Rezension: Susanne Greilich, Hans-Jürgen Lüsebrink (Eds.), Traduire l’encyclopédisme. Appropriations transnationales et pratiques de traduction de dictionaires encyclopédiques au Siècle des Lumières (1680–1800)

| The 31st Annual Meeting of the North American Sartre Society will take place October 23–24, 2026, as a “Virtual Zoom Conference” | Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026 | Festival Rétif de la Bretonne 2026 in Sacy: Un entretien avec Christian Pythieu et la promenade littéraire | Künstliche Intelligenz |


2024 haben Susanne Greilich und Hans-Jürgen Lüsebrink die Ergebnisse einer Tagung, die in virtueller Form von der Universität Regensburg organisiert wurde, unter dem Titel Traduire l’encyclopédisme herausgegeben. Der Untertitel nennt den Umfang der hier vorgelegten Studien: „Appropriations transnationales et pratiques de traduction de dictionnaires encyclopédiques au Siècle des Lumières (1680–1800)“. Der Band ist in der Reihe der „Saarbrücker Beiträge zur vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaft“ erschienen.

Der Katalog der Übersetzungen und ihre Analysen decken anhand vieler Beispiele „kulturelle Interdependenzen“ (S. 10) auf. So wird deutlich, dass Artikel der Encyclopédie von Diderot (vgl.   H. W. : Nachgefragt: Denis Diderot parle de l’Encyclopédie – www.france-blog.info, 15. November 2017 und H. W.,  Nachgefragt: Laurent Loty spricht über Denis Diderot – www.france-blog.info, 24. November 2013) und d’Alembert zu einem großen Teil auf das jesuitisch geprägten Dictionnaire de Trévoux zurückgehen. Tatsächlich ist die Übersetzung für die etwa 74000 Artikel eine wichtige Quelle und wurde dies wurde auch in ihren Artikeln „Traduction“ oder „Traducteur“ thematisiert. Überhaupt sorgten die Übersetzungen der Enzyklopädien für einen bemerkenswerten Wissenstransfer zwischen den Ländern. Clorinda Donato hat dafür im Titel ihres Beitrags mit „L’empowerment littéraire et linguistiqu de la nation dans les traductions espagnole et italienne du Dictionnaire de Grammaire et Littératur de l‘Enyclopédie méthodique“ eine interessante Bezeichnung gefunden. Und obendrein wird in mehreren Beiträgen gezeigt, dass die Übersetzung oft auch nur eine Vorbereitung für die Regionalisierung der Enzyklopädien war. Eine ganz besondere Aufmerksamkeit gilt der Rezeption der Encyclopédie in Russland, die Anguelina Vatcheva untersucht hat: „Le recueil Traductions de l’Enyclopédie, (1767) dans le cadre de la politique de Catherine II de Russie“. Die Auswahl der übersetzten Artikel erlaubt Aufschlüsse über die Rezeption des Lexikons in Russland.

Einen weiteren Aspekt beleuchtet Hanco Jürgens: „European encyclopaedias as a part of changing carousel: entries on India“. Hier wird anhand verschiedenen Enzyklopädien (Heinrich Zedler’s Universal Lexikon und der Encyclopédie von Diderot und d’Alembert) auf spannende Weise Kulturrezeption unter verschiedenen Vorzeichen untersucht werden.

Mélanie Éphrème resümiert mit dem Titel ihres Beitrags sehr geschickt die Bedeutung der Enyclopédie für ein Naturwissenschaft: „Une science venue d’ailleurs: traduire la chimie pour l‘Encyclopédie„. Eigentlich ist das hier schon philologische Feinmechanik, mit der auch der Einfluss vieler Lexika (vgl. die Tabellen S. 114-116, S. 121-123) auf die Bewertung und Weiterentwicklung der Chemie untersucht werden kann. Malou Haine hat einen Korpus von über 500 Artikeln in der Encyclopédie zur Musik untersucht. Sie kann mit ihrer minutiösen Analyse bei Übersetzungen auch Textveränderungen nachweisen.

Die Tragweite des kulturellen Transfers geht über die bloße Übersetzungsarbeit weit hinaus. Dahinter wird ein transkultureller Wissenstransfer erkennbar, mit dem sich auch Strategien für nationale Selbstbestimmung herausbildeten. Den Autoren dieses Bandes gelingt es, mit vielen Belegen, die Mechanismen des kulturellen Transfers auf der Grundlage der Übersetzungen nachzuvollziehen und zu zeigen, wie auch in der Auseinandersetzung und Bewertung der Übersetzungsarbeit wissenschaftlicher Fortschritt entwickelt wird.

