carlos Spoerhase „Ressource DRUCKBOGEN“ mit großer Aufmerksamkeit lesen. Sein Aufsatz gehört in die Reihe derjenigen, die den Prozess der Aufklärung mittels der Medien beleuchten. Dazu zählt auch die Literaturgeschichte: Nicholas Cronk stellt die Oxforder Voltaire-Edition (1968-2022) vor. „Voltaire als GEGENGIFT“ lautet die Überschrift von Antoine Liltis Beitrag zu „Julien Bendas Vorwort zum ‚Dictionnaire philosophique‘ von 1963. Albrecht Schönes Beitrag „Unser LEHRER Lichtenberg“ ist ein gelungener Ansporn, Lichtenberg endlich wieder zu lesen. Schöne Urteilt über des Mathematikers Lichtenbergs prinzipielle Gewohnheit, Dinge anzuzweifeln: „Es geht da auch gar nicht nur um reine Mathematik in dem Sinn, dass überhaupt alles einfach Behauptete und Geglaubte, Eingefahrene und Gängige, ungeprüft Fortgesetzte und gedankenlos Weitergewurschelte ins Säurebad des Zweifels gehört. “ (S. 207)

Viele Artikel demonstrieren die Aufklärung aus einem historischen Blickwinkel: „RADIKALITÄT in Handschriften“: „Die Marchand-Manusktipte und die klandestine Aufklärung“ von Margaret C.Jabok. Oder den Austausch zwischen den Mächtigen und den Literaten… wer war wohl mächtiger? Christiane Mervaud: „Asthetische REGIERUNGSBERATUNG“ „Der Friedrich II. gewidmete Artikel „Arts, Beaux-Arts“ in der ‚Questins sur l’Encyclopédie‘ von Voltaire.

Hans-Jürgen Lüsebrink zeigt mit seinem Beitrag „ENZYKLOPÄDISMUS, Wissenskritik“ die „Transkulturalität der Aufklärungsbewegung und ihre Aktualität“. Aus Leipzig stammte Christina Marina von Ziegler. Astrid Dröse nennt den Beitrag zu ihrem Wirken. „FRAUEN in Edelmetall. Weibliche Aufklärung als publizistisches Ereignis“. Marin Mulsow erinnert an David Graeber (das Video zur Erinnerung an unser Gespräch am 8. April 2016), der mit seinen Arbeiten eine „Entkolonisierung der Aufklärung“ versuchte. Messan Tossa „Aufklärung und KOLONIALISMUSKRITIK“ vertieft dieses Thema. Meike Wagner verrät in „GESELLIGKEIT in Stiefeln“, wieso Stiefel auf der Bühne ein No-Go sind. Neue Zeiten bringen auch neue Gesundheitsapparate hervor: so das „Trémoussoir“ des Abbé de Saint-Pierre, das Helga Meise beschreibt.

Wo Dunkelheit herrscht, braucht man Licht: „Lesen im Dunkeln“, wie technischer Fortschritt und Leverhalten voneinanderabhängen zeigt Chrstine Haug.

Das Buch schafft ein neues Genre im Rahmen der wissenschaftlichen Literatur, die sich thematisch, wie auch zeitlich in multiperspektivischer Weise einer Epoche nähert: „Epochenstudien“ ? Unsere Redaktion sucht noch ein Wort, eine treffende Bezeichnung, die dem das dem Glanz des Vorhabens des hier besprochenen Buches über die Aufklärung gerecht wird, so dass man mit diesem Genrebegriff z. B. eine ganz ähnlich aufgebaute Studiensammlung z. b. über die französische Revolution vorschlagen könnte. Die hier vor Studien haben den Vorteil, so viele verschieden Aspekte der Aufklärung zu nennen und zugleich ihre Evaluation im Verhältnis zu allen anderen Themen wie auch im Zeitablauf zur Analyse vorzuschlagen.Über allen Beiträgen schwebt aber der unablässige Ansporn, sich die Epoche der Aufklärung als einen großen Aufbruch zu begreifen, der sich schon in den Anfängen selbst evaluierte, korrigierte und ergänzte. Auf diese Weise decken alle Autoren zusammen, die Antriebskräfte dieser Epoche auf, die sie alle in ihren Studien so präzise dokumentiert haben. In diesem Sinne ist diese Studiensammlung manch dicker Monographie überlegen. Vielleicht hätte unsere Redaktion die Artikel anders angeordnet, dann wäre aber der Anreiz zum Entdecken neuer Themen verlorengegangen. Also bleibt es beim uneingeschränkten Lob für alle und alles in diesem Band.

