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"Wie kann man unserem tatsächlichen Publikum einige jener potentiellen Leser hinzugewinnen? Das Buch ist inert, es wirkt auf den, der es aufschlägt, aber es schlägt sich nicht von alleine auf. Es kann nicht in Frage kommen, zu 'vulgarisieren': dadurch würde die Literatur vom Regen in die Traufe kommen, denn um die Klippe der Propaganda zu umgehen, würden wir sie mit Sicherheit genau dorthin treiben. Also auf neue Mittel zurückgreifen: sie existieren bereits; bereits die Amerikaner haben sie mit dem Namen mass media ausgestattet; das sind die wirklichen Hilfsmittel, um das virtuelle Publikum zu gewinnen: Zeitung, Radio, Film. Natürlich müssen wir unsere Skrupel zum Schweigen bringen: sicher ist das Buch die edelste, die älteste Form; sicher wird man darauf zurückkommen müssen, aber es gibt eine literarische Kunst des Funks und des Films, des Leitartikels und der Reportage. Es ist gar nicht nötig zu vulgarisieren: der Film spricht seinem Wesen nach zu den Massen; er spricht ihnen von den Massen und von ihrem Schicksal; das Radio überrascht die Leute am Tisch oder in ihren Betten, wenn sie am wenigsten Abwehr aufbringen, in der fast organischen Hingegebenheit der Einsamkeit, es profitiert heute davon, um sie zu foppen, aber das ist auch der Augenblick, wo man am besten an ihre Aufrichtigkeit appellieren kann: sie spielen ihre Rolle noch nicht oder nicht mehr. Wir haben einen Fuß in der Tür: man muß lernen, in Bildern zu sprechen, die Ideen unserer Bücher in diese neuen Sprachen zu übersetzen. Es geht keineswegs darum, zuzulassen, daß unsere Werke für den Film, oder die Sendungen von Radio France beantwortet werden: man muss direkt für den Film, für den Funk schreiben...."

Jean-Paul Sartre, Was ist Literatur?, [Paris 1948] übers. v. T. König, Reinbek b. Hamburg 1981, S. 205.


Cité avec l'aimable autorisation de Madame El Kaim Sartre.



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