Pauline Pujo konzentriert sich auf den pädagogischen Bereich: „Encyclopédisme et traduction en contexte pédagogique au lycée de Joachimsthal à Berlin (1767-1799)“. Sie nennt sogar die Landesschule Porta (S. 151). Die Zusammenhänge zwischen Lexikon und Reform vermitteln bedeutsame Erkenntnisse über die Rezeption der Enzyklopädien.

Deutsch-französischer Kulturtransfer ist das Thema von Sylvie Le Moël: „Les sciences de l’Antiquité en abrégé entr France et Allemagne: enjeux transculturels de la traduction du Handbuch der klassischen Literatur de Johann Joachim Eschenburg par Carl Friedrich Cramer en l’an X de la République.“ Der folgende Aufsatz ist bei weitem keine bloße Spezialfrage, nimmt er doch ein Jahrhundert der Geschichte der Enzyklopädien unter einer zentralen Frage in den Blick: Carla Dalbeck erläutert „La genèse interculturelle de la ‚Nation. Transferts culturels d’un concept clé à l’exemple des dictionnaires encyclopédique 1750-1850“: Ihr Kapitel 4.1 „transferts intraculturels : le caractére national'“  und 3´4.2. ransferts interculturels : (contre-)modèles étrangers., 4.2.1 L’idéal de la Nation française“ verdienen besondere Aufmerksamkeit

Die beiden Herausgeber dieses Bandes berichten von den Untersuchungen, wie die Inhalte in den Enzyklopädien angeordnet werden, worauf sich in den letzten Jahren die Forschung konzentriert habe. Sie zeigen, wie Übersetzungen internationale Netzwerke schaffen. Vor allem spezialisierte Lexika erfuhren so mehr als nur indirekt einen Modernisierungsschub, vor allem auch weil es nicht bei Übersetzungen blieb, sondern „Verbesserungen“ eingefügt wurden. Man wird den berechtigten Eindruck gewinne, dass Lexika statt nur als Übersetzungsgrundlage zu diesen, auch Neubearbeitungen inspirierten.

Der Umgang des Korpus, den die Autoren dieses Bandes in den Blick nahmen, ist bemerkenswert: Über 70 Speziallexika von denen rund 200 Übersetzungen identifiziert wurden: > http://encyclopaedias.uni-regensburg.de Diese Datenbank kann nach > Autoren oder nach Titeln und Übersetzungen durchsucht werden. Die bibliographischen Einträge können in allen nur denkbaren Formaten exportiert werden. Hier wird der Forschung ein besonders wertvolles Gebiet eröffnet. Oft werden die direkten Links angegeben, unter denen der Band konsultiert werden kann.

Martine Groult systematisiert die Erkenntnisse dieser Tagung: „Traduire la connaissance de l‘Encyclopédie à  l‘Encyclopédie méthodique : le passage des articles aux traités.“ Sie untersucht, wie Charles Joseph Panckoucke die Encyclopédie vermarktete. Luigi Delia eränzt ihren Beitrag: „Les méatamorphoses de Jaucourt : les articles encyclopédiques du Chevalier pour le Code de l’humanité“ auf. Alain Cernuschi untersucht die Anteile von Jaucourt und De Felice: „L’encyclopédisme aux prises avec le mosaieu culturelle européenne de la seconde moitié du XVIIIe siècle : Jaucourt et de Felice à l’ouvrage.“ Jaucourt übersetzt weniger, sondern bereichert die Encyclopédie mit neuen Informationen. (vgl. S. 237)

Die Autoren dieses Bandes können auch belegen, dass italienische oder spanische Übersetzungen zu einem großen Teil auf französischen Ausgaben beruhen, während z. B. in den Niederlanden viel häufiger deutsche Lexika übersetzt wurden. Rückübersetzungen, Übersetzungskompilierungen, die also aus verschiedenen Lexika stammen, Synthetisierende Übersetzungen, also aus verschiedenen Lexika wurden ihre Inhalte zu einer Übersetzung zusammengefügt, bekommen in diesem Band eine besondere Aufmerksamkeit. Weitere Aufschlüsse verleihen Vorworte, Widmungen und Anmerkungen, mit den der Übersetzer zum Kommentator wird, was auch etwas mit der Regionalisierung, also der Anpassung der Texte an lokale Gegebenheiten zu tun hat. Die Herausgeber nennen dies „domestication nationale“ (S. 40) bei der die Übersetzer erfolgreich neue Rolle einnehmen. In gleicher Hinsicht ist es bemerkenswert, auf diese Weise ein „phénomène transgénérique“ (S. 41) bei der Entwicklung der Übersetzungen zu beobachten.

