Der Einfluss der digitalen Welt auf unsere Gesellschaften

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Die digitale Welt – Gibt es bald keine Bücher mehr?

François Bon
après le livre
Paris: Seuil, 2011.
275 S.
ISBN 978.2.02.105534.4

Ein spannendes Buch. François Bon beschreibt den Übergang zum digitalen Buch oder Informationsträger. Man kann sich seiner Passion kaum entziehen. Sein letzte Satz “Nous sommes déjà après le livre,” duldet keinen Widerspruch, nachdem er im vorhergehenden Paragraphen erklärt hat, dass es wichtig sei, zu verstehen, dass der Beginn dieser Entwicklung, die noch im Anfangsstadium steckt genauso irreversibel und total wie ähnliche Entwicklung durch alle früheren Veränderungen des Schreibens und aller Formen des Lesens eingeleitet worden seien. (vgl. S. 270) Und auf der vorhergenenden Seite stellt Bon fest: “Nous venons d’être projetés dans un monde mouvant. Il s’ouvre tout juste.” Er ist seiner Zeit wirklich voraus. Wenn Studenten heute ihre Seminararbeiten oder ihre Abschlussarbeiten ohen ein Buch schreiben könnten, müsste man Bons apodiktischen Behauptungen noch mehr oder überhaupt Glauben schenken. Solange aber das Internet z.B. bei literaturwissenschaftlichen Arbeiten überhaupt nicht hilft, sondern allenfalls die Ergänzung eine Bibliographie beschleunigt, ohne trotz der Vielfalt im Netz wirklich zu ihrer Vollständigkeit beitragen zu können, möchte man Bons Begeisterung noch nicht so recht teilen.

Lässt man sich aber auf Bons Argumente ein, ergibt sich ein anderes interessantes Bild, und es loht sich, seine Anmerkungen genauer zu lesen. Um es gleich zu sagen, die etwa 40 Abschnitte seines Buches sind möglicherwiese als kürzere oder längere Blogbeiträge entstanden. Ein Buch mit einer traditionellen Kapiteleinteilung könnnte sein Anliegen noch mehr verdeutlichen. So geht sein so interessanter literatur- und Buch – oder editionshistorische Ansatz zwischen einer gewissen Unordung zwar nicht verloren, aber er wird leider etwas unscharf.

Die Veränderung, die wir erleben, ist für ihn unwiderruflich und hat längst begonnen. Es geht um das Schreiben: “Accorder son traitement de texte,” rät er seinem Leser und gibt zu erkennen, wie jeder Schreibprozess mit all seinen Erscheinungsformen und Formatierungen das Lesen beeinflusst. Lesen und das Schreiben gehört zu seinen Themen. Sein Anfang ist geschickt gewählt. Folglich ist auch das Lesen am Bildschirm etwas anderes als das Lesen einer Buchseite. Und er weiß auch, dass eine Liseuse auch mit einem dicken Buch ausgerüstet keinen dicken Buchrücken hat. Und das stört uns. (S. 25) Selbst das digitale Buch ist für Bon nur ein Übergang. IPad und PC, das Schreiben ändert sich, aber er bleibt dabei: “le corps écrit.”

Und dann erwähnt er die Menge der Websites, die Domainenamen, die er mehr oder weniger besitzt, und was er in den letzten 15 Jahren dort erlebt hat. Die Vielfalt erklärt er mit den Fleurs du Mal, dem Gedichtband Baudelaires, von dessen Editionen er eine ganze Bibliothek besitzt: Für Bon war das immer nur ein Buch. Nebenbei berichtet Bon über seine Erfahrungen im Web. “Nouvel axiome Web:” Je mehr Türen (Links) sich nach außen öffnen, um so häufiger kommen die Besucher wieder. Und er lässt erkennen, dass man das Internet nur verstehen kann, wenn man am besten alles ausprobiert. Kaum ein Produkt ist in technischer Hinsicht so sophistiqué wie das moderne Buch. Vergleicht man damit das eigene Schreiben und das interne Chaos auf der häuslichen Festplatte, kann man gar nicht glauben, dass Bon, glaubt, wir hätten das Buch bald überwunden.

Bons literaturgeschichtlicher Exkurs z. B. über Balzacs Editionsarbeit ziegt, dass es schon zu Zeiten des Autors der Comédie humaine tiefgreifende Veränderungen des Schreibprozesses und folglich auch der Vermarktung von Literatur gegeben hat. Und mit seiner Druckerei ist > Balzac gescheitert, aber mit seiner Vermarktung in Richtung von Abonnements war er wegweisend. (S. 119). Bon weiß, dass die Lektürgewohnheiten das Schrieben beeinflussen und sich besonders zugunsten der kurzen Form auswirken. (Das sieht man an seinem Inhaltsverzeichnis.).

Zugegeben, auch bei langen Zeitungsaufsätzen, teilen wir uns mit einem Blick den Lesestoff ein. (S. 132) Heute: “La lecture aujourd’hui pass par un cadre et non plus un volume,” (S. 146) schreibt Bon und meint damit alle Anfeindungen, die die Lektüre am Bildschirm stören. Au revoir, la concentration. Kann da noch der kleine Rahmen der persönlichen Bibliothek reichen, wenn der weltweite Internet-Rahmen so groß ist? Und wer kann sich dem meschlichen Abenteuer Wikipedia noch entziehen? (S. 147) – Nun, die schiere Masse ist eine Perspektive aber noch keine Lösung für literaturwissenschaftliche Hausarbeiten. Was für Bon folgt, ist eine andere Art des Denkens, eine andere Art des Gehens. Immerhin. Er empfiehlt, die eigenen Gewohnheiten zu überprüfen und auf die Konzentration zu achten. Wie viel unnütze Zeit vertut ein Student beim Surfen in der Hoffnung, etwas für seine Seminararbeit zu finden. Bons Erklärungen, wie in der Entwicklung zum Buch die Seite entstand, wie der Titel, die Kapiteleinteilung und schließlich der Begriff des Autors im XVII. Jh. entstand (S. 183), sind richtig spannend und lehrreich. Mit Rabelais kennt sich Bon so gut aus! Das verführt zum Lesen von Rabelais. Eine andere Kapiteleinteilung hätte der Lektor Bon doch empfehlen müssen! Bei der Daumenprobe in der Buchhandlung verrät das Inhaltsverzeichnis eher wenig über den “Plan” seines Buches. Und dann gibt es all diejenigen, die beim Thema Web immer sagen: “Dazu habe ich keine Zeit,” – “mettre les mains dans le cambouis pour se faire un site,” antwortet Bon ihnen und erklärt ihnen was das Teilen im Netz bedeutet. Bons Abneigung gegen das Telefonieren ist seine persönliche Marrotte. Soit. – “… le Web est notre livre – une construction,” (S. 201) das wäre ein Leben im Web, in der Hoffnung, dort das ganze soziale Leben wiederzufinden. Man kann da ganz schöne alleine sein, wenn nicht das macht, was die anderen auch alle machen. Manche gehen in die Bibliothek um dort zu lesen, zu arbeiten, orditer. Mit dem PC ist man immer weniger allein, meint Bon und vergleicht das PC-und Internetarbeiten mit dem Leben in einer Stadt. Bibliotheken sind nicht her nur Orte, wo Inhalte gehütet werden, sondern sie sind zu Orten geworden, wo diese Inhalte intelligent verteilt werden. Das ist ein interessanter Gedanke, den man weiterverfolgen sollte. Wie gestaltet sich das Verhältnis von Bibliothek und Internet? Eine Wechselwirkung?
> Vergrößert sich dafür in der Bibliothek die Distanz zu den Büchern?

Die neue Stadtbibliothek in Stuttgart

Den Tontafeln und das Lesetablett ist ein langes Kapitel gewidmet. Und ein letztes Kapitel gilt den Spuren, die der Autor bei der Erarbeitung seines Textes hinterlässt. Gibt es noch Brouillons? Oder nur noch das Online-Schreiben? Das digitale Werk zerstört die Grenze zwischen dem Objekt Buch und dem Lesevorgang, jedes brouillon ist ein Appell an den Leser.

Facebook, Website, Twitter und das Blog, Timeline, jeder schreibt “sans constitution symbolique de l’écrivain” (S. 261) Gar nicht sicher, dass die Schriftsteller dabei viel verlieren werden. Die digitale Welt verändert die Art und Weise, wie wir die Welt perzipieren. Ob sie sich dadurch wirklich auch verändert, darf man sich auch weiterhin fragen.

Stimmt das alles? Es ist zumindest etwas dran. Seine riesige Bibliothek, die Bon in allen Einzelheiten beschreibt, wie Un Voyage autour de ma chambre zugleich mit seiner Vorliebe, auf Lesetabletts aller Art zu lesen, zeigt, wie er sich trotz seiner enormen Bücherstapel zu Hause von der digitalen Welt beeindrucken lässt. Und der Literaturstudent von heute? Was hat er vom Internet zugunsten seiner Seminararbeit? Zeitgewinn oder eher mehr Zeitverlust?

