Vendredi 19 juin, samedi 20 juin 2026 : Colloque du Groupe d’Études sartriennnes en Sorbonne

Le prochain colloque du Groupe d’études sartriennes GES, qui se tiendra les 19 et 20 juin 2026 à la Sorbonne, dans l’amphithéâtre Bachelard. Le colloque portera sur les Réflexions sur la question juive et sur le thème „Matière, matérialismes et matérialité“.

Pour télécharger: GES_PROGRAMME-26L’affiche du colloque 2026

GES_PROGRAMME-26
L’entrée dans les locaux de la Sorbonne étant soumise à des contrôles de sécurité, il est impératif de vous inscrire avant le 16 juin 16h, en cliquant sur le lien ci-dessous, si vous ne détenez aucune carte professionnelle ou carte d’étudiant qui vous garantit l’accès au site :

https://evento.univ-paris1.fr/survey/colloque-sartre-amphitheatre-bachelard-hcy21pax

Colloque du Groupe d'Études sartriennnes en Sorbonne - vendredi 19 juin, samedi 20 juin 2026

Auf unserem Frankreich-Blog: Lesebericht: Jean-Paul Sartre, Überlegungen zur Judenfrage

Sartre et Dürer

english french german 

Dieser Beitrag dokumentiert einen phantasierten Prompt, die Antwort von ChatGPT, die nochmalige Antwort 3 Wochen später und dann auch noch die Antwort von perplexity.ai…

Our blog editorial team asked ChatGPT:

Prompt: “On the night of March 12–13, 1957, Sartre was caught by a security guard copying a Dürer painting at the Louvre. Why was this so embarrassing for the philosopher, and why was it so important for his theory of freedom?”

As more plausible facts are understood by the machine—even if they contain incorrect information for us humans—ChatGPT likes to calculate word proximity probabilities and, in the case of Sartre and Dürer, arrives at the following answer:

ChatGPT: (translated from the german response)

„The episode in which Jean-Paul Sartre was caught copying a Dürer painting at the Louvre on the night of March 12–13, 1957, is significant and embarrassing for the philosopher for several reasons.

Why was this so embarrassing for Sartre?

  1. Social Status: Sartre was already a renowned philosopher, writer, and intellectual leader at the time. The fact that he was secretly copying a painting and was caught by a security guard was embarrassing and called his credibility and integrity into question. It did not fit with his image as a prominent thinker and public intellectual.
  2. Legality and Morality: Copying works of art without permission can be viewed as morally questionable or illegal. As someone who dealt intensively with questions of ethics and morality, it was particularly uncomfortable for Sartre to be caught in a situation that could potentially be viewed as unethical.
  3. Reputation: For someone in his position, such an incident could easily be perceived as a scandal and damage his reputation. Philosophical and intellectual circles might interpret this as a weakness or inconsistency in his behavior and thinking.

Why was this so important for his theory of freedom?

  1. Practical Application of Freedom: Sartre’s philosophy of freedom emphasizes the radical autonomy and responsibility of the individual. He argued that people always have a choice and are responsible for their actions, regardless of external circumstances. The act at the Louvre can be interpreted as a demonstration of this freedom, albeit in a somewhat eccentric way. It shows that Sartre not only advocated freedom in theory but also lived it out in practice in unconventional and risky situations.
  2. Authenticity and Self-Determination: Sartre’s concept of authenticity demands that individuals shape their lives according to their own values and convictions, rather than submitting to conventional norms. His act of copying a painting could be seen as a form of self-determination and resistance against traditional rules and expectations, even if this may seem embarrassing or problematic.
  3. Existentialist Paradoxes: The incident illustrates the paradoxes and challenges of existentialist philosophy. While Sartre emphasized individual freedom, the episode showed that this freedom often conflicts with social norms and laws. It underscores the complexity and sometimes contradictory nature of human freedom, as Sartre understood it.

Overall, the incident was both an embarrassing episode in Sartre’s life and a significant demonstration of the principles of his philosophy of freedom. It illustrates the radical application of his ideas in practice and the associated risks and challenges.“

Unsere Redaktion hat am 9. Juni 2026 mit diesem Prompt perplexit.ai befragt:

Sartre wurde in der Nacht vom 12. auf den 13. März 1957 von einem Wachmann dabei erwischt, wie er im Louvre ein Dürer-Gemälde kopierte. Warum war dies so peinlich für den Philosophen und warum war es so wichtig für seine Theorie der Freiheit?“

Offenkundig wurden Informationen aus dem Netz für die Antwort benutzt:

Die Antwort von perplexity.ai:

Das war für Sartre peinlich, weil er sich als großer Intellektueller und Schriftsteller in einer sehr alltäglichen, fast schülerhaften Situation wiederfand: Er wurde beim Kopieren erwischt, also bei einer Tätigkeit, die nach bloßem Nachahmen aussieht und seinem Anspruch auf geistige Eigenständigkeit widerspricht. Außerdem hatte das Ganze im Louvre etwas Demütigendes, weil ausgerechnet der öffentliche Ort der Kunst und Bildung ihn wie einen ertappten Amateur erscheinen ließ.  https://romanistik.info/sartre-et-duerer

Für seine Freiheitstheorie war die Szene gerade deshalb wichtig, weil sie ein schönes Beispiel für Sartres Grundidee zeigt: Der Mensch ist nicht durch sein Wesen festgelegt, sondern macht sich durch sein Handeln selbst. Das Kopieren eines Dürer-Gemäldes ist nicht einfach bloßes Abschreiben, sondern eine freie Wahl, mit der Sartre sich zu einem Vorbild, zu einer Tradition und zu seiner eigenen künstlerisch-philosophischen Position verhalten konnte.

PHILOSOPHIE /SARTRE Freiheit als Terror

22.01.1967, 13.00 Uhr • aus DER SPIEGEL 5/1967
https://www.spiegel.de/kultur/freiheit-als-terror-a-aa7a812b-0002-0001-0000-000045441008

 

Warum die Peinlichkeit?

Sartre hatte ein Selbstbild als unabhängiger Denker, und beim Kopieren wirkte er plötzlich wie jemand, der sich an eine Autorität anlehnt statt selbst zu schaffen. Gerade weil er spätere Originalität und Authentizität so hoch bewertete, konnte diese Szene als kleine Entlarvung erscheinen. Die Peinlichkeit lag also weniger im Malen selbst als in der sichtbaren Spannung zwischen seinem öffentlichen Anspruch und dem konkreten Verhalten.   https://www.hans-mayer-gesellschaft.de/die-weltdeutung-des-jean-paul-sartre/

Warum wichtig für Freiheit?

Sartres Freiheitsbegriff betont, dass wir immer schon in Situationen handeln, die wir nicht gewählt haben, aber auf die wir frei antworten. Der Louvre, Dürer und der Akt des Kopierens sind genau so eine Situation: Er übernimmt nicht einfach, sondern entscheidet sich aktiv, sich mit Dürer auseinanderzusetzen. Damit zeigt die Episode anschaulich, dass Freiheit bei Sartre nicht bedeutet, aus dem Nichts zu handeln, sondern Stellung zu etwas zu beziehen und sich dadurch selbst zu definieren.

Sartre et Dürer

Follow-ups

Welche Rolle spielten Dürers Werke in Sartres ästhetischer Theorie

Wie beurteilen Biografen diesen Vorfall im Louvre heute

Inwiefern unterscheidet sich Sartres Kopier-Akt vom Konzept des Plagiats

Wie korrespondiert dieser Vorfall mit Sartres Werk Das Sein und das Nichts

Hatten andere Existentialisten ähnliche öffentliche Missgeschicke

 

Vorgeschlagneer Prompt von perplexity.ai:

Welche Rolle spielten Dürers Werke in Sartres ästhetischer Theorie

 

„Dürers Werke spielten für Sartre vor allem die Rolle eines ästhetischen Gegenbeispiels: Sie zeigten ihm Kunst nicht als bloße Nachahmung, sondern als bewusstes, formendes Tun, bei dem der Künstler sich zu Welt, Blick und Maßstab verhält. Für Sartre passte das gut zu seiner Auffassung, dass Kunst kein fertiges Ding ist, sondern erst im Akt des Schaffens und Betrachtens wirklich wird.“
https://www.kunst-news.de/albrecht-duerer-praegt-die-kunstwelt-bis-heute

Rolle in Sartres Denken

Dürer war für Sartre interessant, weil dessen Kunst zwischen exakter Konstruktion und offenem Sinn steht: mathematische Ordnung, Perspektive und Proportion verbinden sich mit Rätselhaftigkeit und Deutungsbedarf. Gerade diese Spannung unterstützte Sartres Vorstellung, dass menschliche Freiheit nicht in Beliebigkeit besteht, sondern darin, innerhalb von Formen und Bedingungen etwas Eigenes hervorzubringen.
https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/3959/1/Chojecka_Duerer_als_Kunsttheoretiker_1972.pdf

Ästhetische Bedeutung

Sartre schätzte an Kunstwerken offenbar besonders, dass sie den Betrachter nicht passiv lassen, sondern ihn zur Mitarbeit herausfordern. Dürers Werke erfüllen das, weil sie einerseits sehr präzise gebaut sind, andererseits aber symbolisch und offen bleiben; der Sinn ist nicht einfach gegeben, sondern muss erschlossen werden. In diesem Sinn konnten Dürers Arbeiten Sartres Idee stützen, dass ästhetische Erfahrung ein Verhältnis von Freiheit, Interpretation und Verantwortung ist.
https://www.kunst-news.de/albrecht-duerer-praegt-die-kunstwelt-bis-heute