Insgesamt leistet dieser Band sehr erfolgreich einen Beitrag zur Erforschung der Lexika und ihrer internationalen Verbreitung im 18. Jahrhundert. Die Autoren gehrt der unbestreitbare verdienst, keineswegs nur Einzelfragen zu behandeln, sondern die Entwicklung in einem ganzen Jahrhundert im Blick zu haben und uns vorzustellen.

Susanne Greilich, Hans-Jürgen Lüsebrink (Hg.)
Traduire l’encyclopédisme
Appropriations transnationales et pratiques de traduction de dictionaires encyclopédiques au Siècle des Lumières (1680–1800)
Saarbrücker Beiträge zur vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaft, Band: 95 Lumières (1680–1800)
Würzburg: Königshausen & Neumann 2024
ISBN: 978-3-8260-7915-3

31st Annual Meeting of the North American Sartre Society

| Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026 | Festival Rétif de la Bretonne 2026 in Sacy: Un entretien avec Christian Pythieu et la promenade littéraire | Künstliche Intelligenz |

Unsere Redaktion nimmt an der folgenden Konferenz teil: das Programm – Virtuelle Zoom-Konferenz am 2. Konferenztag, Samstag, 24. Oktober:

Heiner Wittmann – Rethinking Sartrean Studies in the Age of Artificial Intelligence
4:00-5:45pm Sessions G1 & G2
All of the conference times are Eastern Standard Time (EST) = GMT – 5 hours
Session G1: AI, Art, Literature, and Creativity
Moderator: Kimberly S. Engels

If you would like to attend but not be a presenter, you should register and choose „non presenting member of public“ (which is free).

The 31st conference of the North American Sartre Society will take place October 23–24, 2026, as a “Virtual Zoom Conference”:

Theme:  A.I., Virtual Worlds, and Digital Existentialism: > NASS 2026 Conference Schedule

  • How does artificial intelligence reshape our understanding of selfhood, agency, and responsibility?
  • What does “existence” mean when one’s social, emotional, and creative life is increasingly mediated by A.I. systems and platforms?
  • Do A.I.-generated personas and avatars challenge distinctions between authenticity and bad faith?
  • Can virtual worlds provide authentic forms of meaning, identity, and community, or are they structurally alienating?
  • How should we understand freedom and choice when algorithmic systems increasingly guide behaviors, desires, and commitments?
  • What ethical obligations do creators of A.I. and virtual worlds have toward users’ existential well-being and sense of meaning?

Keynote Speaker: Stefano Guelani

Title: Existential Immersion and Care in Virtual Worlds

Stefano Gualeni is a Full Professor at the Institute of Digital Games, University of Malta. His academic books include Virtual Worlds as Philosophical Tools (Palgrave, 2015), Virtual Existentialism (Palgrave Pivot, 2020, with Daniel Vella), and Fictional Games: A Philosophy of Worldbuilding and Imaginary Play (Bloomsbury, 2023, with Riccardo Fassone). Stefano’s games, essays and philosophical fictions can be found on his webpage at www.gua-le-ni.com

Stefano’s philosophical fictions include The Clouds: An Experiment in Theory-Fiction (Routledge, 2024), What We Owe the Dead (Set Margins‘, 2025), Scholar’s Codex (Tune and Fairweather, 2026), and Errata Corpora (Set Margins‘, forthcoming in 2027)

If youwould like to attend but not be a presenter, you should register and choose „non presenting member of public“ (which is free).

Rezension: Modernités connectées Les transferts littéraires et culturels Québec-Allemagne (XIXe – XXIe siècles)

french german 

Robert Dion, Louise-Hélène Filion, Hans-Jürgen Lüsebrink, Hg.
> Modernités connectées
Les transferts littéraires et culturels Québec-Allemagne (XIXe – XXIe siècles)
Papier ISBN 978-2-7606-5552-2
PDF ISBN 978-2-7606-5553-9
E-Pub< ISBN 978-2-7606-5554-6
Montréal, Québec, Presses Universitaire de Montréal 2026.