Heiner Wittmann

 

Bibliotheken und Datenbanken im Internet

www.romanistik/suchmaschinen.html

> Fachinformationsdienst Romanistik ***


Bibliotheken online – Bibliothéques numériques
Les bibliothèques numériques – La Documentation française

Gallica – Bibliothèque numérique de la Bibliothèque nationale de France
Chercher & trouver Les mémos de la BnF

Treasurs in Full – British Library
National Library, Helsinki
Save a Book!
TEL – The European Library
Michael Gorman – American Library Association
Bibliothèques virtuelles Généralistes

Bücher und Projekte online

ABU : la Bibliothèque Universelle
La bibliothèque électronique de Lisieux
Ménestrel médiévistes sur l’internet – sources travaux références en ligne
The Million Book Project
Gutenberg Projekt
Littérature de langue française en ligne ***
Le répertoire de liens – weblettres.net ***

Zeitschriften

JSTOR – The Scholarly Journal Archive – 200 revues anglophones
CAIRN
“En septembre 2005, le site www.cairn.info s’ouvre au public: soixante revues
de sciences humaines et sociales de langue française en texte intégral.”

Datenbanken

JOCONDE. Catalogue des collections des musées de France
Archéologie, beaux-arts
RLG Cultural Materials – La Research Library Group
E-LIS. E-prints in Library and Information Science
MathDoc – Université de Grenoble
Légifrance

Amerikanische Initiativen

Global Gateway – World Culture and Ressources
American Memory – Library of Congres
Gutenberg Projekt
SETI
SETI@home est une expérience scientifique en radio-astronomie exploitant la puissance inutilisée
de millions d’ordinateurs connectés via Internet dans un projet de Recherche d’une Intelligence
Extra-Terrestre (Search for Extra-Terrestrial Intelligence, alias SETI). Cf. J.-N. eanneney, S. 73 f.

Diverse Institutionen und Initativen

Wikipedia
www.archivescanadafrance.org/ – Les Archives de France et les Archives du Canada
Pour une chaîne d’information internationale – Cf. J.-N. Jeanneney, S. 76 f.

Google Books

Google Print und die Französische Revolution – Ein Beispiel.

“Plaidoyer pour un sursaut” lautet der Untertitel des Buches “Quand Google défie l’Europe”, mit dem der Direktor der Bibliothèque Nationale, Jean-Noël Jeanneney, in Paris vor den Folgen von Google Print für die europäische Kultur warnt. Rezension auf www.romanistik.info
Am 14. Dezember 2004 wurde bekannt, daß Google Auszüge aus mehreren amerikanischen Bibliotheken rund 15 Millionen Bücher zum Durchsuchen online zur Verfügung stellen will.
print.google.com/
“What is Google Print?- Google’s mission is to organize the world’s information, but much of that information isn’t yet online. Google Print aims to get it there by putting book content where you can find it most easily – right in your Google search results….”
What ist Google Print?
Search Engine Users: Internet searchers are confident, satisfied and trusting – but they are also
unaware and naïve
Quand Google défie l’Europe, in: LE MONDE, 23 Janvier 2005 – kostenpflichtig
Jean-Noël Jeanneney
Quand Google défie l’Europe. Plaidoyer pour un sursaut, Editions Mille et une nuit, Paris 2005.
Rezension Le débat autour des projets de numérisation: revue de presse
Website der Nationalbibliothek, Paris
La bibliothèque virtuelle et gratuite de Google
von Claudine Mulard, LE MONDE, 5.3.2005 – nicht mehr online
Cf. J.-N. Jeanneny, S. 79 Quand Jeanneney défie Google

Werbung mit Google: http://www.google.de/ads/ Weitere Quellen / Hinweise

Visite de la Secrétaire d’Etat Condoleezza Rice à Paris: 8-9 février 2005.
La main tendue de Condoleezza Rice par Michèle Gayral – Article publié le 09/02/2005
“La secrétaire d’État américaine a choisi Paris pour prononcer un discours stratégique sur le
partenariat entre les Etats-Unis et l’Europe. Discours conciliant sur la forme, mais pas
nécessairement sur le fond.” Cf. Jeanneney, S. 54 ff.
Radio France Internationale

Wir sollen die Herrschaft über die Computer zurückgewinnen.

Frank Schirrmacher,
Payback .Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen
Blessing, München 2009.
240 Seiten. ISBN: 978-3-89667-336-7

Zwei Teile hat das Buch. Zuerst erklärt Frank Schirrmacher, warum wir hinsichtlich unserer digitalen Welt tun, was wir nicht tun wollen, und im zweiten Teil stellt er Überlegungen an, dass wir und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen müssen. Damit sind auch die Hauptthesen dieses Buches knapp und präzise umschrieben. Die Computerwelt hat uns zu Verhaltensweisen verleitet, die wir eigentlich gar nicht mögen, schon gar nicht wahrhaben wollen. Und so lautet die Botschaft des Autors, es ist für eine Rückbesinnung noch nicht zu spät, allerdings muß die Neujustierung der digitalen Welt, womit er aber im wesentlichen unseren Umgang mit ihr meint, unbedingt bald und ohne Zögern erfolgen. Der Befund ist eindeutig und nach der Lektüre sind die Urteile im ersten Teil des Buches (über 160 Seiten) zwar nicht überall wirklich überzeugend, aber der Autor hat sein Anliegen verständlich formuliert. Leider ist der zweite Teil nur knapp halb so lang und bietet folglich auch nur einige Einsichten und Handlungsanweisungen.

Ohne Zweifel kennt sich der Autor in soziologischen Fragen rund um das Internet vorzüglich aus, wie die zahlreichen Belege dies ausführlich dokumentieren. Seine Berufung auf wissenschaftliche Untersuchungen an vielen Universitäten und die Hinweise auf renommierte Experten bergen aber auch Gefahren der Einseitigkeit, weil eine andere Auswahl möglicherweise andere Ergebnisse stützen könnte. Zum Beispiel warnt er in dem Kapitel „Warum Menschen nicht denken“ vor der Verschiebung der Aufmerksamkeit in „Skripte“ (S. 118 f.), eine Art Drehbücher, die unseren Umgang mit digitalen Informationen bestimmen und die es uns erschweren, zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen zu unterscheiden. Schauen wir uns die Argumentation auf diesen beiden Seiten genauer an: Schirrmacher fragt, was geschehe, wenn unsere Aufmerksamkeit aufgefressen werde, und warum es geschehe? Dann folgt eine rhetorische Frage mit einer eindeutigen Antwort: „Ist es dieser Zustand, den der Computer nutzt und verstärkt, ohne dass wir es merken? Kurz gesagt: Ja, er ist es.“ Das ist aber keineswegs so sicher, klingt aber hier nur so. Dann kommt noch eine kurze Erklärung dieser Bestätigung, bevor der Autor den „britische(n) Mathematiker – und einer der Väter der Informatik – Alfred North Whitehead“ als Illustrierung dieses Gedankens zu Wort kommen lässt, der „die dazugehörige Ideologie stellvertretend für viele formuliert: „,Zivilisation entwickelt sich in dem Ausmaß, in dem wir die Anzahl der Operationen ausdehnen können, die wir ausüben, ohne über sie nachzudenken…‘.“ Man könnte diese Passage auch als eine Art Skript oder Modell für das ganze Buch bezeichnen, weil immer wieder Hinweise auf wissenschaftliche Studien oder Aussagen renommierter Wissenschaftler als Belege von Gedankengängen des Autors erscheinen. Dadurch wird aus dem ersten Teil dieses Buches viel mehr eine Art Wissenschaftgeschichte als eine fundierte Kritik an der Art und Weise, wie wir die digitale Welt nutzen oder diese uns benutzt. Dabei gibt es eine Reihe von Überlegungen oder Analysen, die auch ohne wissenschaftliche Untersuchungen, die im übrigen meistens nur bedingt zu den Thesen oder dem Anliegen Schirrmachers passen, unseren Umgang mit der digitalen Welt und die Missstände und die Gefahren, die daraus erwachsen, viel besser illustrieren könnten.

