Konflitklösung als Führungsaufgabe und der Beitrag der Mediation

Anita von Hertel
Professionelle Konfliktlösung
Führen mit Mediationskompetenz

Frankfurt/M./New York: Campus 2013.
328 S. ISBN:978-3-593-39833-4

In der Politik sprechen die Medien oft sofort von Streit, wenn es mal unterschiedliche Ansichten bei einer Sachfrage gibt. Oft sind es aber gar nicht die Sachfragen, die Streit auslösen, sondern es sind Empfindlichkeiten oder Vorbehalte, die zu Irritationen führen, die erst ausgeräumt oder geklärt werden sollten, bevor man sich wieder den Inhalten zuwenden kann. In der Politik spricht man schnell von einer Krise, die sich im Nachhinein manchmal als ein mehr oder weniger heftiger Entwicklungsschub im Rahmen einer aufregenden oder gemäßigten Entwicklung ereignet. Im zwischenmenschlichen Bereich gibt es auch Konflikte. Sogar > kalte und heiße Konflikte (Blog Klett-Cotta), für die professionelle Mediation die unterschiedlichsten Lösungskonzepte bereithält.

Der Band Professionelle Konfliktlösung. Führen mit Mediationskompetenz von Anita Hertel ist ein Lehr- und Arbeitsbuch, das Mediationstechniken mit ihren unterschiedlichen Phasen auf eine spannende Art und Weise präsentiert. Konflikte sind ein Zeichen für Änderungsbedarf, das Lösen von Konflikten wird immer mit Änderungen einhergehen. Wird der Änderungsbedarf erkannt, findet eine Einigung auf das Ziel statt, kann der Konflikt als gelöst gelten.

Es gilt, wie im Vorwort zur 3. Auflage steht, das „Innovationspotential“ den am Konflikt Beteiligten erkennbar zu machen. Nicht die negative Seite verärgert betrachten, sondern die goldene Seite der Medaille oder die Goldader des Konfliktes zu suchen und zu betrachten, Zuhören, sortieren, die richtigen Fragen stellen, das sind die Aufgaben eines Mediators.

Nein? Sie bevorzugen ein Machtwort? Konflikte gibt es nicht bei Ihnen? Auf Dauer setzen Sie Ihre Gesundheit und die Ihrer Mitarbeiter aufs Spiel: 1. Merksatz: „Wer Konflikte richtig löst, spart Kosten und bereitete Erfolge vor.“ (S. 12)

Mediation ist auch die Kunst des Zuhörens, nicht alle auf einmal, wir einigen uns auf eine Reihenfolge. (Alle nicken). Brücken bauen ist ein weiteres Stichwort, die Abwärtsspirale aufzuhalten und aus dem offenkundigen Änderungsbedarf die Grundlage neuer Erfolge bereiten.

1. Das Lösen von Konflikten ist eine Führungsaufgabe. Definition: „Ein Konflikt ist ein Phänomen, bei dem widerstreitende menschliche Strebungen aufeinander prallen.“ Dieses Buch richtet sich an alle und besonders an Führungskräfte. Jeder hat schon Situationen erlebt, wo sein Gesprächspartner, Freunde oder Verwandte, auf einmal ganz anderer Meinung waren. Oder jemand ist mit sich uneins, kann sich nicht entscheiden und erlebt einen intrapersonalen Konflikt (S. 16 f.), die besonders dann wenn sie nicht gelöst werden, auch interpersonale Konflikte auslösen können. Es fehlt eine klare Linie, und der Boden für Dramen und Krimis ist bereitet.

Mediationskompetenz in Stichworten: (vgl. S. 21 ff.) Zukunftsgestaltung betreiben, die inneren Rahmenbedingungen des Faktos „Mensch“ erkennen, Reflexe überbrücken, verantwortungsvolles Handeln ermöglichen. Aber Vorsicht, auch ein Mediator kann das Chaos mit falschen Fragen vergrößern.

1. Übung. Konfliktlösungsstrategien testen. Lesen und bearbeiten Sie diese Seiten (S. 25-28) und Sie werden den Rest des Buch lesen. S. 32-37: definiert die Aufgaben des Mediators. Er soll zu einer Allparteilichkeit fähig und sich des Vertrauens aller an der Mediation Beteiligten sicher sein können.