Iwan-Michelangelo D’Aprile, Annette Meyer, Vanessa de Senarclens (Hg.),
> Ressourcen der Aufklärung
50 Probebohrungen ins 18. Jahrhundert
Wallstein-Verlag: Göttingen 2025
434 S., 58 z.T. farb. Abb., geb., Schutzumschlag, 14 x 22,2 cm
ISBN 978-3-8353-5882-9

Festival Rétif de la Bretonne 2026 in Sacy: Un entretien avec Christian Pythieu et la promenade littéraire

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Rezension: Jean-Noël Jeanneney, Le Rocher de Süsten. Mémoires, t. III, 1991-2002. Marianne et Clio

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Jean-Noël Jeanneney, Le Rocher de Süsten. Mémoires, t. III

Traduction faite avec le soutien de deepl.com.

Jean-Noël Jeanneney,
Le Rocher de Süsten. Mémoires, t. III, 1991-2002. Marianne et Clio,
Paris, Ed. Seuil 2026

Nachgefragt: Vergangene Zukunft von Reinhart Koselleck wurde von Azelarabe Lahkim Bennani übersetzt

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Rezension: Susan Richter Vom Besteck des Zeitgenossen. Gegenwartsdiagnose im 18. Jahrhundert

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Susan Richter
> Vom Besteck des Zeitgenossen.
Gegenwartsdiagnose im 18. Jahrhundert
ISBN: 978-3-593-51391-1
Frankfurt/M., New York: Campus 2025

Rezension: Dieter Mersch, Kann KI Kunst? Eine ästhetische Kritik

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Dieter Mersch,
Kann KI Kunst? Eine ästhetische Kritik
Köln: Herbert von Halem Verlag, 2025
ISBN 978-3-86962-709-0

Bibliographie:

Lesebericht und Nachgefragt: Kolja Reichert, »Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst« Stuttgart: Klett-Cotta 3/2024. – Aufgezeichnet von Heiner Wittmann

Rezension: Lotte Beyer, Images des Landes de Gascogne 1932-1933

Die deutsche Studentin Lotte Beyer bereist 1931 und im Winter 1932/33 die Landes de Gascogne, um Material für ihre Doktorarbeit „Der Waldbauer in den Landes der Gascogne“ über Sprache, Lebensweise, Wirtschaft und Gesellschaft zu sammeln. Dabei nutzt sie eine Kamera und dokumentiert zahlreiche Orte zwischen Bordeaux und Hossegor sowie viele umliegende Gemeinden. Sie besucht u.a. par Saucats, Hostens, Belhade, Sabres, Labouheyre. Ihre Reise dient der umfassenden Erforschung der Region aus kultureller und sozialer Perspektive.

Jetzt hat Jean Tucoo-Chala einen neuen Fotoband > Images des Landes de Gascogne 1932-1933 vorgelegt, um ausgewählte Fotos von Lotte Lucas-Beyer hier zu zeigen. die Biographische Skizze „Lotte Beyer (1902-1944) : une ethnolinguiste allemande des Landes de Gascogne“ stammt von Corine Defrance (CNRS, Sirice, Paris) und et Ulrich Pfeil (Université de Lorraine, CEGIL, Metz). Die Fotos in diesem Band hat das Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt, Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg den Autoren dieses Buches digitalisiert zur Verfügung gestellt.