Schirrmachers Anmerkungen zu den Suchergebnissen von Google sind unvollständig. Es sind nicht alleine die Links, die auf eine Website zeigen, die über deren Platzierung im Suchergebnis entscheiden. Wenigsten 8-10 weitere Kriterien von über 100 wären auch zu nennen. Aber das völlige Ungenügen des Google-Algorithmus, die Websites auf der eigenen Ergebnisseite in eine wie auch immer geartetete sinnvollere Reihenfolge zu bringen, die der Bedeutung der Websites auch nur annähernd gerecht werden könnte, fehlt in den Überlegungen des Autors. Dieses elementare Defizit wird Google kaum je in den Griff bekommen. Schirrmacher benennt ganz richtig – aber aufgrund eines anderen Zusammenhangs – den „Kontrollverlust über Informationen“ (S. 58). Die willkürliche Anordnung von Suchergebnissen hat für Studenten und Schüler fatale Folgen. Sie vertrauen nur allzu gerne aus Bequemlichkeit den oberen Suchergebnissen, nutzen vielleicht auch nicht so häufig die vielen Funktionen, mit denen die Suchabfrage präzisiert werden kann. Die vielen Meinungen über Informationsgewinn aus dem Netz, die Schirrmacher zitiert, verstellen den Blick auf das Wesentliche. Welche Gefahren treten bei der Nutzung von Google auf? Welche Websites werden von Google wohl nicht angezeigt werden, welche alternativen Suchformen gibt es? Hätte der Autor diese Fragen wenigstens gestreift, dann würde man seine Feststellung, sein Buch wäre ohne Google nicht geschrieben worden, die richtige Einschätzung verleihen können. Hat er Google in Kenntnis seiner Defizite benutzt oder so wie alle Google nutzen?

Das Wort Wikipedia kommt nur zwei oder dreimal in seinem Buch vor. Leider fehlt im vorliegenden Band eine eingehende Analyse dieses Mitmachlexikons, mit deren Ergebnis er seine These „Mein Kopf kommt nicht mehr mit“ bestens hätte belegen können. Früher gab es in Enzyklopädien präzise Darstellungen eines Sachverhaltes vielleicht mit einigen gezielten Querverweisen. Heute sind manche Einträge in Wikipedia Pro- oder Hauptseminarbeiten geworden, die bisweilen von seitenlangen Diskussionsseiten ergänzt werden, zu denen bei vielen Beiträgee ein nutzloses Versionsgerangel hinzukommt, die die Thesen und die Klagen Schirrmachers wunderbar illustrieren und seiner Untersuchung eine weitere und besondere Schärfe hätten verleihen können, so dass sie manchen der zitierten Untersuchungen wirklich überlegen gewesen wäre.

Die wenigen Bemerkungen über soziale Netzwerke zeugen nicht von einer profunden Kenntnis von deren Konzeption, Möglichkeiten und Gefahren. (Cf. H. Wittmann, Web 2.0 und soziale Netzwerke,- hier:  www.stuttgart-fotos.de/web-2-0-und-soziale-netzwerke – Eine Analyse des ungebremsten Drangs so vieler, in diesen Netzwerken vertreten sein zu wollen, verlangt eine eingehendere Untersuchung. Überhaupt fehlen in diesem Buch Anmerkungen zu Web 2.0, dem Mitmachnetz, um die Frage zu analysieren, ob das mit vielen Web 2.0-Seiten einhergehendes oder vorgegaukelte Mehr an Demokratisierung stimmt, und ob der Begriff der Demokratie sich überhaupt eignet, um die Qualität der Partizipationsangebote zu testen oder zu belegen. Mitmachen und Partizipation, Beeinflussung und Manipulation, die Grenzen sind eben nicht mehr eindeutig zu bestimmen. In diesem Zusammenhang müssten Beispiele und Geschäftsmodelle analysiert und diskutiert werden, um den Partizipationsgedanken von allzu platter Werbung trennen zu können.

Der Autor übernimmt aber lieber Ergebnisse von Studien, so wie das 2007 in den USA durchgeührte „National Enowment of Arts“, mit der das Lesen untersucht wurde. (S. 35) Ihr Ergebnis war die Einsicht, das der Verlust von Lesekonzentration Folgen für den sozialen Aufstieg hat und immer mehr Kinder und Erwachsene nicht mehr systematisch lesen können. Schirrmacher schreibt „Die Studie erbrachte den Beweis für die Veränderung aller Gehirne. Und für die bemerkenswerte Geschwindigkeit, in der die digital entwickelste Gesellschaft der Welt verlernt, komplexe Texte zu erfassen.“ Diese Interpretation der Untersuchungsergebnisse mag zutreffend sein, es stört hier nur, wie diese Studie hier genutzt wird, um in den folgenden Absätzen zu der Einsicht zu kommen: „Unser gesamtes Bildungswesen ist instabil geworden“ (S. 36). Nebenbei bemerkt, der Kritik an den „Zertifizierungen“ „Normen“, mit denen man diesen Missständen abhelfen will, ist voll und ganz zu teilen. Statt sich immer wieder auf Wissenschaftler zu berufen, und die eigene Argumentation an deren Ergebnissen entlangzustricken, gäbe es Beobachtungen in Hülle und Fülle, mit denen die Vermutung „Unser Denkapparat wandelt sich“ vom Autor genausogut hätte belegt werden können. Seminararbeiten, Examensarbeiten und Doktorarbeiten werden durch die Computertechnik immer länger und unlesbarer. Kaum ein Student käme heute noch auf die Idee, seine Arbeit mit Füller auf weißes Papier zu schreiben, wobei er selbst eine wunderbare Entdeckung machen könnte, nämlich die seiner zusammenhängenden Gedanken, die vom Korrekturfunktion der Schreibprogramme ausgelöscht wurden. Der unreflektierte Umgang mit der PC-Technik spiegelt sich auch im oben genannten Informationschaos in Wikipedia wider. Man benötigt keine Studien, in der Art wie Schirrmacher sie immer wieder zitiert, um das Unvermögen vieler mit Schreibprogrammen umgehen zu können, zu analysieren. Ein kürzlich erschienener Band zum
E-Learning 2009 zeigt welche Hoffnungen Pädagogen und Medienwissenschaftler in die PC-Technik setzen. Die Berücksichtigung dieser und ähnlicher Stellungnahmen hätte für Schirrmachers Untersuchung sicherlich weitere interessante Aspekte geliefert.

Die Einsicht Schirrmachers, er hätte sein Buch ohne Google nicht schreiben können, deutet möglicherweise auch auf eine unzureichende Beobachtung und Auswertung unserer Gewohnheiten im Umgang mit der digitalen Welt hin. Ich kenne Studenten, die ganz enttäuscht waren, weil sie keine Sekundärliteratur zu ihrem Thema fanden. Das Werk, das ihnen als Lektüre des Seminars bekannt war, hatten sie noch nicht gelesen und das Googeln hatte Ihnen auch keine Ergebnisse gebracht. Seitdem habe ich Bedenken, wenn Studenten oder auch Autoren sich bei der Informationsbeschaffung auf Google beschränken und ihren Text um die Suchergebnisse herum verfassen.

Aufmerksamkeitsdefizit, Chaos im Kurzzeitgedächtnis, die Vermutung oder Einsicht, „dass die Maschinen uns bereits überwältigt haben“, die Veränderung des Denkens, die Kritik am „Mulitasking“, der Möglichkeit, die zum Zwang mutiert, mehrere Tätigkeiten gleichzeitig auszuführen haben, so der Autor, gravierende Folgen: „Menschen verlieren buchstäblich all das, was sie von Computern unterscheidet – Kreativität, Flexibilität und Spontaneität…“ (S. 69 f.). Ist das wirklich so? Wie immer, da ist ein bisschen was dran und auch wieder nicht. Genauso könnte man mit der Digitaltechnik ein Plus für die Kreativität konstruieren – wie der Autor dies auch im zweiten Teil seines Buches macht.

„In unserer Gesellschaft überlebt nicht mehr, wie es – früher ebenso falsch – hieß, der ‚Tüchtigste‘; sondern der Bestinformierte.“ (S. 121) Mit einem solchen Satz muss man nicht unbedingt einverstanden sein und dies erst recht dann nicht, wenn er am Anfang eines Kapitels steht, also die folgende Argumentation auf dieser Aussage aufbauen. Der Bestinformierte? Gemeint sind wohl diejenigen, die mit den Informationen richtig umgehen können? Auch in diesem Kapitel „Der digitale Darwinismus“ (S. 121-142) zitiert der Autor viele Aussagen von Wissenschaftlern und illustriert damit seine Argumentation. Wenn Studenten die Hnweise auf die Sekundärliteratur n die Fußnoten verbannen und in ihrem Text ihre Argumentation vortragen, können ihre Arbeiten richtig gut werden. Die Arbeitsergebnisse des Soziologen Robert Merton, des Psychologen Geoge Miller, des Philosophen Daniel Dennett, der Informatiker und Kognitionspsychologen Peter Pirolli und Steve Card verleihen der Argumentation Schirrmachers durchaus interessante Aspekte, aber sie machen aus seinem Buch und besonders aus seinem ersten Teil ein Referat über deren Forschungsergebnisse und lenken den Autor und damit auch den Leser vom eigentlichen Thema, wie wir unsere werden Informationen nutzen ab. Das Ergebnis sind dann solche Sätze wie: „Die Auswertung und Analyse unserer Assoziationen, die unsere Aufmerksamkeit im Netz und in allen anderen Informationssystemen lenken und erleichtern soll, halte ich für einen der gravierendsten Vorgänge der aktuellen Entwicklung.“ (S. 142) Man spürt was der Autor hier meint, es geht um die Art und Weise, wie Informationen aufgenommen und von uns, den Nutzern des Internets – und nicht nur durch Hyperlinks – mit anderen Informationen verknüpft wird.