Es gibt eine ALPHA-Struktur der Mediation, die in fünf Schritten vom Konflikt zur Lösung führt. I. Auftragsklärung, II. Liste der Themen, III. Positionen auf dahinterliegende Interessen untersuchen, IV. Heureka, der zündende Gedanke oder der Beginn, der Funke der gemeinsamen Einsicht, V. Abschlussvereinbarung. Von Hertel beschreibt diese Schritte in umgekehrter Reihenfolgen; so wird erkennbar, wei sich die Struktur von selbst erschließt. Die Beschreibung und die Erläuterung dieser Schritte ihrer Anwendung werden mit dem konkreten Ablauf einer mediativen Verhandlung(S. 52-58 ***) vorgestellt. Es gibt in diesem Lehrbuch nicht viele unübersichtliche Einzelfälle in diesem Buch, sondern drei Mediationen, unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades, die im einzelnen vorgestellt und erläutert werden. Zwei kurze Tests erklären dem Leser die Bedeutung der Auftragsklärung. (S. 63 f.) Wenn der Mediator einige Stolpersteine (S. 71) aus dem Weg räumt, hat er den wesentlichen Teil seiner Aufgabe erfüllt. Im Verlauf der Mediation wird die Phantasie konkretisiert, was überhaupt erreicht werden kann (S. 73) Grundsätzlich gilt, alles was die Autonomie der Teilnehmer an der Mediation fördert ist zielführend. (S. 77)

Das zweite große Beispiel einer Mediation ist der Projektkrieg (S. 89-124 ****). Hier werden wieder Erfolge und Fallstricke der Mediation vorgestellt. Wiederum ist die Trennung in Fakten der Mediation und den Kommentar der Autorin sehr hilfreich, um die Phasen der Mediation verstehen zu können. Dem Sortieren der Informationen kommt eine große Bedeutung zu, manchmal sind es Randinfos (S. 104), die zum Kern der Sache führen, hier zeigt sich die Erfahrung des Mediators. Er kann die Situation knacken, wenn er den Beteiligten hilft, den Stellenwert von Urteilen oder Verhaltensweisen u. ä. m. zu erkennen.

Das dritte Kapitel zeigt, wie Mediationskompetenz in neunen Bausteinen erworben wird. Von Hertel legt zu Recht großen Wert auf die eigene Aufmerksamkeit und lässt den Mediator sich fragen, wie bewusst, er seinen Gesprächspartnern begegnet. Hier kann man auch für andere Alltagsereignisse in Unternehmen echt was lernen. Deeskalieren ist ein weiteres Stichwort. Es gibt auch Wege und Mittel Konflikte sichtbar zu machen, das ist notwendig, denn unterschwellige kalte Konflikte können das Zusammenarbeiten in einem Unternehmen auch in Gefahr bringen. Spiegeln und Strukturieren verschaffte neue Einblicke und Erkenntnisse. Unterschiede erkennbar machen und die geschickte Nutzung von Humorressourcen werden ebenso erläutert wie das Prinzip der plausiblen Intention, falsche Fragen führen nicht zum Ziel, der Mediator kann schnell unglaubhaft werden.

Von Hertel verrät aus ihrer Praxis, wie man sich und seine Mitarbeiter vor Tricks in der professionellen Konfliktlösung schützen kann. (S. 221-251). Kapitel 5 erklärt die verschiedenen Formen der Mediation. Im 6. Kapitel Die Ursprünge de meditativen Verhandelns und sein Nutzen für Führungskräfte werden anhand eines Beispiels die Umstände eines Mitarbeitergesprächs und eine Mediation erläutert.

Von Hertels Professionelle Konfliktlösung richtet sich an Mediatoren und zeigt Führungskräften eine erhebliche Erweiterung ihres Horionts auf. Es eignet sich auch zur Vorbeugung, denn an mehreren Beispielen verdeutlicht sie, dass Konflikte immer komplizierter zu lösen sind, je später sie als Faktum erkannt und behandelt werden. Die Konfliktparteien spüren oft den inhärenten Drang nach Veränderung, die jedem Konflikt eigen ist. Sie können ihn nicht artikulieren, sie dürfen nicht oder sie können es aus verschiedenen Gründen nicht. Der Mediator ist eine Brückenbauer, er stellt die richtigen Fragen und kann Gemeinsamkeiten wieder zu erkennen geben. Wenn die Parteien, ihre Furcht verlieren, Konflikte mit Angst zu behandeln sondern sie als eine Chance begreifen, und wenn Führungskräfte Konflikten nicht aus dem Wege gehen und sie auch nicht mit einem Machtwort beenden, dann gewinnen alle Parteien die Aussicht auf positive Veränderungen.

Heiner Wittmann


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