Im Kern

Kurz gesagt: Dürer war für Sartre wichtig, weil er zeigen konnte, dass große Kunst aus einer freien, bewussten Auseinandersetzung mit Form entsteht und zugleich den Betrachter zur eigenen Sinnbildung zwingt. Genau diese Verbindung von Konstruktion und Offenheit passt gut zu Sartres ästhetischem Denken.
https://www.kunst-news.de/albrecht-duerer-praegt-die-kunstwelt-bis-heute

 

Le Colloque du Groupe d’Etudes Sartriennes en 2022

Die Groupe d’Etudes Sartriennes hat einen Appel à communciations für das Kolloquium, das am 24. und 25. Juni 2022 in der Sorbnne stattfinden wird, veröffentlicht.

Zum Herunterladen: Colloque GES 2022 – Appel à communication.pdf

Le Groupe d’Études Sartriennes (GES) lance son appel pour le colloque annuel qui se tiendra les vendredi 24 et samedi 25 juin 2022 à Paris (En Sorbonne, salle des Actes).

L’objectif du GES, qui réunit chaque année une soixantaine de spécialistes de Sartre (universitaires ou non) est de soutenir le développement des perspectives nouvelles sur cette œuvre majeure, de permettre aux enseignants et aux chercheurs de présenter leurs travaux en cours et de promouvoir les études sartriennes à un niveau national et international.

Le GES propose aux enseignants et chercheurs débutants ou confirmés de soumettre une proposition de communication scientifique originale portant sur la pensée et les écrits de Sartre (littérature, philosophie, textes politiques), ou dont l’objet (auteur, question) est en relation directe avec ceux-ci.

Pour l’édition 2022, le GES souhaite encourager deux séries de propositions de communication portant sur les rapports de l’œuvre sartrienne aux questions de classe, race et genre d’une part, et sur L’Idiot de la famille d’autre part.

Pour autant, ces deux thématiques sont bien des propositions et non des contraintes ; elles laissent ainsi toute latitude aux propositions les plus diverses afin de rendre compte de l’œuvre de Sartre dans toutes ses dimensions (roman, théâtre, philosophie, essais sur la littérature, réflexion politique), ainsi que de la relation entre cette œuvre et celle d’autres écrivains et philosophes.

Bitte lesen Sie weiter

3, 4 et 5 novembre 2021 : Colloque international. Entre logos et engagement. Le théâtre de Jean-Paul Sartre et d’Albert Camus

Vom 3.-5. November 2021 wird in Paris wird ein Colloque international: Entre logos et engagement: Le théâtre d’Albert Camus et de Jean-Paul Sartre im Collège d’Espagne de la Cité internationale universitaire de Paris und in der Bibliothèque nationale de France, site Richelieu, stattfinden:

> Colloque-theatre-Sartre-Camus-2021-programme – *.pdf – Download

Der vollständige Ausschreibungstext: > Argumentaire colloque Camus-Sartre nov. 2020

Conception et coordination :
Vincenzo Mazza, Université Paul Valéry – Montpellier 3
Équipe d’accueil 4414 HAR, Université Paris – Nanterre
E.S.T. Études sur le théâtre

Argumentaire

Deux auteurs qui ont marqué une génération théâtrale

Le théâtre des années quarante et cinquante en France a eu deux protagonistes majeurs : Albert Camus et Jean-Paul Sartre. S’ils sont, à cette époque, publiquement présents à la fois en tant que romanciers, penseurs philosophiques, commentateurs de questions sociopolitiques, et fréquemment mis en rapport de manière polémique, Camus et Sartre sont
également représentants d’un théâtre du logos. Leurs pièces font régner la parole – à l’égard de ses qualités de discours engagé ainsi que d’objet littéraire esthétique – et la rationalité, mise en jeu dans les conflits dramatiques.

Leur production dramaturgique est comparable autant à niveau de la quantité de pièces, ncluant pièces originelles et adaptations, qu’à la période consacrée à l’écriture pour la scène dans leurs parcours professionnels. Pour Camus, celle-ci s’étend de 1936 à 1958, et pour Sartre, de 1940 jusqu’à 1965. Leurs débuts dramaturgiques se font dans des conditions d’écriture particulières, dans un cadre de théâtre amateur marqué par les situations politiques respectives.