Die Ethnologie, insbesondere die deutsche, hat bereits die Rolle der Frauen untersucht, wobei Pionierinnen und diejenigen, die nach der Promotion keine akademische Karriere verfolgten, bisher weitgehend unbeachtet blieben. Lotte Beyer (1902-1944) ist heute eine dieser nahezu unbekannten Forscherinnen, da sie mit 41 Jahren starb, bevor sie ihre Karriere und Forschung weiterführen konnte.

Lotte Beyer reist zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Gascogne und wird dabei von verschiedenen Einheimischen unterstützt. Ihre Forschungen erregen jedoch Misstrauen, sodass sie sogar von der Gendarmerie verhört wird, ließ sich davon aber nicht stören. Mit aufmerksamem Blick dokumentiert sie das ländliche Leben, wobei ihre detaillierten Fotografien ihre Notizen ergänzen und das Vertrauen der Menschen widerspiegeln. Ihre Arbeiten halten zahlreiche heute verschwundene Gebäude und Traditionen fest und stellen damit wertvolle historische Zeugnisse dar.

Pierre Toulgouat (1901–1992) hörte im Juli 1941 von ihrem Aufenthalt in den Landes. Damals sagte Lotte Beyer : „Es war eine interessante und fröhliche Zeit für mich. So viel Freundlichkeit, so viel Gastfreundschaft, so viel Unterstützung für mein Studium, selbst von denen, die den Sinn meiner Arbeit nicht verstanden …“

Félix Arnaudin hatte in der Gascogne schon von 1891 bis 1921 fotografiert. Elf Jahre führte Lotte Beyer das Projekt weiter, das dann von Pierre Toulgouat für das Waldmuseum von Hossegor (1938–1946) fortgesetzt wurde.

Auf diese Weise ist eine eine beeindruckende Fotosammlung entstanden, die in diesem Buch gezeigt wird. Im Dorf Luxey befindet sich die Fassade des Hauses Bordes-Vidal mit einer lateinischen Inschrift aus dem Jahr 1772 sowie einer Holzschnitzerei mit einem Fuchs und einer Henne. Dieses Beispiel volkstümlicher Kunst inspirierte später das Emblem des Naturparks der Landes de Gascogne, wobei Lotte Beyer die Besonderheit der Fassade bereits durch ihre Fotografie hervorhob. Auch die Fotos aus dem Inneren der Häuser haben einen ganz besonderen Wert und geben einen interessanten Einblick in das Leben der Einwohner dieser Dörfer. Oft sind auch die Einwohner auf den Fotos der Innenräume zu sehen und man kann auch erkennen, wie eine einfache Trennwand den Stall vom Hauptraum des Hauses abgrenzt. Und man lernt das Wort „Promène“, eine Art „Lauflerngehege“. Das Kleinkind, das steht und zu laufen beginnt, hat den Brustkorb von einem Holzstück umschlossen, kann von Balken beschützt hin- und herlaufen. (S. 33)

