Die Presse in Frankreich und Deutschland miteinander vergleichen

Valérie Robert,
La presse en France et en Allemagne.
Une comparaison des systèmes suivie
d’un lexique allemand-français de la presse,
Les fondamentaux de la Sorbonne Nouvelle,
Paris: Presse Sorbonne Nouvelle, 2011.
183 S. ISBN: 978-2-87854-564-7

Ein Blick in das Schaufenster des Verlags Sorbonne Nouvelle. Ein Zufallsfund! Das Buch von > Valérie Robert mit einem Vergleich der Presse in Frankreich und Deutschland ist ein sehr nützliches Arbeitsinstrument für weitere Untersuchungen.

Sie beginnt mit vergleichenden statistischen Angaben für die Nutzung aller Pressemedien in Deutschland und Frankreich aus und bezieht dabei andere europäische Länder ein, um die Größenordnungen zu verdeutlichen. Die Deutschen lesen mit durchschnittlich 40 Minuten täglich 10 Minuten länger in Tageszeitungen. Die Internetnutzer liegen mit einem Anteil von 79 % und 80 % an der Gesamtbevölkerung in beiden Ländern nahezu gleich auf.

Dann untersucht Valérie Robert den Status der Presse und die Rolle des Staates, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Presse sowie die Verkaufsbedingungen der Presse beiden Ländern. Das Kapitel über die Eigentumsverhältnisse und die Konzentration im Pressewesen zeigt große Unterschiede. In Frankreich teilen sich 10 Unternehmen rund dreiviertel des Marktes für Tageszeitungen, während in Deutschland neun Unternehmensgruppen etwas mehr als ein Viertel des Marktes für Tageszeitungen beherrschen.

Besonders interessant ist ihr Kapitel über die Tagespresse, in dem sie auch den Absatz der BILD-Zeitung in Deutschland untersucht und die Frage nachgeht, warum eine Bild-Zeitung in Frankreich nicht möglich ist. (S. 100 ff.) Weitere Themen sind die Nachrichtenmagazine, ein Kapitel über die Reaktionen angesichts der Wirtschaftskrise.

Ihre beiden Kapitel über die Online-Presse und zu einer Soziologie des Journalismus in Frankreich und Deutschland dürften bei Studenten und Forschern, die sich mit den deutsch-französischen Beziehungen beschäftigen, auf besondere Aufmerksamkeit stoßen. Mit den Kenntnissen, die Valérie Robert hier vermittelt, gelingt es ihr, echtes Interesse für den Einstieg in diese Themen zu erzeugen. Ihr Buch enthält mehr als nur eine Vergleichende Medienkunde, Robert schärft den Blick für die Verhältnisse beim Nachbarn, sie präsentiert so implizit auch eine Anleitung, wie man die Nachrichtenaufbereitung > in den verschiedenen Medien beiderseits des Rheins vergleichen könnte. Ihr Leser wird sich schnell darüber im klaren werden, dass nicht nur die Meldungen oder Kommentare als solches in den verschiedenen Medien miteinander verglichen werden sollten, sondern dass eine Vielzahl anderer Aspekte wie die Definition des Berufs des Journalisten, journalistische Praktiken oder auch die Struktur der Medien, sie nennt es die „Structuration du champ journalistique“ (S. 153-157) bei solchen Analysen und Vergleichen zu berücksichtigen sind.

Ihre Arbeit präsentiert sich für ein Handbuch für deutsch-französische Forscher, genauso wie eine Art Vademekum für Studenten, die bei den Medien des Nachbarn ein Praktikum machen können, wie auch als eine willkommene Referenz für Grundlagen vergleichender Arbeiten und als Inspirationsquelle für Studenten, die auf Themensuche im Bereich der Medien in Frankreich und Deutschland sind.

Man lernt am meisten über das eigene Land, wenn man es von außen im Vergleich mit anderen Ländern betrachtet. Dies gilt besonders für Frankreich und Deutschland (> Alfred Grosser), die sich so nahe sind, und dennoch bei genauerer Betrachtung besonders in den Medien so große Unterschiede bei den Lesegewohnheiten, auf dem Zeitungsmarkt und besonders im Verhältnis zum Staat aufweisen.

In beiden Ländern gibt es ähnliche Tendenzen zur fortschreitenden Digitalisierung auch in den Medien und besonders im Pressewesen. Beide Länder sind im Umbruch, es gibt ähnliche Antworten aber oft mit unterschiedlichen Ergebnissen. Die neuen Herausforderungen auf dem Gebiet der Werbung könnten in beiden Ländern zu noch mehr Konzentration im Pressewesen führen.

Ein Abkürzungsverzeichnis und ein „Lexique allemand-français de la presse“ ergänzen diesen Band.

Valérie Robert ist in der Universität Sorbonne Nouvelle Maitre de Conférence im Département : Etudes Germaniques. Sie ist auch zuständig für den Studiengang > Master professionnel „Formation à la pratique du journalisme européen“ (parcours allemand).

Heiner Wittmann
> Valérie Robert sur le site d’actualité des médias erwanngaucher.com
Entretien mené par Erwann Gaucher le 21/02/2012

 

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