Der Autor betont ausdrücklich, dass sein Buch kein Pamphlet gegen Computer sein soll. (S. 157). Sein erstes Kapitel „Mein Kopf kommt nicht mehr mit“ (S. 13-21) klingt aber ganz anders, bis auf den letzten Absatz, dessen erster Satz „Aber im Internet und den digitalen Technologien steckt auch ein gewaltige Chance…“ den Ton des zweiten Teil seines Buches angibt. Wiederum nennt Schirrmacher viele andere Wissenschaftler und ihre Arbeiten. Aber er kommt auch zu wesentlichen Einsichten, die „Konsequenzen der Informationsrevolution“ in den Schulen und Hochschulen fordern. Recht hat er. Und in diesem Zusammenhang nennt er auch den „Zertifizierungswahn“ und die „groteske Verschulung heutiger Hochschulausbildung“. Und jetzt folgen entscheidende Sätze: „Die Informationsgesellschaften sind gezwungen, ein neues Verhältnis zwischen Wissensgedächtnis und Denken zu etablieren. Tun Sie es nicht, sprengen sie buchstäblich das geistige Auffassungsvermögen ihrer Bewohner.“ Schirrmacher meint wohl, dass die digitale Technik Möglichkeiten bietet, die die Hochschulen bisher nicht wahrgenommen haben. Nebenbei bemerkt, das Wort Informationsgesellschaft ist ein unnützes Kunstwort, Gesellschaften mit mehr oder weniger Information gab es immer. Er meint wohl, dass es auch neue Formen des Umgangs mit Informationen geben wird, aus denen Wissen erzeugt werden kann. Im Grunde genommen öffnet er hier ein weites Feld, nämlich das der Erkenntnistheorien und die werden zunächst einmal nicht grundlegend durch die digitale Technik verändert. Sie gewinnen möglicherweise einige neue Perspektiven hinzu. Es gibt zusätzliche Formen der Wissenserarbeitung, wie die vom Autor zitierte Form der Fragestellung vor einer Vorlesung: „Sie lernen nicht mehr, was sie wissen möchten, sondern was sie nicht verstanden haben.“ Diese Auffassung von einer interaktiv unterstützten Vorlesung teile ich nicht. So etwas entspricht eher der krampfhaften Suche nach einem Anwendungsfeld bestimmter vorhandener Techniken als einer sinnvollen Modifikation des Vorlesungsbetriebs. Aber der Autor ist sich sicher, dass der „Perspektivwechsel in Zeiten des digitalen Lebens“ (S. 221) wichtig ist und kommen wird. Die Gefahren glaubt er bewußt gemacht zu haben: „Aber die Chancen, dass daraus etwas Gutes wird, sind ebenso groß.“ (S. 222) Und: „In den Schulen, Universitäten und an den Arbeitsplätzen muss das Verhältnis zwischen Herr und Knecht, zwischen Mensch und Maschine neu bestimmt werden.“ Die vielen interessanten Ansätze des zweiten Teils wären in ausführlicherer Form noch einleuchtender geworden. Vielleicht haben die vielen interessanten Suchergebnisse zu den Themen des ersten Teils zum Ungleichgewicht dieses Buches mit beigetragen.

Ein Website mit den anklickbaren Links in der Bibliogaphie wäre eine gute Ergänzung für dieses Buch.

Heiner Wittmann

Auf YouTube steht eine Präsentation dieses Buches durch den Autor:

Web 2.0 in der Hochschule: Geschäftsmodelle konzipieren

Medien     Blogs, Web 2009     Urheberrecht


Zur Diskussion:

 

Hochschulrektorenkonferenz,Herausforderung Web 2.0, in Beiträge zur Hochschulpolitik 11/2010,
www.hrk.de/de/download/dateien/Herausforderung_Web2.0.pdf


Web 2.0

Sandra Schön, Martin Ebner, Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien
Facebook überall und allumfassend. Die digitale Kontrolle als Bedrohung


Vortrag in der Hochschule der Medien in Stuttgart, 25. Januar 2010

Facebook, Twitter und Blogs
Mit Web 2.0 ein Geschäftsmodell bauen

Bibliographie

Anderson, Chris, Free Kostenlos. Geschäftsmodelle für die Herausforderungen des Internets , Frankfurt/M. / New York: Campus 2009. ISBN: 978-3-593-39088-8

Bächle, Michael, Lehmann, Frank R; E-Business. Grundlagen elektronischer Geschäftsprozesse im Web 2.0 , Müchen. Oldenbourg 2010. ISBN 978-3-486-58362-5
Württembergische Landesbibliothek Lesesaal: Oy 5332

Basic, Robert, Facebook, ein 50 Mrd USD Gorilla, 4. Januar 2011,
www.robertbasic.de/2011/01/facebook-ein-50-mrd-usd-gorilla/
Blogs: Kommentarfrequenz erhöhen, written in basic, 24.1.2011

Blogparade + Sonderheft Kulturmanagement Network + stARTconference: Geschäftsmodelle im Web 2.0
www.startconference.org/2010/04/05/blogparade-sonderheft-kulturmanagement-network-startconference-geschaftsmodelle-im-web-20/

Bornemann, Malte, Die Erfolgswirkung der Geschäftsmodellgestaltung . Eine kontextabhängige Betrachtung Aus der Reihe: Entrepreneurship Wiesbaden: Gabler, 2010, 315 S. Mit 23 Abb. u. 67 Tab. Br. ISBN: 978-3-8349-2240-3

Brealey, R. A., Meyers, S. C., Allen, F., Principles of Corporate Finance , Boston, u.a.: McGraw-Hill 9/2007.

Cario, Sebastian, Blog: Social Media Optimization Monitoring Tools im Überblick
www.elcario.de/social-media-monitoring-tools-im-ueberblick/376/

Gerberich, Calus W., Wachstum durch innovative Geschäftsmodelle , München: Oldenbourg 2010 ISBN: 3486586416 NET Nach Januar 2011
www.oldenbourg-verlag.de/wissenschaftsverlag/wachstum-durch-innovative-geschaeftsmodelle/9783486586411
„Ertragsstarkes Wachstum ist ein immer wichtiger werdendes strategisches Ziel der Unternehmen. Der klassische Weg des Wachstums durch neue Produkte ist immer noch wichtig, doch reicht er heute nicht mehr aus. Wachstum muss heute durch das Schaffen von neuen innovativen Geschäftsmodellen erfolgen. Nicht nur Produkte haben ihren Lebenszyklus, sondern auch Geschäftsmodelle.
Die Unternehmen müssen durch neue Geschäftsmodelle neue Kunden und Märkte erschließen und bei bestehenden Kunden die Potentiale ausschöpfen. Dies geht durch die Verknüpfung von Produkten und Dienstleistungen bis zum konkreten Betreiben von Leistungen beim und für den Kunden. Der Wandel geht vom Product Selling zum Value Selling. Das Lehrbuch zeigt die unterschiedlichen Wege des Wachstums und den Wandel in den Geschäftsmodellen anhand von Best of Class Beispielen.“
2011. ca. 220 S., ISBN 978-3-486-58641-1 ca. € 29,80 In Vorbereitung

Hansen, Robert, Wirtschaftsinformatik Band I (Grundlagen und Anwendungen), 10. Auflage, UTB-Verlag 2009.

Heinemann, G., Haug, A., Web-Exzellenz im E-Commerce: Innovation und Transformation im Handel, Wiesbaden: Gabler, 2010.

