Rezension: Henrik Uterwedde. Frankreich – eine Länderkunde

Henrik Uterwedde, der frühere stellvertretende Direktor des > Deutsch-französischen Instituts DFI in Ludwigsburg hat eine Frankreich-eine Länderkunde (Opladen, Berlin, Tronto: > Budrich 2017) vorgelegt. Mit 180 Seiten können sich interessierte Leser auf den neuesten Stand in politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht bringen, um mitreden zu können, wenn es um unser Nachbarland Frankreich geht.

Es geht los mit der Wahl Emmanuel Macrons am 7. Mai 2017 zum Staatspräsidenten. Eine gute Gelegenheit, auch gleich eine neue Landeskunde zu verfassen, will doch Macron so viel in Frankreich umkrempeln, so dass noch schnell eine Bestandsaufnahme dringend angesagt ist, um die Tragweite der anstehenden und versprochenen Reformen ermessen zu wollen.

Die Historischen Grundlagen werden durch eine Tabelle der aufeinanderfolgenden Regime (S. 23) ergänzt; wer sie im Kopf hat, hat auch ein Gerüst für die französische Geschichte seit 1789. Ein Kunststück, auf knapp 10 Seiten die Geschichte seit 1789 darzustellen. Man merkt der Darstellung die Souveränität an, mit der Uterwedde über sein Wissen verfügt. Wie schon in diesem Kapitel ist die weiterführende Literatur am Ende eines jeden Kapitels mit großer Sorgfalt ausgewählt.

Das politische System ist im wesentlichen eine Darstellung der Geschichte und der verfassungsrechtlichen Grundlagen der V. Republik. Der Text ist auf dem neuesten Stand und somit eine gute Grundlage um die neue Ära Macron gut verstehen zu können.

Parteien und Wahlen bestimmen das politische Leben. Hier werden die aktuellen Erschütterungen des Parteienlandschaft in einen Zusammenhang mit der Geschichte der Parteien gestellt. Unter Macron hat die Links-Rechts-Polarisierung eine Verschnaufpause. Wie lange, wird der neue Präsident, die Regierung der Mitte stärken können? In diesem Kapitel gibt es viel Stoff zum Verständnis der komplizierten Geschichte der Partien, die ihre Namen immer wieder ändern, um ihre eigene Dynamik zu erneuern.

Im Kapitel „Die Rolle des Staates“ wird u. a. die territoriale Ordnung Frankreichs in den Blick genommen, sowie die Rolle Staates im Wirtschaftsleben. Aber das Rollenverständnis in Staat und Gesellschaft ist in Bewegung geraten. Dieses Kapitel vermittelt die notwendigen Eckdaten, um das Gewicht der anstehenden Reformen gut einschätzen zu können. Dezentralisierung und Stärkung der Zwischengewalten gehören zu den wichtigen Stichwörtern.

Digitalisierung, Strukturwandel, Internet, Konzentration, neuen Nutzungsgewohnheiten bringen von den Medien in Zugzwang. Ein Erneuerungsprozess, der vom Autor verlangt, auch hier die Grundbedingungen darzustellen, nach deren Lektüre Entwicklungstendenzen in der französischen Medienlandschaft erkannt und eingeordnet werden können. Diese Aufgabe ist gut gelöst und diese Beobachtung gilt auch für die folgenden Kapitel Wirtschaft und Gesellschaft, deren Präzision dem beeindruckenden Fachwissen und der Erfahrung des Autors geschuldet ist.

„Der gesellschaftliche Zusammenhalt“: S. 141-161. Das ist warum es jetzt in Frankreich geht. Wird der neue Staatspräsident in der Lage sein, die mit seiner Wahl angekündigte Neuordnung der politischen Landschaft zu bewältigen? Es sieht so aus, als wollte er die Eckwerte der gesellschaftlichen Entwicklung jetzt in den Blick nehmen, um die Wirtschaft grundlegend zu reformieren, damit die Zahl der Arbeitslosen signifikant gesenkt werden kann. Diese Umbrüche werden auch die Gesellschaft betreffen. Wie groß wird ihr Beharrungsvermögen sein?

Das Bildungssystem ist das vorletzte Kapitel, es hätte aber viel weiter vorne stehen müssen, da hier die Achillesverse der künftigen gesellschaftlichen Entwicklungen beschrieben wird. „In kaum einem vergleichbaren Land wird so intensiv über die eigene Rolle in der Welt nachgedacht wie in Frankreich,“ S. 175, viele pertinente Beobachtungen wie diese fallen dem Autor, der ein vorzüglicher Kenner der deutsch-französischen Beziehungen ist, leicht.

Studenten, auch Schüler, finden hier ein sorgfältig aufbereitetes und klug vorgetragenes Orientierungswissen.

Hinwesie auf Bücher: Wirtschaft

 Romanistik  Philosophie   Geschichte  Kunst  Französisch    Zeitschriften
 Wirtschaft        Kontakt


Deutsch-französische Studien zur Industriegesellschaft – Band: 30

Christoph I. Barmeyer, Hans-Jörg Schlierer, Fred Seidel

Wirtschaftsmodell Frankreich
Märkte, Unternehmen, Manager

Campus-Verlag, Frankfrur/M. 2007
Leseprobe
Inhaltsverzeichnis

„Einige französische Unternehmen gehören in ihren Sektoren zu den erfolgreichsten der Welt, andere wiederum erleben große Misserfolge. Sowohl Erfolg als auch Misserfolg beruhen auf typischen Verhaltensweisen und sozioökonomischen Strukturen des französischen Wirtschafts- und Managementsystems, dessen Besonderheiten und Zusammenhänge in diesem Band dargestellt werden.“

Christoph I. Barmeyer ist Hochschullehrer an der Management-Hochschule IECS, Strasbourg/Université R. Schuman und Management- Trainer.

Fred Seidel ist Hochschullehrer an der Management-Hochschule EM Lyon und Unternehmensberater.

Hans-Jörg Schlierer ist Hochschullehrer an der Management-Hochschule EM Lyon und Unternehmensberater.


RisikomangementFalkinger, Andreas
Riskomanagement im strategischen Fit

Series: Schriften zur Unternehmensplanung Vol. 71      > *.pdf
Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2007.454 S., 30 Abb., 19 Tab. ISBN 978-3-631-54672-7 br.

„Jedes Unternehmen betreibt Risikomanagement – wenn auch nicht immer unter diesem Namen. Die in Theorie und Praxis entwickelten Systeme erfüllen zwar oftmals die gesetzlichen Vorgaben, unterstützen aber die Erreichung der Unternehmensziele oft nur sehr bedingt. Der Ansatz des Risikomanagements im strategischen Fit zeigt, wie der Risikomanagementprozess durch die Perspektiven der Organisation, Information und Unternehmenskultur mit jeweils eigenständiger Bedeutung erweitert und verbessert werden kann, um ein System zu schaffen, in dem Risikomanagement nicht bloßer Selbstzweck ist, sondern der Erreichung der Unternehmensziele dient.“ Klappentext