Parmi les questions auxquelles ces rencontres voudraient fournir des réponses :

– Quelles sont les formes et les modèles auxquels les dramaturgies de Camus et de Sartre se réfèrent ?
– Quelle est la place attribuée à leurs pièces aujourd’hui ?
– Comment envisager les conjonctures de présence et d’absence de certaines pièces au cours du 20e et au début du 21e siècle ?
– Quelles sont les nouvelles contributions que nous pouvons fournir, à partir d’une recherche dans les archives, sur les créations théâtrales des pièces de Sartre et de Camus, concernant la genèse, la mise en scène, la réception ?
– Si, dans la création contemporaine en France, l’on remarque un nouvel essor du texte verbal, quelles sont les raisons pour monter le théâtre de Camus et de Sartre aujourd’hui ?
– Quelles sont les tâches de l’historiographie théâtrale face au théâtre de cette époque ?

Axes de recherche

1) Études de cas : enjeux philosophiques et politiques du théâtre de Sartre ou de Camus.
2) Perspective historique : le théâtre de Camus et son époque.
3) Perspective historique : le théâtre de Sartre et son époque.
4) Les modèles de la dramaturgie de Camus et de Sartre, les filiations et les ruptures avec le théâtre de leurs prédécesseurs, de leurs contemporains, et de leurs successeurs.
5) Sartre et Camus en scène : analyse des créations des pièces de deux dramaturges à partir de documents inexploités ou méconnus.

Modalités de soumission

Les propositions de communication devront être adressées à theatre.sartre.camus@gmail.com

Format de la proposition : argumentaire d’environ 250 mots en explicitant l’approche méthodologique, titre de la contribution, bibliographie et 5 mots-clés. Les propositions seront accompagnées d’une brève biobibliographie et des coordonnées électroniques de l’auteur.e.

Date limite d’envoi : 30 avril 2020.

Les réponses d’acceptation seront envoyées avant fin mai 2020.

Frais d’inscription: Les frais d’inscription au colloque s’élèvent à 30 euros. Les versements seront à effectuer sur place.

Albert Camus, ein Philosoph?

french german 

Der Streit zwischen Sartre und Camus

Sartre and Camus. A Historic Confrontation.
Ed. and translated by David A. Sprintzen and Adrian van den Hoven, Humanity Books, an imprint of Prometheus Books, New York 2003. ISBN 1-59102-157-X

In diesem Band wird der Streit, der 1952 zwischen Camus und Sartre durch die in den Temps modernes erschienene Rezension von Camus‘ L’homme révolté (1951) durch Francis Jeanson ausgelöst wurde, dokumentiert und untersucht. Die Rezension beantwortete Camus mit einem Brief an Sartre „Monsieur le Directeur…“, der im Folgeheft der Temps modernes veröffentlicht wurde, und den Sartre seinerseits mit einem Brief an Camus „Mon cher Camus…“ beantwortete. Jeanson schrieb einen weiteren Artikel „Pour tout vous dire“ und Camus verfaßte eine Verteidigung seines Buches L’homme révolté, die erst 1965 veröffentlicht wurde. Diese Texte sind hier übersetzt worden. Sie werden von Aufsätzen der Autoren dieses Bandes begleitet, in denen die Konfrontation zwischen Sartre und Camus, die zum Bruch ihrer Freundschaft führte, dargestellt wird: „From Friendship to Rivals.“ W. L. McBride und J. C. Isaac untersuchen dann den Streit aus der heutigen Perspektive.

Weiterlesen

Sartre und Tintoretto

Der Künstler verkauft Visionen. Jean-Paul Sartre und Tintoretto

> Sartre und die Kunst

Vortrag. Freitag, 12. 1. 2007, 19 h 30
Institut français, Berlin, Kurfürstendamm 211, U1 Uhlandstraße

Auf Deutsch und Französisch. Der Vortrag wird von Vincent von Wroblewsky gedolmetscht.
Eine Veranstaltung der Sartre-Gesellschaft und des Institut français, Berlin.

„L’artiste, c’est l’ouvrier suprême: il s’épuise et fatigue la matière
pour produire et pour vendre des visions.“
J.-P. Sartre, Le Séquestré de Venise,
in: id. Situations, IV, Paris 1964, S. 319.

Der Maler Jacopo Robusti, genannt Tintoretto (1518-1594), gehört einer ganz anderen Epoche an, als die Künstler, Schriftsteller und Dichter, deren Werke Jean-Paul Sartre in seinen Künstlerstudien untersucht hat. In ihnen hat er ein Verfahren entwickelt, mit der er auch die Gemälde des venezianischen Meisters untersucht.