Heinemann, Gerrit / Haug, Andreas, Hrsg., Web-Exzellenz im E-Commerce. Innovation und Transformation im Handel, Wiesbaden: Gabler 2010. XII, 358 S. Mit 65 Abb. u. 7 Tab. Br.
ISBN: 978-3-8349-1754-6
Württembergische Landesbibliothek Lesesaal: Oy 5333

Heinemann, Gerrit, Der neue Online-Handel. Erfolgsfaktoren und Best Practices

Heinemann, Gerrit, Der neue Online-Handel : Erfolgsfaktoren und best practices – 2., aktualisierte und erw. Aufl.. – Wiesbaden : Gabler, 2010. – XVIII, 260 S.
ISBN : 3834923125
WLB Lesesaal: Oy 5333 60/44 – nicht ausleihbar Präsenzbestand

Hesseling, C., Bedeutung sozialer Netzwerke für Jugendliche. Universität Leipzig stellt Studie über Facebook, StudiVZ, Jappy, XING & Co vor , Leonardo im WDR 5-Radio zum Mitnehmen

Hofmann, Josephine (Hrsg.), Webbasierte Geschäftsmodelle . – Heidelberg : dpunkt-Verl., 2008. ISBN: 3898645096
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Janello, Christoph, Wertschöpfung im digitalisierten Buchmarkt. Aus der Reihe: Markt- und Unternehmensentwicklung / Markets and Organisations Wiesbaden; Gabler, 2010. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Dres. h. c. Arnold Picot. XVIII, 197 S. Mit 27 Abb. u. 28 Tab. Br.
ISBN: 978-3-8349-2283-0 WLB 60/8248

Kagermann, Henning, Geschäftsmodelle 2010: Wie CEOs Unternehmen transformieren, Frankfurter Allgemeine Buch; Auflage: 2., aktualisierte Auflage. 2007
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Kittl, Christian, Kundenakzeptanz und Geschäftsrelevanz : Erfolgsfaktoren für Geschäftsmodelle in der digitalen Wirtschaft – 1. Aufl.. – Wiesbaden : Gabler, 2009. ISBN 3834915432
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Kollektive Intelligenz

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Meier, Andreas, Stormer, Henrik, eBusiness & eCommerce: Management der digitalen Wertschöpfungskette, Springer, Berlin; Auflage: 2. Aufl. 2009.

Orzessek, A., Ein nostalgischer Geburtstagsgruß , Erinnerungen an den Anfang von Wikipedia, in Fazit, DRadio Kulutr, 14.1.2011, 21.35 Uhr.

Oßwald, A., Open Access aus der Perspektive der Informationswissenschaft,
Vortrag im Rahmen der Open Access Week in Köln am 22.10.2009
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Österle, Hubert, Geschäftsmodell des Informationszeitalters .
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web.iwi.unisg.ch/org/iwi/iwi_web_2.nsf/wwwPubMemberGer2/HubertOesterle
www.business-engineering.org/
web.iwi.unisg.ch/org/iwi/iwi_pub.nsf/wwwPresAuthorGer?OpenView&
Count=999&RestrictToCategory=%D6sterle,%20H
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Geschäftsmodelle 2010 – Wie Sie Ihr Unternehmen erfolgreich transformieren

Panasonic, Corporate Social Map,  Corporate Social Map

Patalong, F., Sozialkontakte übers Internet Online entdecken, offline treffen
in: SPIEGEL online, 201.2011.

PEW Internet, The Social Site of the Interret
www.pewinternet.org/~/media//Files/Reports/2011/PIP_Social_Side_of_the_Internet.pdf

Reuß, R., Heidelberger Appell, Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte,
http://www.textkritik.de/urheberrecht/

Ripsas, S., 4. Was fehlt ist eine einheitliche Terminologie, Interne Kommunikation von neuen Geschäftsmodellen,
www.emf-berlin.org/uploads/media/Praesentation_Ripsas.ppt

Schwickert, Axel, C., Geschäftsmodelle im Electronic Businesse. Bestandsaufnahme und Relativierung W rtschaftsinformatik. Justus-Liebig Universität Giessen 2004.

Skiera, B., Spann, M., Walz, U., Erlösquellen und Preismodelle für den Business-to-Consumer-Bereich im Internet – Revenue Sources and Pricing Models for Business-to-Consumer Electronic Commerce, in: Wirtschaftsinformatik 47/2005, S. 285-293.
www.ecommerce.wiwi.uni-frankfurt.de/skiera/publications/Skiera-Spann-Walz-Erloesquellen.pdf

Stähler, Patrick (2001). Geschäftsmodelle in der digitalen Ökonomie: Merkmale, Strategien und Auswirkungen, Köln-Lohmar: Josef Eul Verlag2002.

The Sirona Says Blog, Does this Social Map reflect your social media footprint? 9. Juni 2010.

Weinberg, Tamar, Social Media Marketing. Strategien für Twitter, Facebook & Co ., Köln: O’Reilly 2010. Wiesbaden: Gabler, 3., überarb. Aufl. 2010. XVIII, 262 S. Mit 84 Abb. Br.
ISBN: 978-3-8349-2312-7
www.gabler.de/Buch/978-3-8349-2312-7/Der-neue-Online-Handel.html

Wirtz, Bernd W., Electronic Business , 3., vollst. überarb. u. akt. Aufl., Wiesbaden: Gabler 2010. ISBN: 978-3-409-31660-6
www.gabler.de/Buch/978-3-409-31660-6/Electronic-Business.html

Wirtz, Bernd W., Electronic Business, 3., vollst. überarb. u. akt. Aufl., Wiesbaden: Gabler 2010. ISBN: 978-3-409-31660-6
www.gabler.de/Buch/978-3-409-31660-6/Electronic-Business.html
—, Medien- und Internetmanagement, 6., überarb. Aufl.. – Wiesbaden: Gabler 2009. – XVI, 831 S. ISBN 978-3-8349-0864-3
www.gabler.de/Buch/978-3-8349-2051-5/Medien–und-Internetmanagement.html

Hochschulrektorenkonferenz, Herausforderung Web 2.0,
in: Beiträge zur Hochschulpolitik 11/2010.
www.hrk.de/de/download/dateien/Herausforderung_Web2.0.pdf

Wittmann, H., Wo führen uns soziale Netzwerke hin? oder Sind soziale Netzwerke wirklich sozial? in: Klett-Cotta Blog, 29. Dezember 2008
—, Politik 2.0 und soziale Netzwerke La vie politique et les réseaux sociaux ,
in: www.france-blog.info , 29. Dezember 2010.
—, Wieso wollen E-Books Bücher ersetzen? in: Klett-Cotta Blog , 15. April 2010.
—, Wie sozial sind soziale Netzwerke? in www.stuttgart-fotos.de, 30. Juni 2010.
—, Leser, Autoren, Verleger und Herausgeber, in: Klett-Cotta Blog, 22. Juni 2009.

Web 2.0 – Eine Einführung

Melanie Huber, Kommunikation im Web 2.0,
UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz 2008.

“Kommunikation im Web 2.0” lautet der Titel einer Einführung in das Mitmach-Netz, die Melanie Huber vorgelegt hat. Ihr Band erklärt als Einführung beinahe lexikonartig Stichwörter wie Weblogs, RSS, Social Networking, Wikis u.v.a.m. Viele dieser Begriffe können bisher kaum mit wissenschaftlichen Websites oder Websites von Universitätsinstituten in Verbindung gebracht werden. Und doch gibt es im Band von Melanie Huber einige bemerkenswerte Passagen, die den Multiplikatoren der internen und externen Kommunikaiton in Unternehmen gewidmet sind, mit denen sie knapp und klar grundlegende Anwendungen von Web 2.0-Techniken, kurz das Mitmachnetz erläutert. Einige Themen wie Blogs und RSS könnten eventuell auch Universitätsangehörige interessieren, die ihre Arbeiten gerne einem breiteren Publikum vorstellen möchten. Zu diesen Themen könnten auch Wikis gehören, die hier leider nur angerissen werden oder im Falle von Wikipedia nur genannt werden. Wikis weisen ein Unternehmen als “innovativ, glaubwürdig und transparent” (S. 83) aus. Aber Plattformen generieren noch keine Inhalte. Über firmeninterne Wikis schreibt sie nur einige wenige Zeilen. In gleicher Hinsicht verpasst sie die Chance, das Ergebnis von Suchmaschinen auch nur annähernd kritisch zu bewerten.

An einer Stelle deutet sie die Poblematik der Geschäftsmodelle an, wenn Sie als Kapitalüberschrift schreibt, Bezahlinhalte hätten kaum eine Chance. Das mag für das Gros der Seiten zutreffen. Dennoch gibt es auch schon erfolgreiche Web 2.0 Seiten, die sich finanzieren können. An dieser Stelle hätte sie zeigen können, dass es im neuen Internet nicht das einzige Geschäftsmodell gibt, sondern dass diese oft neue Formen unterschiedlicher Modelle aus der realen Welt generieren.

Das Kapitel über Soziale Netzwerke ist für sie auch kein Anlass, die Mechanismen dieser Projekte mit einer gewissen Distanz zu untersuchen. Auf der anderen Seite gibt sie nützliche Tipps für Mitarbeiter im Marketing, denen sie Unterschiede zwischen der klassischen Werbung und neuen Marketingformen, wie das Einsammeln von Kundenmeinungen beschreibt. Hier liegen offenkundig die Stärken der Autorin, zu denen auch ihre Bemerkungen über das Issue-Management zählen. Bei vielen Themen bleibt sie eher an der Oberfläche, so gibt sie kaum Tipps zum Bekanntmachen eines Blogs. Die Relevanz von Blogs stellt Huber auch auch der Grad ihrer Verlinkung dar. Hinsichtlich der Suchmaschinenoptimierung lenkt sie wie viele Unternehmen, die sich auf diese Tätigkeit spezialisiert haben, die Aufmerksamkeit ihrer Leser auf technische Aspekte anstatt auf die Inhalte der eigenen Website.