Lotte Beyer hat mit Ihren Fotos auch Sozialgeschichte geschrieben: In Im Ortsteil Bernède von Arue war sie die Erste, die einen halbkreisförmigen Schafstalls fotografierte, der über einen von zwei Steinmauern umschlossenen Hof verfügt. Der Boden dieses Hofes ist bedeckt mit Pflanzen, die in der Heide oder im Unterholz (Heidekraut…) geschnitten wurden und sich durch den Dung der Herde anreichern. Diese Mischung, das „Soutrage“, dient als Dünger für die Felder, so lautet die Erklärung zu diesem Foto (S. 44).
Ihre Fotos zeigen die Häuser und die Gewohnheiten, die die Arbeit prägen. Zwar ist überwiegen Wald in der Gascogne vorhanden, aber die Weidewirtschaft hat auch eine große Bedeutung. S. 52f: Vor einer mit Seekiefern bepflanzten Parzelle steht eine Schafherde mit einem Schäfer auf Stelzen. Er spinnt die Wolle seiner Tiere mit Hilfe eines Spinnrades und macht eine kleine Pause, während er sich auf seinen Stock stützt. Hier der Kommentar von Lotte Beyer: „Die Stelzen waren früher das Erkennungszeichen des Schäfers … heute (Winter 32/33) sind sie vom Aussterben bedroht … Ich habe nur einen einzigen Schäfer in Belhade gefunden, der auf Stelzen ging, aber sie waren nicht sehr hoch (85 cm) …“ Viele andere Beispiele zeigen die Bauern bei ihrer Arbeit. So auch die Schlachtung eines Schweins. Bevor die Därme gewaschen, die Blutwürste gekocht und die Soße zubereitet werden , hält die ganze Familie inne vor diesem schönen Vorrat an Fleisch, der den Haushalt das ganze Jahr über ernähren soll: S. 66 f.

In Pissos beschreibt sie die Herstellung von Teer und Holzkohle in einem speziellen Ofen: „… ein Bauwerk aus Stein und flachen, rechteckigen Ziegeln, das an der Unterseite der beiden schmalen Seiten mit einer halbkreisförmigen Öffnung für den Feuerraum und auf dem mit feinem Sand bedeckten Flachdach mit zwei großen runden Öffnungen zur Belüftung versehen ist…

Mit dieser Fotodokumentation beweist Lotte Beyer ihre Sensibilität für die sozialen Gegebenheiten, zeigt die Bauern und Handwerker bei ihren Beschäftigungen, in ihren Häusern und Werkstätten. Es sind keine Gelegenheitsaufnahmen, sondern man kann an ihrer Qualität sehr wohl erahnen, wie die Fotografin mit diesen Menschen wohl offenkundig kommuniziert hat, damit sie nicht einfach eben mal abgelichtet fühlen sondern in der Art und Weise, wie sie sich der Fotografin darstellen, auch zu erkennen geben, dass sie bereit sind, ja sogar ein ein bisschen stolz, ihr Handwerk zu demonstrieren.

Ein Nachwort mit der Lebensgeschichte von Lotte Beyer, Quellenverzeichnis und eine Bibliographie der Werk von Lotte Beyer ergänzen diesen Band.

> Images des Landes de Gascogne 1932-1933
Photographies : Lotte Lucas-Beyer
Présentation : Jean Tucoo-Chala
Dax, Éditions Passiflore, 2025
ISBN : 978-2-37946-128-6

Rezension: Johannes Regenbrecht, „Haymatloz? – Nein!“: Erich Auerbach (1892-1957) als „passloser Deutscher“ im Istanbuler Exil

Dieser Beitrag von Johannes Regenbrecht, der am 19.3.2026auf der im L.I.S.A. Wissenschaftsportal der Gerda Heinkel Stiftung veröffentlicht wurde, ist auch eine Erinnerung, an das Hauptseminar über Erich Auerbach geleitet von > Prof. Dr. Dirk Hoeges (1943-2020), das Johannes Regenbrecht und ich einst im Romanischen Seminar der Universität Bonn belegt haben.

Johannes Regenbrecht, „Haymatloz? – Nein!“: Erich Auerbach (1892-1957) als „passloser Deutscher“ im Istanbuler Exil – L.I.S.A. Wissenschaftsportal der Gerda Heinkel Stiftung

Der deutsch-jüdische Romanist Erich Auerbach (1892-1957) wurde von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben und ging 1936 ins Exil in die Türkei, wo er an der neu gegründeten Istanbul-Universität lehrte. Dort spielte er eine zentrale Rolle im Modernisierungsprojekt unter Mustafa Kemal Atatürk und baute die Romanistik in der Türkei maßgeblich auf. Während seiner Zeit in Istanbul verfasste er sein Hauptwerk Mimesis (Dieses Buch war das Thema im Seminar von Prof. Hoeges), das bis heute als Klassiker der Literaturwissenschaft gilt. 1947 emigrierte er in die USA und wurde später Professor an der Yale University, wo er bis zu seinem Tod 1957 lehrte. Trotz seines Weggangs blieb er eng mit seinen türkischen Schülern verbunden und hinterließ nachhaltige Spuren im intellektuellen Leben der Türkei.