Es liegen mehrere Fragmente seiner Studie über Tintoretto vor. 1957 wendet er seine psychanalyse existentielle, die er im letzten Kapitel von L’être le néant (1943) beschrieben hat, auf den Künstler an. Im gleichen Jahr verfaßt er den Aufsatz Questions de méthode, in dem der Beitrag der Hilfsdiziplinen (Psychonalyse u.a.) zu seiner progressiv-regressiven Methode erläutert werden. 1961 vergleicht er viele Gemälde Tintorettos untereinander, bevor er 1966 das Bild San Girogio uccide il drago (1558, National Gallery, London) in all seinen Details untersucht. Ein weiteres Fragment erscheint 2005 im Ausstellungs-katalog der Pariser Nationalbibliothek unter dem Titel Un vieillard mystifié (Sartre, éd. M. Berne, Gallimard, Paris 2005, S. 186-190), in dem Sartre das Selbstporträt des Meisters (1585, Louvre, Paris) analysiert. Die Bedeutung der Beziehungen zwischen Theorie und den Künstlerporträts für seine Ästhetik wird mit dem ersten Satz der Flaubert-Studie „L’Idiot de la famille est la suite de Questions de méthode“ ausdrücklich unterstrichen.

Sartre hat mit mehreren, unterschiedlichen Ansätzen die Gemälde Tintorettos untersucht. Dabei wird eine Porträtmethode erkennbar, mit der Sartre Grundsätze seiner Philosophie nutzt, um eine Ästhetik zu formulieren. Wie in seiner Literaturtheorie geht es auch bei Tintoretto um die Mitarbeit des Rezipienten, also hier des Betrachters, den der Maler mittels seiner Maltechnik an der Entstehung des Werks beteiligt. Bei Tintoretto, wie bei den anderen Künstlern, deren Werke Sartre untersucht hat, gehören die Freiheit und die Unabhängigkeit zu den Bedingungen seines Erfolgs.

„Après sa première nuit vénitienne, l’animal touristique seréveille amphibie; il constate en même temps qu’il lui a poussé des nageoires et il retrouvé l’usage de ses pieds. Ce matin, je marche, je vais au hasard … suivant des calli, traversant des ponts, débouchant sur des campi, m’égarant, tombant dans un cul de sac, revenant sur mes pas, repassant par les mêmes calli et les même campi sans trop m’en aviser. “
J.-P. Sartre, La Reine Albemarle ou le dernier touriste, fragments, éd. A. Elkaïm-Sartre, Paris 1991, S. 84.
„A Venise, les Vénetiens sont chez eux. Et il suffit d’un ciel un peu doux, comme ce matin, d’une lumière un peu tendre, gaie come un sourire, pour que le touriste se sente un peu moins touriste, presque vénetien.“ Sartre, op. cit., S. 86
„Au bout d’un certain temps, ce qui m’inquiète c’est presque moral : à moins de monter sur le Campanile de Saint-Marc, Venise est une ville qui se dérobe à toute vue d’ensemble. Elle fuit, vous contraint à vous prendre dans le détail…“ Sartre, op. cit., S. 106
„Venise a ses propres coordonnées : la place Saint Marc, la lagune, les Fondamenta Nuova : elle ignore les points cardinaux. Je me trompais, tout à l’heures, en disant qu’elle fabrique ses vitesse : à l’intérieur de Venise il n’y a pas de vitesse du tout.“ Sartre, op. cit., S. 87.
„L’humidité dans l’air, au ciel. L’eau. Douce humidité, fraîcheur, fond de l’air tiède. Gondole. La gondole c’est exactement un fiacre.“ Sartre, op. cit.,. S. 80.
„Les campis ne sont parcurus par aucune ligne,droite ou courbe : ce sont des étendues de pierre stragnante, de marécages de pierre.“ Sartre, op. cit., S. 88
„L’eau à Venise palpite, elle se dilate et se contracte, dit-on, notre univers. Sorti de la gondole, je reste longtemps à regarder une crème verdâtre à la surface du rio, qui tantôt se resserre, tantôt file doucement vers le canal de la Giudecca, tantôt recule et tantôt s’arrête.“ Sartre, op. cit., 109
„Venise est la ville qui protège le moins contre l’espace. Le ciel et l’eau sont complices, ils sont trop. L’eau s’enroule sur elle-même, le ciel a un autre genre de foisonnement, il écarte les regards, il éblouit,distend par des épanouissements mats de lumière.“ Sartre, op. cit., S. 104
Links zum Buch Sartre und die Kunst Sartre-Gesellschaft Bibliographie Colloque, GES, Paris

Thomas R. Flynn, Der Existentialismus und seine Geschichte

Thomas R. Flynn, Existenzialismus. Eine kurze Einführung. Aus dem Amerikanischen von Erik M. Vogt. (Engl. Existentialism. A Very Short Introduction, Oxford University Press, New York 2006), Wien, Berlin: Verlag Turia + Kant, 2007. 191 S., ISBN 978-3-85132-488-4,.