Ein offenes Geheimnis erfolgreicher Web 2.0 Seiten ist der Mix vieler schiedener Ansätze unterschiedlichster Maßnahmen, die die Beteiligung des Kunden herausfordern. Vernetzung, Kundenbindung, Reputationsmanagement sind hier die Stichworte. Aber auch in dieser Hinsicht nimmt der lexikalische Aspekt ihres Buches einen zu großen Raum ein, den die Autorin durch drei Praxisbeispiel zu mildern versucht.

Als Einführung für Web 2.0 – Neulinge ist der Band geeignet. Sie können bald mitreden, müssen dann aber sehr schnell andere Quellen heranziehen, um den Nutzen der vielen in diesem Band beschrieben Features einordnen zu können.

Z. B.:

Social Media Marketing in Deutschland

Blog von Benedikt Krüger

Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (I-IV)
Heiner Wittmann

Die digitale Welt und die Politik

Kleck, Véronique,
Numérique & Cie. Sociétés en réseaux et gouvernance,
Editions Charles Léopold Mayer, Paris 2007.

Das Motto dieses Buches enthält ein Zitat von Jacques Robin aus der Gründungserklärung des VECAM 1, das die aktuellen Veränderungen unserer Gesellschaften nicht als Krise und auch nicht als dritte industrielle Revolution bezeichnet, sondern diese Veränderung als eine wahrhaftige Mutation, den Wechsel einer Ära und die Geburt einer neuen Zivilisation versteht. 1994 hatte Jacques Robin bereits. auf die sozialen Auswirkungen der Informations- und Kommunikations-technologien hingewiesen. Damals entstand das VECAM, das am Rande des G7 Gipfels in Brüssel im Februar 1995 den Journalisten vorgestellt wurde. In diesem Sinne enthält das vorliegende Buch ein Resümee und eine Bewertung der bisherigen Tätigkeit des VECAM und zugleich auch einen Ausblick vor allem auf die künftigen sozialen Implikationen der Informationstechnologien.

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Semantisches Web

Tassilo Pellegrini, Andreas Blumauer (Hrsg.), Semantic Web. Wege zur vernetzten Wissensgesellschaft, Springer Verlag, Heidelberg, Berlin 2006.
ISBN 3-540-29324-8

Einige Vorbemerkungen sollen hier eine Begründung liefern, wieso dieser Band auf einer Website für Romanisten besprochen wird. Allein schon weil das Semantische Web sich einen Begriff aus der Sprachwissenschaft ausgeliehen hat, ist es sicher auch für Romanisten und überhaupt auch für Philologen interessant, die Verwendung dieses Begriffes in einem neuen Zweig der Internet-Technik zu verfolgen.

Die Suche nach dem Begriff Romanistik mit einer Suchmaschine offenbart das bereits hinreichend bekannte Problem einer langen nach einem Suchalgorithmus von einer Maschine mit wenig romanistischem Sachverstand geordneten Liste. Aber auch Linklisten wie die auf der Website Romanistik im Internet sind eher eine Momentaufnahme, die nicht immer die Interessen oder die Suchbedürfnisse der Besucher berücksichtigen kann. In diesem Sinn ist eine traditionelle Bibliothek mit fachmännischer Verschlagwortung der heutigen Internet-Ordnung immer noch überlegen.

Das Problem der Ordnung von Informationen gibt es nicht erst seitdem das Internet entstanden ist. Die vielfältigen Vernetzungen jeder Art haben eine Orientierung im Datendickicht des Internets nicht unbedingt erleichtert, sondern die Koexistenz von einleuchtenden, weil vom Sachzusammenhang gebotenen Verlinkungen und solchen, die willkürlich aufgrund bestimmter Individueller Interessen gesetzt wurden, erschweren die Auswahl und die Bewertung von Informationen. Die Organisation der Informationen auf Websites hat sich ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten geschaffen, oder zumindest wird dies von schnell hergestellten Websites zumindest suggeriert. Es gibt genügend Beispiele aus der Arbeit mit Internet-Seiten, die Wissenschaftler, die eher mit traditionellen Mitteln arbeiten, mit Recht in Erstaunen versetzen. Das Zitieren aus der Online-Enzyklopädie

Wikipedia gehört zu dieser Art von Beispielen, die diesem Projekt einen wissenschaftlichen Anspruch verleihen, der in keiner Weise zu rechtfertigen ist. Schon fangen Studenten an, die Inhalte der Online-Enzyklopädie als Zitatenschatz für Seminararbeiten zu nützen. Ein Gewährsmann für die Inhalte der Artikel wird nicht mehr benötigt und der inhaltlichen Willkür wird Tür und Tor geöffnet, weil dem Online-Projekt, an dem jedermann mitschreiben darf, eine Autorität zuerkannt wird, die die Kontrolle einer anonymen Ge-meinschaft der Gewährleistung durch einen individuellen Autor vorzuziehen scheint. Das Vertrauen, das in dieses Online-Projekt gesetzt wird, entspricht dem Vertrauen, daß meist aus Bequemlichkeit in die Ergebnislisten der Suchmaschinen gesetzt wird.

Die Suche nach > Semantic Web mit Hilfe von Google führt zu rund 90 Mio. Webseiten in einer bestimmten Reihenfolge, nicht weil sie die besten Informationen zu diesem The-ma enthalten, sondern lediglich, weil der Suchalgorithmus von Google die gefundenen Seiten in eine bestimmte Reihenfolge stellt, die mit der Qualität oder ihrem Informationsgehalt kaum etwas zu tun haben. Man verweilt oft aus Zeitgründen bei den ersten aufgerufenen Seiten und verleiht ihnen so möglicherweise eine Bedeutung, die eine genaue Durchsicht vieler weiterer Seiten nicht rechtfertigen würde. Mehrdeutige Suchbegriffe werden dabei nicht erkannt und tragen kaum dazu bei, das Suchergebnis qualitativ zu verbessern. Immerhin geben Suchausdrücke, also die Kombination mehrerer Wörter häufigen Benutzern dann doch zu erkennen, daß Google letztendlich eben doch nur eine indexbasierte Suchmaschine ist. Google nutzt heute u.a. die Zahl der Links, die auf eine Seite zeigen, um deren “Qualität” zu bewerten. Die Höhe des “Pageranks”, der von Suchalgo-rithmus ermittelt wird, entscheidet über die Plazierung des Website im Suchergebnis. Das Verfahren ist wissenschaftlich gesehen untauglich, trotzdem verwenden Betreiber von Websites viel Energie darauf dieses Spiel mitzuspielen.

Schon in den Anfangsjahren des Internets Mitte der 90er Jahre stellte sich immer dringlicher die Frage nach einer Orientierung im Internet, die sich eines Tages von mehr oder weniger automatisch erstellten Listen lösen kann und Methoden einführt, die den Suchergebnissen eine gewisse Qualität verleihen. 1998 trug Tim Berners-Lee einen neuen Ansatz vor,1) der als Semantic Web bekannt wurde. Sein Gedanke zielte auf eine Standardisierung der Verfahren, wie Informationen beschrieben werden sollten. Gemeint waren Zuordnungen, die es ihrerseits “intelligente Agenten” erleichtern würden, Informationen aus unterschiedlichen Quellen miteinander zu verbinden. Ähnlich wie in der Sprachent-wicklung werden bei diesem Schritt Informationen im Internet Bedeutungen verliehen oder zugeordnet, wodurch das Netz um eine semantische Dimension erweitert wird. Um die Zusammenhänge zwischen diesen Bezügen erkennbar zu machen, sprach schon Berners-Lee davon, Ontologien einzuführen, die in größeren Zusammenhängen Wissensbereiche beschreiben und die Bezüge zwischen Objekten aufdecken sollen. Dieser der Philosophie entlehnte Begriff dient dazu, einen Dialog zwischen einem Anwender und der Maschine zu beschreiben und folglich auch zu steuern. Im Kern bezeichnet eine Ontologie viele Verhältnisse zwischen Informationseinheiten (Entitäten) und den Zusammenhängen, worauf sie sich beziehen, den Relationen. Fragt der Nutzer nach “Bank” können Suchsysteme, die mit Ontologien arbeiten, denen also definierte Wissensbereiche bekannt sind, zu einem solchen mehrdeutigen Begriff passende Ergebnisse oder zumindest weitere Suchbegriffe vorlegen. Ob allerdings Suchmaschinen eines Tages Fragen nach bestimmten Sachverhalten beantworten können, sei dahingestellt. Das semantische Netz ist der Versuch, die vielen bisher meist auf der Grundlage von HMTL entwickelten Websites, die eigentlich kaum mehr als durch Links untereinander verbunden sind, in ein wissens-basiertes Netz zu überführen.