Rezension: René de Ceccatty, Pasolini et le Christ. Toi, scandale et passion

french german 

| Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026 | Call for papers : L’univers sonore de Rétif de La Bretonne 11.-13. März 2027 in Toulouse |


Maria A. Macciocchi war 1964 beim Treffen mit Pasolini und Jean-Paul Sartre in Paris mit dabei und hat in L’Unità am 22.12.1964 darüber berichtet: > Ho assistito al dialogo tra Pasolini e Sartre sul Vangelo – Website von Alfred Betschart

René de Ceccatty,
Pasolini et le Christ.
Toi, scandale et passion
Arles : Portaparole 2026
ISBN : 978-2-37864-104-7

L’Évangile selon Saint Matthieu, Pasolini, 1964. VF:

Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026

Ort: Friedrich-Schiller-Universität in Jena/Carl-Zeißstr. 3, SR 207
Leitung: apl. Prof. Dr. Jens Bonnemann

Für Jean-Paul Sartre ist der Mensch nichts als das, wozu er sich macht, denn die Existenz geht der Essenz voraus. Dies ist die Grundthese, die in sich wie ein roter Faden durch Sartres Hauptwerk Das Sein und das Nichts (1943) zieht. An dessen Ende kündigt er ein Buch über Moral an. An dieser Moral arbeitet Sartre vor allem in den Jahren 1947/48, sie bleibt jedoch unvollendet. Die aus dieser Zeit stammenden Notizhefte im Umfang von ca. 1000 Seiten werden erst posthum 1983 unter dem Titel Cahiers pour une morale und 2005 in deutscher Übersetzung als Entwürfe für eine Moralphilosophie veröffentlicht.

Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026

Während im Mittelpunkt von Das Sein und das Nichts der Gedanke steht, dass der Mensch durch den Grundzug der Freiheit bestimmt ist, auch wenn er sich zumeist diese Freiheit zu verbergen versucht, wird spätestens in den Moralfragmenten deutlich, dass frei zu sein und ein freies Leben zu führen, keineswegs dasselbe ist. Das Sein und das Nichts macht zwar die Freiheit zum Thema, bleibt jedoch Orest aus dem Theaterstück Die Fliegen (1943) die Antwort auf dessen Frage schuldig: Was soll ich mit meiner Freiheit anfangen? Was bedeutet „authentische Lebensführung“? Die existentialistische Freiheitsontologie verlangt nach einer Moralphilosophie, deren Normen und Werte nicht unabhängig von der menschlichen Subjektivität gültig sind. Ohne ewige Werte müssen wir unsere eigenen Werte schaffen. Deren Grundlage können nicht Vernunft, Natur oder Tradition sein, sondern nur die Begegnung zweier oder mehrerer konkreter Freiheiten in ihren jeweiligen Situationen. Im Zuge dessen verleiht Sartre nun Themen wie Unterdrückung, Ausbeutung
Freiheit ein weitaus größeres Gewicht als noch zuvor in Das Sein und das Nichts. …

Die Veranstaltung, zu der es voraussichtlich einen zweiten Teil im März 2027 geben wird, richtet sich an alle Sartre-Interessierte (Studierende, Doktoranden, Habilitanden usw.). Vorkenntnisse sind sehr willkommen, jedoch nicht notwendig.

Zur Vorbereitung wird die Lektüre der folgenden Abschnitte empfohlen: Jean-Paul Sartre, Entwürfe für eine Moralphilosophie, übers. v. H. Schöneberg und V. v. Wroblewsky, Hamburg 2005, zum Recht, S. 246-263, zur Gewalt: S. 301-379, zur Pflicht: S. 441-480, zur Intersubjektivität: S. 481-517, 632-748, zur Unterdrückung: 517-571, 975-1000 und schließlich zur moralischen Konversion: S. 819-884.

Es wird um verbindliche Anmeldung zum Workshop bis 30. Juni 2026 an Jens Bonnemann, den Präsidenten der Sartre-Gesellschaft, jensbonnemann@gmx.de, gebeten.

Bitte weiterlesen: und Gewalt als Bedrohungen der Ankuendigung-Workshop-Cahiers-Sep *.pdf

Jorge Muñoz Navarro, La paradojas del verso y los ovillejos de logogramas

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| Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026 |


Heiner Wittmann

Jorge Muñoz Navarro,
> La paradojas del verso y los ovillejos de logogramas
Libro de artista, Chillán 2026
ISBN 978-956-03-0497-1

Hier ist das Buch erhältlich… El libro se puede comprar en la librería Ojo & tinta > Instagram

> https://www.isbnchile.cl/catalogo.php?mode=detalle&nt=185430

Fotos: Heiner Wittmann
Übersetzt mit Unterstützung von deepl.com