Thomas R. Flynn, Professor für Philosophie an der Emory University, USA, hat eine knappe Einführung in den Existentialismus, für den gemeinhin Sartre und Camus stehen, aus historischer Sicht verfasst. Die enge Verbindung des Existentialismus mit der Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg ist nicht zu übersehen, aber Flynn erinnert daran, dass die Wurzeln des Existentialismus bis in die antike Philosophie reichen.
Flynn weist auf die Bedeutung von Sartres Untersuchung Was ist Literatur? (1947) hin, in der Freiheit und Verantwortung des Schriftstellers als untrennbare Einheit erscheinen, und nennt den Appellcharakter des Kunstwerks als das zentrale Thema der Ästhetik Sartres. Die Auseinandersetzung mit Edmund Husserls (1859-1938) phänomenologischer Methode und seiner Theorie der Intentionalität des Bewußtseins nutzt Sartre bei der Entwicklung seiner Theorie über die Vorstellungskraft, gleichwohl grenzt er sich von Husserl ab. Die Hauptaussagen des Existentialismus Sartrescher Prägung, Verantwortung, Wahl, Situation, Authentizität, Freiheit, Bewußtsein und „mauvaise foi“, werden von Flynn als grundlegende Begriffe in einen Zusammenhang gestellt und dienen hier als Einführung in Sartres philosophisches Hauptwerk.
Nach Flynn wird der Existentialismus nach 1945 im Wesentlichen von Sartre bestimmt. Dabei vernachlässigt er aber doch den erheblichen Einfluß Camus‘ auf den Existentialismus. Die Ausführungen zu Camus sind, trotz der Bemerkungen zu Le Mythe de Sisyphe (S. 74 f.) und zum Streit mit Sartre über L’homme révolté (1951), auch im Rahmen dieser Einführung zu knapp geraten.
Trotz aller Verkürzungen, die durch die Konzept dieses Buches als Short Introducation verlangt werden, ist es dem Autor gelungen, eine lesenswerte Einführung vorzulegen.

 

Jüngst erschien eine weitere Einführung mit dem Titel Der Existentialismus von Roland Galle, Universität Duisburg-Essen. Zu Beginn seiner Einleitung spricht Galle von „Anleihen“ des Existentialismus bei Hegel, Kierkegaard, Husserl und Heidegger, verzichtet aber auf weitere inhaltliche Ausführungen mit der Begründung, der Existentialismus sei „von einem auffallenden Pathos der Voraussetzungslosigkeit“ geprägt. Einer solchen Trennung des Existentialismus von seinem philosophischen Kontext hat Flynn mit Recht widersprochen. Schwerer wiegt die Ausblendung der Ästhetik Sartres und Camus‘. Mit der Analyse von Sartres Roman La nausée. Journal (1938) stellt der Autor fest, dass der im Roman geschilderten Auflehnung gegen die Welt „der Begriff der Geschichte und erst recht der des Politischen noch vollkommen fremd“ (S. 91) sei. Hier verpasst der Autor die Chance, die von Roquentin am Ende von La nausée deutlich zum Ausdruck gebrachte Bedeutung der Ästhetik für den Existentialismus Sartrescher Prägung in den Blick zu nehmen: „Eine Geschichte zum Beispiel, wie es keine gegeben kann, ein Abenteuer. Sie müßte schön sein und hart wie Stahl und müßte die Leute sich ihrer Existenz schämen lassen,“ (Sartre, Der Ekel, in: ders., Gesammelte Werke. Romane und Erzählungen I, Hamburg 1987, S. 91) sagt sich Roquentin auf dem Rückweg nach Paris. Leider erwähnt Galle auch nicht die zahlreichen Studien Sartres über Baudelaire, Flaubert, Leconte de Lisle, Genet, Mallarmé, Tintoretto, Calder, Wols, Masson, Giacometti und Leibowitz, in denen Sartre seine ästhetischen Analysen mit ausgewählten Aspekten der Psychoanalyse unter dem Stichwort la psychoanalyse existentielle verbindet.
Dies gilt auch für Galles Nichtberücksichtigung der Rolle von Kunst und Künstlern im Gesamtwerk Camus‘. In langen Passagen in Le mythe de Siyphe und L’homme révolté hat Camus seine Schlussfolgerungen über das Absurde darlegt. Die Kapitel über die Kunst in diesen beiden Büchern sind keine bloßen Anhängsel, sie gehören zu ihrem eigentlichen Konzept und enthalten Camus‘ Begründungen hinsichtlich der Zusammenhänge von Kunst und Freiheit.
Diese Aussparungen der ästhetischen Positionen Camus‘ und Sartres führen zu einem erheblichen Defizit dieser Studie, die durch ihre perspektivische Enge beeinträchtigt wird.
Roland Galle
Der Existentialismus. Eine Einführung
W. Fink, UTB 3188, Paderborn 2009.