Mit den Metatags, wie z.B. den “Keywords”, die auf HTML-Seiten eingetragen werden können, und die den Suchmaschinen eine Ordnungshilfe gewähren sollten, wurde wohl viel Mißbrauch getrieben, so daß Google diese Hinweise nicht mehr berücksichtigt. Theo-retisch könnten semantisch orientierte Systeme einer ähnlichen Gefahr ausgesetzte werden, die möglicherweise durch webbasierte Systeme, die vom Betreiber der Seite nicht zu beeinflussen sind, vermindert oder vermieden werden. Ob aber dann nicht neue Probleme auftauchen, wenn der Bedeutungsgehalt der Seite von Programmen definiert werden soll, ist noch gar nicht abzusehen. Ein falsch getaggter Text könnte dann das gleiche Schicksal wie ein in einer Bibliothek verstelltes Buch erleiden, das für die Ausleihe nicht mehr zur Verfügung steht.
Der gerade erschienene Band Semantic Web. Wege zur vernetzten Wissensgesellschaft, (Inhaltsverzeichnis: www.semantic-web.at/springer/), dessen Herausgeber Tassilo Pellegrini von der Semantic Webschool, ein Zentrum für Wissenstransfer in Wien, kommen, bietet einen interessanten Einblick in das Konzept und das Programm dessen, was der Text auf dem Buchrücken als die “nächste Generation des Internets” bezeichnet. Der Untertitel des Bandes trifft nicht genau das eigentliche Thema dieses Bandes. Es geht nicht nur um bloße Vernetzungen, sondern um den Beitrag semantischer Technologien, d.h. Verfahren und Methoden, die sich explizit auf die Erstellung und Maschinenlesbarkeit von Bedeutungsträgern konzentrieren. Es geht um Methoden zur qualitativen Orientierung im Internet.

Die neuesten Trends im Internet, die mit dem Schlagwort Web 2.0 2) gekennzeichnet werden, drücken sich dauch urch die sprunghafte Zunahme von Blogs aus. Eines der Kennzeichen von Web 2.0 ist eine besonders große Zunahme unstrukturierter Daten, die durch das Tagging der User nur behelfsweise geordnet werden können. Hier setzen die Überlegungen ein, die mit dem Semantic Web in Verbindung stehen, und die sich auf eine Reduzierung, Verdichtung und Strukturierung der Daten beziehen.
Die Linguistik lehrt, daß Semantik “sich mit der Analyse und Beschreibung de sogen. ‚wörtlichen’ Bedeutung von sprachlichen Ausdrücken beschäftigt.” 3) Die Semantik wird von der Morphologie (Flexion- und Wortbildungslehre) wie auch von Syntax (Anordnung von Zeichen) abgegrenzt, die ihrerseits ihren Teil zur Sinnkonstituierung beitragen. Die Semantik konzentriert sich nach V. Nyckees auf die Bedeutungsaspekte, die nicht mit anderen Bedeutungsträgern Ähnlichkeiten oder Beziehungen teilen, sondern die sich auf das Wissen einer Sprachgemeinschaft beziehen. 4) In diesem Sinn bildet die Sprache ein ähnliches System von Konventionen, wie das semantische Web diese im Internet einfüh-ren will. In diesem Sinn gibt es sicher eine gewisse Berechtigung, diesen Begriff zu ver-wenden. Vielleicht stutzt der Leser dann doch, wenn er auf dem Buchrücken des hier zu besprechenden Buches liest: “Semantik ist (…) ein wesentliches Element der Transforma-tion von Information in Wissen, sei es um eine effizientere Maschine-Maschine-Kommunikation zu ermöglichen oder um Geschäftsprozeß-Management, Wissensmanagement und innerbetriebliche Kooperation durch Modellierung zu verbessern.” Es ist keinesfalls die Semantik die das Entstehen von Wissen bewirkt, allenfalls beschreibt sie Prozesse, wie Bedeutungen entstehen. Ein Buchrücken ist geduldig, und Raphael Capurro hat den Begriff der Semantik in seinem sehr lesenswerten Nachwort “Hermeneutik revisited” zu diesem Band in einen richtigen Zusammenhang gerückt. Er erklärt auf einprägsame Weise den Zusammenhang zwischen der Hermeneutik und der Semantik. 5) Nach dem griechischen Götterboten Hermes bedeutet Hermeneutik die Verkündung, Auslegung oder Erklärung. Capurro nennt auch Wittgenstein und dessen “Sprachspiele”, die nach seiner Theorie dazu geeignet sind, zwischen verschiedenen Gebilden Bezüge herzustellen und sie so verständlich zu machen. Gerade die Abstraktionsfähigkeit des Menschen ermöglicht es, Bezeichnungen für Maschinen und Computer verstehbar zu machen, sie also in digitale Kombinationen von 1 und 0 zu übersetzen. Diese Strukturen behalten aber nur ihren Sinn, weil die menschliche Welt trotz der immer weiter ausufernden Datenmengen dem Internet erst einen Sinn verleiht. Capurro weist selbst daraufhin, daß das Verstehen nicht auf eine Eigenart des jeweiligen Subjekts ist, sondern eine “Seinsweise” (vgl. R. Capurro, Hermeneutik der Fachinformation, Freiburg/München 1986, S. 11) bezeichnet, der der Mensch sich nicht entziehen kann. Auf diese Weise entsteht die bereits angedeutete Verwendung der Ontologie im Rahmen des Semantischen Webs.

Capurro vertritt mit Recht der Auffassung, daß die digitale Welt gegenüber der Lebenswelt keinerlei Vorrang besitzt. Allerdings sollte auch die “Kraft des Konkretion” (S. 531) der Abstraktion der digitalen Welt entgegengestellt werden. Das Semantische Web wird sich nur im Rahmen menschlichen Handelns entwickeln, wenn dieses jeder Abstraktion begegnen kann. Damit nennt Capurro eine ethische Dimension des Semantischen Webs, das er mit einer Art neuen Hermeneutik verknüpft, die die Bewahrung und Verteilung digitaler Inhalte betrifft. Auf diese Weise erklärt er das Semantische Web als ein “weltpolitisches Projekt” (S. 532), das nicht Technikern oder Politikern überlassen werden darf.

An diesem Band sind 57 Autoren aus 35 Institutionen beteiligt. Es geht darum, Technolo-gien für das Internet zu entwickeln, die sich auf Verfahren stützen, die semantische Bedeutungsträger erkennen und auswerten können. Daten wie E-Mails können heute schon mehr schlecht als recht durch Programme sortiert werden, die z. B. als Spam-Filter, unliebsame E-Mails ausfiltern, oder es gibt auch Programme, die z.B. E-Mails an den richtigen Arbeitsplatz verteilen.

In ihrem Vorwort stellen die Herausgeber drei Trends vor: Es ist eine steigende Nachfrage nach dynamischen Produkt- und Dienstleistungskonfigurationen zu erkennen. Damit ist eine Dynamisierung der Arbeitswelt verbunden, die organisationsübergreifende Strukturen erfordert. Das Anwachsen der Informationsbestände erfordert ständig intelligentere Dialog- und Suchwerkzeugen, um die verlangten Dienstleistungen erbringen zu können. Diese Art der Kreisbewegung der steigende Nachfrage, Dynamisierung und Bereitstellung intelligenter Suchsysteme bestimmt folglich den Aufbau dieses Bandes.

Der erste Teil dieses Bandes enthält eine Reihe von einführenden Artikeln, in denen zu-erst Begriffe (u.a. Semantic Web und semantische Technologien, A. Blumauer, T. Pellegrini) und Standards (Standards für das Semantic Web, K. Birkenbühl) erläutert werden. M. Weber und K. Fröschl untersuchen “Das Semantic Web als Innovation in der ökono-mischen Koordination” und geben interessante Hinweise auf die “Innovationspotenziale semantischer Technologien” (S. 105 ff). Im zweiten Teil geht es um die Anwender des Semantic Web. L. Sauermann untersucht den “Semantic Desktop – Der Arbeitsplatz der Zukunft”. Seine systematische Darstellung mit vielen praktischen Beispielen ist auch gut als Einstiegsartikel in das Thema dieses ganzen Bandes geeignet. “Knowledge Visualiza-tion” ist das Stichwort, mit dem Remo Burkhard die Frage nach der “nächsten Herausfor-derung für Semantic Webforschende” stellt. Er erinnert daran, daß eine allgemeine Visua-lisierungswissenschaft mit einem entsprechenden Theorierahmen noch immer fehlt. Die Bespiele, die er in seinem Beitrag nennt, zeigen die Ansätze mit denen Verbindungen wie die zwischen der Bildwissenschaft und anderen Disziplinen erarbeitet werden. Der dritte Teil untersucht die Bedingungsfaktoren für das Semantische Web unter dem Aspekt des Wissensmangement. Schmitz et. al. erläutern einen solchen Ansatz auf einer Peer-to-Peer-Basis, während Hannes Werthner und Michael Borovicka die praktischen Zusammenhän-ge zwischen E-commerce und Semantic Web am Beispiel von “Harmonise”, einem EU-Projekt aus der Tourismus-Branche, das mit intelligenten “Networkings” arbeitet, vorstellen. Im vierten Teil geht es wieder um die Theorie und die technischen Systeme, aber auch um praktische Ansätze, so wie der Beitrag von Andreas Koller, der nachzuweisen versucht, daß eine strukturierte Ablage von Content in Content Management Systemen, eine Voraussetzunge für das Semantische Web ist. Mit vielen Beispielen gelingt es Koller die unterschiedlichen Bedingungen für strukturierten Inhalt dazulegen; zugleich wir aber auch die Komplexität des Semantischen Webs deutlich. Coputerlinguisten werden sich für den von Michael Granitzer verfaßten Aufsatz im vierten Teil dieses Bandes interessieren. Er stellt statistische Verfahren vor, die dringend benötigt werden, ist doch der digitale Datenbestand bereits auf das 37.000-fache der Library of Congress angewachsen, die ca. 17 Millionen Bände besitzt. Merkmalsanalysen, Lemmatisierung, Parsing und Kollokationen gehören zu den Stichwörtern, die Granitzer untersucht, um die Bedingungen der Textanalyse zu erläutern. Gerhard Budin erläutert die “Kommunikation in Netzwerken” Marc Ehrig und Rudi Studer stellen die “Wissensvernetzung durch Ontologien” vor. Ihnen geht es um die Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Webservices, die nur, wie sie es nennen, durch eine semantische Integration der Ontologien möglich wird.