Nach seiner Emigration in die USA 1947 lehrte Erich Auerbach zunächst am Pennsylvania State College und in Princeton, bevor er 1949 an die Yale University berufen wurde, wo er bis zu seinem Tod 1957 tätig war. Trotz der räumlichen Distanz hielt er engen Kontakt zu seinem türkischen Schülerkreis und besuchte ihn im April 1957 ein letztes Mal in Istanbul. Das Treffen bei seiner Schülerin Ayşe Süheilâ Bayrav belegt, wie stark seine Verbindung zur türkischen Intellektuellenszene blieb und welchen nachhaltigen Einfluss er dort ausgeübt hatte.

Der deutsch-jüdische Literaturwissenschaftler Erich Auerbach lebte im Exil in Istanbul als staatenloser „Haymatloz“ und teilte das Schicksal vieler vertriebener Gelehrter, die entscheidend zur Modernisierung des türkischen Bildungswesens beitrugen.Als „passloser Deutscher“ bewegte er sich zwischen den Fronten.

Regenbrecht hat auch die finanziellen Verluste untersucht, die Auerbach und seine Frau erlitten haben. “ Diese klagte Auerbach nach dem Krieg in einem Wiedergutmachungsverfahren ein, das sich über Jahre hinzog und im bürokratischen Nirvana versandete. Der Antrag der Witwe Marie Auerbach auf Zahlung einer Kapitalentschädigung wurde schließlich am 8. September 1966 vom Hessischen Kultusminister negativ beschieden.“

Regenbrechts Darstellung ist auch deshalb so bemerkenswert, weil er u.a. einen unbekannten Brief Auerbachs an an den Außenminister der tschechoslowakischen Exilregierung in London vom 9. Dezemebr 1944 gefunden hat, in dem dieser seine Passprobleme schilderte. Schon die Adressierung des Briefes zeigt, wie kompliziert Auerbachs Lage zu dem Zeitpunkt gewesen ist. Erich Auerbach um die Verlängerung seines abgelaufenen Passes, der ihm während des Krieges zur Absicherung ausgestellt worden war, jedoch abgelehnt wurde. Er begründete sein Anliegen damit, dass er und sein Sohn für ihre geplante Ausreise in die USA auf den Pass angewiesen seien, da sie sich gegenüber Behörden bereits als dessen Inhaber ausgegeben hatten. Der Pass wurde aber nur um ein Jahr verlängert. Danach war er wieder ohne Pass.

Das NS-Regime traf auch das Umfeld von Erich Auerbach äußerst rt: Sein Schüler Werner Krauss wurde wegen Widerstands zum Tode verurteilt und später begnadigt, und auch Familienangehörige wie Adele Blakmar waren von Verfolgung bedroht. Zugleich reichte der politische Druck bis in die Türkei, wo nationalsozialistische Einflussversuche selbst Auerbachs akademisches Umfeld an der Istanbul-Universität erreichten. Vor diesem Hintergrund war der tschechoslowakische Pass für Auerbach überlebenswichtig, da er ihn vor Abschiebung schützte und ihm schließlich die Emigration in die USA ermöglichte.

Das Schicksal von Erich Auerbach und seiner Frau im Exil hatten wir damals im Seminar auch nicht ansatzweise gestreift. Dank dieses Artikels von Johannes Regenbrecht können wir jetzt die Umstände, unter dem „Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur“ viel besser verstehen und würdigen.

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