Heiner Wittmann

André Guigot: Eine Einführung in Sartres Philosophie

André Guigot, Sartre. Liberté et histoire,
Paris 2007,
Librairie philosophie J. Vrin,. ISBN 978-27116-1913-9

Die von André Guigot verfaßte Studie ist keine einfache Einführung in Sartres Philosophie. Die vielen verschiedenen Themen setzen ein Vorwissen und auch eine gute Kenntnis der Werke Sartres voraus. Damit sei aber nur gesagt, daß Guigots Band dem eiligen Leser eher anspruchsvoll erscheinen mag. Läßt man sich aber auf seine Argumentation ein, dann vermittelt dieses Buch eine sehr präzise, interessante und lesenswerte Einführung in die Philosophie Sartres.

Für seine Darstellung hat André Guigot mit Recht einen chronologischen Aufbau gewählt, der die Entwicklung seines Werkes auf der Grundlage der deutschen Phänomenologie über die Kriegserfahrung hinaus mit seinem Bemühen, die Moral begrifflich zu fassen und seinem Engagement ein theoretisches Fundament zu geben, umfaßt. Gerne wird immer wieder von zwei Abschnitten seiner Entwicklung gesprochen, wobei seine Auseinandersetzung mit dem Marxismus oft als Kennzeichen seines Werkes nach 1950 zitiert wird. Sein Versuch, den Existentialismus mit dem Marxismus zu verbinden, war nicht von Erfolg gekrönt, und Guigot akzentuiert viel mehr das Engagement im Verständnis Sartres und seine Suche nach einer Intelligibilität menschlicher Verhaltensweisen, die sowohl durch eine Dialektik wie auch durch die Geschichte beeinflusst werden, die Sartre bis zur Flaubert-Studie geführt hat.

In fünf Kapiteln untersucht Guigot nacheinander Sartres Auseinandersetzung mit der Phänomenologie, dann die Entstehung seiner ersten Schriften über die Einbildungskraft L’imagination (1936) und L’imaginaire (1940) und deutet mit der Überschrift des 3. Kapitels „L’aboutissement inachevé de L’être et le néant„, das nicht mit einer Lösung, sondern mit Fragen zur Verantwortung endet, eine Kontinuität mit seinen fol-genden Arbeiten an, die im allgemeinen zu der des 2. Sartre gerechnet werden. Im Ka-pitel IV geht es um die Entwicklung von der Moral zur Geschichte, womit Guigot auch hier nebenbei – aber in zutreffender Weise – darauf hinweist, daß in der letzten Zeit zunehmend die Überlegungen zur Geschichte vermehrt in den Blick der Forschung geraten. Seine Anmerkungen zur Ästhetik in Qu’est-ce que la littérature? (1947), seine Réflexions sur la question juive (1946) wie auch die langen Kapitel in den Cahiers pour une morale ([entstanden um 1946)] aus dem Nachlass veröffentlicht: 1983) bieten dazu viele Ansätze. Das letzte Kapitel untersucht das Problem der Gewalt im Rahmen der Geschichte, ein Thema, das im Zuge einer Neubewertung der Critique de la raison dialectique wieder mehr in den Blick geraten dürfte. L’Idiot de la famille (1970/72), das umfangreiche Flaubert-Porträt, hätte vielleicht in diesem Band von Guigot eine größere Aufmerksamkeit verdient als lediglich in der Zusammenfassung behandelt zu werden. Andererseits verleiht Guigot dieser Studie als „prolongement herméneutique de la raison dialectique“ (S. 231, vgl. W., Sartre und die Kunst, Tübingen 1996, S. 107 ff.) mit wenigen Worten den Platz, der ihr in Sartres Werk zukommt.