Der mit dem semantischen Web verbundene Anspruch wird in der Forschung gerade erst formuliert, noch steht die Realisierung der entsprechenden Anwendungen ganz am Anfang, aber die Hoffnungen, die in dieses Projekt gesetzt werden, lassen die Dimension dieses Projekts erahnen: “Das semantische Web ermöglicht neben erheblichen Verbesserungen der Usability, einen höheren Gebrauchswert verfügbarer Informationsbestände und effizientere Wissensströme.” 6)

Dieser Band bietet eine gelungene Einführung in das Thema, weil sich seine Autoren an ganz praktischen Beispielen orientieren, viele verschiedene theoretische Ansätze vorstel-len und insgesamt die Perspektiven für des Semantischen Webs in einer spannenden Weise vermitteln. Außerdem ist es den Herausgebern gelungen, durch die Auswahl der Beiträge, die Bedeutung der beteiligten Disziplinen in einleuchtender Weise zu vermitteln.

Heiner Wittmann

1. Tim Berners-Lee, James Hendler and Ora Lassila, A new form of Web content that is meaningful to computers will unleash a revolution of new possibilities http://www.scientificamerican.com/
article.cfm?articleID=00048144-10D2-1C70-84A9809EC588EF21&catID=2
.
2. Tim O’Reilly, What Is Web 2.0? Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software http://www.oreillynet.com/pub/a/oreilly/tim/news/2005/09/30/what-is-web-20.html
3. H. Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, Stuttgart 2/1990, S. 672.
4. Vgl. Nyckees, Vincent, La sémantique, Paris 1998, S. 11.
5. Zur Hermeneutik, cf. Vogt, Jochen, Einladung zur Literaturwissenschaft, 3. Aufl., Stuttgart 2002, Kapitel 3: http://www.uni-essen.de/einladung/Vorlesungen/hermeneutik/main.html; H.-G. Gadamer, Wahrheit und Metho-de, Tübingen 1975; id., Semantik und Hermeneutik, in: id., Hermeneutik II. Wahrheit und Methode. Ergänzungen., Tübungen 1986, S. 174-183.
6. Andreas Blumauer, Tassilo Pellegrini, Semantisches Web – schon wieder eine Patentlösung für die Wissensgesellschaft? http://www.semantic-web.at/36.20.20.article.kontext.semantisches-web-schon-wieder-eine-patentloesung-fuer-die-wissensgesellschaft.htm

Bibliographische Angaben:

Bußmann, Hadumod, Lexikon der Sprachwissenschaft, Stuttgart 2/1990.
Gadamer, Hans-Georg, Wahrheit und Methode, Tübingen 1975
— Hermeneutik II. Wahrheit und Methode. Ergänzungen., Tübingen 1986.
Nyckees, Vincent, La sémantique, Paris 1998.
O’Reilly, Tim, What Is Web 2.0? Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software www.oreillynet.com/pub/a/oreilly/tim/news/2005/09/30/what-is-web-20.html
Vogt, Jochen, Einladung zur Literaturwissenschaft, 3. Aufl. Stuttgart 2002.
www.uni-essen.de/einladung/
Berners-Lee, Tim, Hendler, James, Lassila, Ora, A new form of Web content that is meaningful to computers will unleash a revolution of new possibilities,
www.scientificamerican.com/article.cfm?articleID=00048144-10D2-1C70-84A9809EC588EF21&catID=2

Romanistik und Neue Medien

Romanistiky 2.0. – Das Mitmach-Internet und die Wissenschaft
Facebook, Twitter und Blogs Mit Web 2.0 ein Geschäftsmodell bauen

Romanistik im Internet – Die Website gab es bis 2012.

1996 entstand die Website Romanistik im Internet als Begleitung für meine Übung “Romanistik im Internet” am Institut für Linguistik/Romanistik der Universität Stuttgart. 2003 zog die Website um zum Romanischen Seminar der TU Dresden. Eine Sitemap gab einen Überblick über das Anbot dieser Website mit etwa 2000 Links, die vor allem Studenten die Vielfalt der Internet-Angebote zeigen sollte. Mit der Emeritierung von Prof. Dr. Ingo Kolboom, dessen Lehrstuhl diese Website zugeordnet war, und der bedauerlichen Umwidmung seines Lehrstuhls ist das Projekt im Frühjahr 2012 vom Seminar eingestellt worden.

  Deutsch-französische Beziehungen

www.gallica.de
Madame Bovary – Gallica
Blog von Gallica
Signes de la Bibliotèque nationale de France

www.ohne-netz.de
www.france-blog.info/-kann-man-ohne-das-internet-studieren

Elektronische Zeitschriftenbibliothek der Universität Regensburg
Karlsruher virtuellen Katalog
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www.persee.fr
Flaubert – www.persee.fr
www.fabula.org
Literaturtheorie – www.fabula.org

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Véronique Taquin, Vous pouvez mentir

Véronique Taquin, Vous pouvez mentir
Editions du Rouergue, Paris 1998, ISBN: 2-84156-128-3

Eines Tages erhält Niels einen anonymen Brief, in dem ihm “A” die Geschichte einer Beziehung mit “B”, die ihn wohl offenkundig verlassen hat, anbietet. Allerdings solle Niels nur Materialien erhalten und die Geschichte selber schreiben. Niels zögert, willigt dann aber während seiner Sendung “Pseudo” mit dem einzigen, kurzen Satz “Ich bin ein öffentlicher Schriftsteller” ein.
Am nächsten Tag erhält er einen weiteren Brief von A und beginnt mit der Niederschrift der Geschichte, die er als Feuilleton in seiner Sendung vorliest. Die einzelnen Episoden, die er aufgrund der Angaben in den folgenden Briefen erfindet, beginnen Niels eigenes Leben zu verändern. Je mehr Hinweise, er in den Briefen von A erhält, umso mehr beginnen Realität und Traum ineinander überzugehen. Ein Roman, in dem der oft bemühte Begriff der Identifikation ein neues Gewicht bekommt. Es geht in der Geschichte oder in den aufeinander folgenden Szenen des Romans um Erwartungen, Lügen aber auch um den Satz, den A in seinem Brief schrieb, “Auf diese Weise ist jeder perfekt frei,” und der eine Grundlage für sein Geschäftsverhältnis mit Niels sein sollte. Ist aber wirklich jeder frei oder nicht doch in ein Geflecht von Verhältnissen eingebunden, aus denen er sich auch durch Lügen nicht befreien kann? In diesem Sinne erforscht die Autorin die Bedeutung der Identifikation und der Leser kann selbst prüfen, ob ihm Niels eher sympathisch ist und ob der Verlauf der Geschichte dieses Urteil beeinflusst. Eine Biographie, die nicht wahr ist, kann schnell zu einem Kriminalroman werden. Und in welchen Momenten droht eine Biographie zu kippen?
Der Autorin ist es gelungen, ein spannendes Buch zu schreiben, in dem die Erzählung und die direkte Rede immer wieder wirkungsvoll ineinander übergehen und die Hauptperson Niels sich zunächst vom Lauf der Ereignisse fortreißen läßt, dann aber doch versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen. Langsam dämmert es ihm, daß die Fiktion wieder in die Realität übergeht, als er sich für den Lebenslauf seiner Freundin Anna eingehender interessiert und ihn genauer erkunden läßt.

H.W.

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