Im Verlauf der Studie entwickelt Guigot die Bedeutung aller wichtigen Schlüsselbegriffe. Dabei fällt auf, daß er schon bezüglich der Einbildungskraft, vor allem bei der Analyse von L’imaginaire sachgerecht und zutreffend die engen Beziehungen zwischen dem Imaginären und der Freiheit herstellt. Auch hinsichtlich seiner Darstellung des Analogons werden Entwicklungslinien deutlich, die bis zur Flaubert-Studie reichen. Zunächst aber erinnert er daran, daß die Theorie der Emotionen und des Imaginären eine Grundlage der Ontologie in L’être et le néant bilden. Tatsächlich ist die Lektüre von L’imaginaire eine wichtige Vorbereitung zu seiner Untersuchung über die phänomenologische Ontologie. Am Ende des zweiten Kapitels bestätigt Guigot in Form eines Resümees, daß die Ablehnung des psychologischen Determinismus kein System begründen könne, denn um die menschliche Realität zu begreifen, werde etwas Grundlegenderes benötigt: Das ist die Ontologie, mit der die Theorie des Imaginären angewandt auf die Kunst aber weitgehend ergänzt um die Fragen der Geschichte wiederaufgenommen werde, so Guigot. Und er ergänzt diese Aussage mit dem Hinweis auf den Zusammenhang von L’être et le néant, Qu’est-ce que la littérature? und den Cahiers pour une morale. . Schließlich ist die Freiheit eine Tatsache, deren Verständnis die menschliche Realität aufdeckt. Es ist nicht einfach, den Kern der Sartreschen Philosophie so verkürzt zusammenzufassen, aber unbestreitbar ist es dem Autor hier gelungen, das Verständnis der Sartreschen Philosophie zu erleichtern.

Im folgenden Kapitel über L’être et le néant zeigt Guigot – um hier nur ein Beispiel zu nennen – bezüglich der Kontingenz wichtige Parallelen zu La Nausée (1938), wodurch wieder die Verbindungen zwischen Sartres literarischem und philosophischen Werk betont werden. Dieses dritte Kapitel seiner Untersuchung zeigt die Fragen, die in L’être et le néant nach dem Anderen, der Angst und der Verantwortung gestellt werden. Dieses Kapitel kann auch als eine Einführung in die Lektüre von Sartres philosophischem Hauptwerk gelesen werden. Durch die Art und Weise, wie Guigot auch die offenen Fragen erläutert, wird der Leser verstehen, wie auch L’être et le néant in die Kontinuität des Sartreschen Denkens eingebunden ist. Im vierten Kapitel geht es um die historische Dimension, deren Einführung Guigot anhand der Überlegungen zu seinem Manifest über die Literatur erläutert: „L’ouvrage critique de Qu’est-ce que la littérature? (1947) fait de la création le sens même de l’interrogation éthique et esthétique,“ (S. 135) heißt es bei Guigot, der auf diese Weise an die fundamentale Bedeutung der Ästhetik im Werk Sartres erinnert. Der Schriftsteller ist engagiert, es geht bei Sartre nicht darum, daß dieser sich engagieren kann. Er schreibt und deshalb trägt er dafür eine Verantwortung, woraus auch wieder eine moralische Pflicht (S. 137) entsteht. „Ecrire, c’est agir,“ (S. 166) lautet die kurze Zusammenfassung, die auf den Appell (S. 168) an die Freiheit hindeutet. Aber auch die Cahiers pour une morale bleiben unvollendet und erscheinen erst 1983 aus seinem Nachlaßt. Auch dieses Kapitel endet mit einer Bewertung der Unterschiede zwischen L’être et le néant und den Cahiers pour une morale. Es geht u.a. um das unaufhebbare Verhältnis zum Anderen, das durch Abhängigkeit und Verantwortung gleichermaßen geprägt ist. Eine Aktion ist immer durch die Zukunft, das ist wieder das Überschreiten einer Situation aber auch durch die fehlende Garantie für eine moralische Vorschrift geprägt. Eine solche Verkürzung wird dem Autor der Studie sicher nicht gerecht, aber die Lektüre seiner Studie fördert das Verständnis der Philosophie Sartre. Nicht die Brüche charakterisieren sie, sondern sein Bemühen, die menschliche Realität der Freiheit und ihrer Möglichkeiten zu analysieren, wodurch die Kontinuität in seinem Werk gekennzeichnet ist, gehört zu seinen Hauptinteresse.

Es ist die Verbindung zwischen Kunst, Philosophie und Literatur, die in den 30er Jahren mit L’imagination und L’imaginaire sowie dem Roman La nausée sein Anfangswerk geprägt hat. In seinem philosophischen Hauptwerken hat Sartre mit seinen Untersuchungen zur Ontologie, zur Moral und zur Geschichte seine Überlegungen systematisiert und schließlich in der Flaubert-Studie von neuem angewandt. Guigots Studie behandelt kein isoliertes Thema seiner Philosophie, sondern zeigt die Kunst als Ausgangspunkt seines Gesamtwerks, und sie gibt so zu verstehen, daß die Philosophie bei Sartre kein Selbstzweck ist, da sie ein ständiger Bezugspunkt jedes seiner anderen Werke ist, und daher auch nur im Gesamtzusammenhang seines Werkes unter Berücksichtigung seiner Schriften über die Kunst und die Literatur erläutert werden kann.


Heiner Wittmann

1 2